BaFin
Aufklärung der Devisen-Trickserei braucht viel Zeit

Die Praktiken der Devisenhändler sind verworren, trotz vereinter internationaler Kraftanstrengung sieht die BaFin noch viel Klärungsbedarf bei der Wechselkurs-Manipulation. Doch die Banken wollen offenbar auch Klarheit.
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FrankfurtIm Skandal um manipulierte Devisenkurse schlägt die deutsche Finanzaufsicht BaFin Alarm. „Das, was wir sehen, ist nicht beruhigend“, sagte der für die Bankenaufsicht verantwortliche Exekutivdirektor Raimund Röseler am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz der Behörde in Frankfurt. „Es hat Versuche gegeben, Preise zu manipulieren.“ Konkrete Beispiele wollte er jedoch nicht nennen. Es gehe um mehrere Währungen, wohl aber nicht um Leitwährungen wie den Dollar. Die BaFin stehe bei ihrer Untersuchung in engem Kontakt mit den Aufsehern in anderen Ländern. Das Thema sei komplex, die Ermittlungen dürften sich deshalb mindestens bis ins nächste Jahr hinziehen.

Die weltumspannende Untersuchung möglicher Manipulationen der Referenzkurse für verschiedene Währungen läuft schon seit etwa einem Jahr. Dabei durchforsten die Aufseher Tausende elektronische Nachrichten von Händlern, um der Frage nachzugehen, ob diese sich unerlaubt abgesprochen haben, um Kunden über den Tisch zu ziehen und Handelsgewinne einzustreichen. Auf diese Weise waren die Behörden schon den Manipulationen bei den Interbanken-Zinssätzen Libor und Euribor auf die Spur gekommen. Potenzielle Strafen im Devisenskandal dürften nach Einschätzung von Experten aber ungleich höher ausfallen als im Zinsfall. Denn am Devisenmarkt werden täglich etwa 5,3 Billionen Dollar umgesetzt.

Einer der größten Devisenhändler der Welt ist die Deutsche Bank, die nach Angaben aus Finanzkreisen bereits mehrere Händler der Sparte entlassen oder beurlaubt hat, darunter auch eine führende Devisenhändlerin in London. Zur Aufklärung der Vorwürfe hat das Geldhaus eine eigene interne Untersuchung gestartet und stets beteuert, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Aus Aufsichtsratskreisen verlautet, die interne Untersuchung sei inzwischen zu einem Viertel abgeschlossen. Dabei gebe es zwar Hinweise auf Tricksereien etwa beim Peso, aber nicht bei Dollar, Euro, Pfund oder Yen.

Das deckt sich mit den Äußerungen von Röseler. Nach seinen Worten laufen auch bei anderen deutschen Geldhäusern interne Devisen-Untersuchungen. Die Kooperationsbereitschaft der Banken sei groß.

Im Zinsskandal wurde die Deutsche Bank neben anderen internationalen Großbanken von der EU-Kommission bereits zu einer Strafe von 725 Millionen Euro verdonnert, Bußgelder in Großbritannien und den USA drohen in der Sache ebenfalls. Die BaFin prüft nun schon seit geraumer Zeit, was hochrangige Manager der Deutschen Bank - insbesondere der langjährige Chef-Investmentbanker und heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain - von den Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor wussten. Diese Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, aber auf der Zielgeraden, sagte Röseler nun. Mit Ergebnissen sei im Sommer zu rechnen. Auch hier läuft parallel eine interne Untersuchung der Bank.

Nach Röselers Worten kommen die Aufseher beim Durchforsten der Emails und Chats durchaus ins Schmunzeln. In einem Falle hätten sich zwei Händler verabredet, den Kurs in eine bestimmte Richtung zu manipulieren, am Ende aber dann jeweils genau das Gegenteil gemacht: „Die haben sich also gegenseitig beschissen.“

Der Libor und sein europäischer Bruder Euribor sind die Grundlage für Finanzgeschäfte im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. In Sachen Euribor knöpfte sich die EU-Kommission nun die drei Großbanken Credit Agricole, HSBC und JP Morgan vor und ließ sie offiziell wissen, dass sie im Verdacht stünden, sich an betrügerischen Absprachen beteiligt zu haben. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia betonte allerdings auch: „Wir können noch kein abschließendes Urteil fällen.“ Sollte am Ende festgestellt werden, dass die Institute tatsächlich EU-Wettbewerbsrecht gebrochen haben, drohen ihnen Strafen von bis zu zehn Prozent ihrer jährlichen Einnahmen. JP Morgan und HSBC wiesen die Vorwürfe zurück, Credit Agricole will die Beschwerdepunkte prüfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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