Banker auf Abwegen
Die privaten Wetten der Devisenhändler

Eigentlich sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Trotzdem haben Devisenhandler offenbar Informationen zum Handel an Day-Trader weitergeleitet. So lancierten sie private Wetten, um den großen Reibach zu machen.
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Nicht alle Banker können den Versuchungen ihres Jobs widerstehen. Devisenhändler in London haben offenbar Informationen über Kunden-Orders an Day-Trader in Essex weitergegeben. Das bestätigen jedenfalls informierte Kreisen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Händler sollen dann entsprechende Deals im Auftrag der Banker platziert haben. Beschränkungen zum privatem Handel sollen so umgangen worden sein, schildern drei Personen mit Kenntnis der Praxis.

Bankmitarbeiter haben demnach ihre Mobiltelefone und Instant- Messages genutzt, um Einzelheiten über bevorstehende Orders an Einzelpersonen weiter zu leiten, die von angemieteten Handelsbereichen aus in Büros am Rande der britischen Hauptstadt arbeiteten. Die Day-Trader sind dann Wetten über die Tendenz von Währungen eingegangen. Die Profite wurden später in bar aufgeteilt.

Die Praxis zeigt, in welchem Ausmaß Händler bereit sind, Regeln zu umgehen, die eigentlich verhindern sollen, dass sie auf Kosten der Kunden profitieren. Es zeigt auch, dass sich die mutmaßlichen Missstände am Devisenmarkt über die Handelsabteilungen des Londoner Finanzdistrikts auf unregulierte Day-Trader in Essex und Kent ausweiten.

„Es ist fast unmöglich für Banken, dem einen Riegel vorzuschieben - es sei denn, sie fänden einen Weg, sämtliche Formen der Kommunikation vom Handelsbereich zu kontrollieren“, sagt Tom Kirchmaier von der London School of Economics.

Aufsichtsbehörden weltweit haben mit Ermittlungen am Devisenmarkt, an dem täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt werden, begonnen. Im Juni berichtete Bloomberg bereits, dass Mitarbeiter mehrerer Firmen sagten, sie hätten über Instant Messages Informationen über ihre Positionen mit Kollegen ausgetauscht und versucht, die als Benchmark dienenden WM/Reuters-Sätze zu manipulieren.

Die britische Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority hat seitdem ihre Ermittlungen ausgeweitet und untersucht nun, ob Händler auch Wetten auf Devisenbewegungen über ihre persönlichen Konten abgegeben haben, berichtet eine andere informierte Person, die um Anonymität bat.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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