Ausverkauf
Ölpreise weiter im freien Fall

Die Industriestaaten wollen den Ölpreis mit aller Macht drücken. Mit ihrer Entscheidung, die strategischen Reserven anzuzapfen, haben sie die Märkte überrascht. Ob auch die Benzinpreise sinken, ist allerdings fraglich
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DüsseldorfDie Ölpreise geben nach der rasanten Talfahrt am Vortag weiter nach. Am Vormittag fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent um bis zu 1,3 Prozent auf 105,81 Dollar. Ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete 90,91 Dollar. Mitte des Monats kostete Brent noch 118 Dollar, WTI gut 100 Dollar.

"Ich glaube an eine Erholung bei Rohstoffen und sehe die Lage derzeit als Kaufgelegenheit an", verriet der Fondsmanager Tetsu Emori von Astmax Co. in Tokio. Der Einbruch des Vortages sei "eine Übertreibung" gewesen.

Am Donnerstag hatten die Industriestaaten die Märkte mit der Ankündigung überrascht, ihre strategischen Ölreserven anzuzapfen. Unter Federführung der Internationalen Energieagentur (IEA) werden 60 Millionen Barrel auf den Markt gebracht. Die Hälfte davon steuern die USA bei. Deutschland wirft zum ersten Mal seit sechs Jahren ein Teil seiner Reserven auf den Markt - insgesamt 4,2 Millionen Barrel. „Größere Engpässe im Ölmarkt bedrohen die ohnehin fragile weltweite Konjunkturerholung“, begründete die IEA den Schritt. Auch Japan und Südkorea kündigten an, sich an der Aktion zu beteiligen.

Der Ölpreis war daraufhin eingebrochen. Ein Barrel der US-Sorte WTI verbilligte sich zeitweise um mehr als fünf Dollar und kostete damit erstmals seit Februar wieder weniger als 90 Dollar. Der Preis für europäisches Brent-Öl fiel um mehr als sechs Dollar. Sowohl der US-Branchenverband API als auch die Gemeinschaft Öl Exportierender Länder (Opec) kritisierten das Vorgehen der IEA.

Nach Einschätzung der Analysten der Commerzbank könnte sich die Entscheidung der Energieagentur mittelfristig allerdings als Bumerang erweisen. „Jetzt ist es fraglich, ob sich Saudi-Arabien an seine Zusage gebunden fühlt, die Ölproduktion kurzfristig auf zehn Millionen Barrel pro Tag auszuweiten“, hieß es in einem Kommentar. Die in der Opec zusammengeschlossenen Förderländer hatten sich bei ihrem Gipfel am 8. Juni nicht auf eine Erhöhung der Fördermenge einigen können. Saudi-Arabien hatte aber zugesagt, im Alleingang mehr Öl zur Verfügung zu stellen.

Kommentare zu " Ausverkauf: Ölpreise weiter im freien Fall"

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  • Manipulation am Öl und Edelmetallmarkt :
    http://www.goldreporter.de/gold-silber-ol-%E2%80%93-marktinterventionen-immer-deutlicher/gold/10428/

  • Hier geht es um die Erhöhung von Umlaufsvermögen (Lagerabbau), Liquidität. Wenn die USA schon so klam sind, daß sie dies so brauchen, dann kommt der US$ Crash immer näher. Prost!

  • Ja Skilled12, für mich auch nicht, aber wo steht denn, dass der Ölpreis von 159 € (?) auf 105,81 (€ oder $?) gefallen ist?

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