Batterien gefragt
Blei erstmals so teuer wie Aluminium

Wurde das giftige Schwermetall Blei im Laufe der letzten Jahre aus vielen Produkten verbannt, gibt es in manchen Branchen keine Alternativen. So müssen zum Beispiel Hersteller von Batterien mit Blei arbeiten. Deren Absatz steigt stetig und besonders China hat großen Anteil daran.

LONDON. Erstmals in seiner Geschichte war Blei teurer als Aluminium. An der Londoner Metallbörse (LME) notierte das NE-Metall (Nichteisen-Metall) in der vergangenen Woche vorübergehend bei 2 745 Dollar je Tonne. Inzwischen ist der Preis allerdings wieder unter die 2 700- Dollar-Marke gerutscht. Seit Jahresbeginn hat der Bleipreis rund 60 Prozent zugelegt.

Kevin Norrish von Barclays Capital erwartet einen weiteren Preisanstieg bei Blei. Nach seiner Einschätzung ist die Substitutionsphase des giftigen Metalls aus gesundheitlichen und Umweltschutzgründen inzwischen so gut wie abgeschlossen. Es werde kaum noch in Rohren verwandt, nicht mehr als Lötmaterial für Lebensmitteldosen oder als Pigment in Farben und Lacken für den Privatgebrauch. „Die verbleibende Kundschaft hat dagegen nur wenig Alternativen zu dem Schwermetall“, sagt Norrish. Dazu gehören vor allem die Hersteller von Batterien, die 80 Prozent des weltweiten Angebots an Blei aufnehmen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei China. Dort treibe nicht nur der rapide expandierende Automobilbau den Bedarf an Batterien in die Höhe. Auch Millionen von Mopeds mit Batterieantrieb trugen zu dem um über ein Fünftel gestiegenen Bleibedarf des Landes seit Jahresbeginn bei.

Stephen Briggs von der Société Générale führt den diesjährigen steilen Preisanstieg auf eine ganze Reihe von soliden fundamentalen Ursachen zurück, „wenngleich auch die Spekulanten dabei mitgeholfen haben“. Blei beginne sich inzwischen ein wenig wie Nickel „anzufühlen“.

In den ersten vier Monaten 2007 überstieg der weltweite Bedarf an Blei die Produktion um immerhin 111 000 Tonnen. Chinas Förderung von Bleikonzentrat deckt nur noch ein Drittel des eigenen Verarbeitungsbedarfs. Die Ausfuhr von raffiniertem Blei will Peking zudem künftig mit einer Exportsteuer erschweren; die Ausfuhr könnte sich daher halbieren. „Die Tatsache, dass Blei größtenteils nur als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle – vor allem von Zink – anfällt“, ist laut Kevin Norrish einer ausreichenden Versorgung ebenfalls kaum förderlich.

Indes hat auch der ungewöhnlich hohe Anteil von 60 Prozent an Bleischrott bei der Herstellung von raffiniertem Blei die angespannte Versorgungslage nicht lindern können.

Der Markt spiegelt diese Knappheit wider. Selbst als vergangene Woche der Export von 9 000 Tonnen Konzentrat aus einer australischen Mine freigegeben wurde, reagierte der Kassapreis für Blei an der LME wenig. Die australischen Exporte der Mine waren bereits im März aus Umweltschutzgründen untersagt worden. Auch die Notierungen an den Terminmärkten signalisieren anhaltende Knappheit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%