Auto-Boom sorgt für zusätzliche Nachfrage
Rohölpreise hängen an Chinas Wirtschaftszyklus

Der immense chinesische Energiebedarf gilt als einer der Hauptgründe für den steilen Anstieg der Rohölpreise. An Chinas Zapfsäulen ist allerdings von den globalen Ölpreis-Sorgen nichts zu spüren. An den Tankstellen entlang der Küste in Peking, Schanghai und Guangzhou herrscht eitel Sonnenschein.

PEKING. Das wachsende Heer privater Autofahrer zahlt schlappe 31 Euro-Cent je Liter Normalbenzin. Weit fahren kann damit in China freilich niemand. Denn die gewaltige Blechlawine in Chinas Hauptstadt erlaubt bei einem Zuwachs von mehr als 1 000 PKW pro Tag nur noch ein monatliches Durchschnittstempo von müden 11 km/h. Das bewahrt praktisch jeden Benzin-Etat davor, in Schwindel erregende Höhen zu driften.

Die Differenz zwischen dem billigen Preis an der Zapfsäule und dem hohen Weltmarktpreis für das begehrte Ausgangsprodukt Rohöl subventioniert der Staat. Die meisten der rund vier Mill. privaten PKW- Fahrer im Reich der Mitte ahnen daher kaum, dass ihre neuen Fahrfreuden spürbar zum Anstieg der globalen Ölpreise beitragen.

Die Autos auf Chinas Straßen verbrauchten vor drei Jahren schon knapp 66 Mill. Tonnen (t) Öl. Das war ein Drittel des nationalen Verbrauchs, der zu einem Drittel mit Einfuhren gedeckt werden muss, Tendenz rasch steigend. Bis 2010 soll der Ölverbrauch auf Chinas Straßen bereits 138 Mill. t erreichen, 43 % des landesweiten Bedarfs.

Chen Qingtai, ein Energie-Experte im Development Research Centre des Staatsrats, warnt, dass der Benzinhunger aus der Motorisierungswelle großen Druck auf Chinas Ölvorräte ausüben wird. Und Andy Xie, China-Experte bei Morgan Stanley in Hongkong, sieht Chinas Auto-Boom neben den heiß gelaufenen Investitionen in der Turbo-Wirtschaft und der klaffenden Elektrizitätslücke als eigentlichen Treiber für den außergewöhnlich hohen Zuwachs beim Ölbedarf.

Chinas wachsender Ölhunger, schätzt Xie, trug von 1987 bis 1997 lediglich 18 % zum weltweiten Verbrauchszuwachs bei. Doch von 1999 bis 2002 soll der Anteil Chinas auf 31 % gestiegen sein. „Der steigende Bedarf in China ist die Hauptursache für die hohen Ölpreise“, sagt Xie, und verweist darauf, dass Chinas Ölnachfrage drei Mal so schnell zunimmt wie in den 90-er Jahren. Im vergangenen Jahrzehnt nahm der globale Verbrauch pro Jahr um 1 Mill. Barrel pro Tag zu. „Chinas Bedarf allein wächst nun so schnell.“

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