Bedeutung gestiegen
Nigeria bewegt den Ölmarkt

Die Präsidentschaftswahl in Nigeria im Mai interessierte nicht zuletzt auch die ölabhängige Wirtschaft: Das afrikanische Land gewinnt als Rohölförderer an Bedeutung. Doch trotz bester Voraussetzungen entwickelt sich Nigeria immer wieder zum preistreibenden Störfaktor – der Grund ist eine Spirale der Gewalt.

KAPSTADT/DÜSSELDORF. Einen Monat nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Nigeria hat eine neue Welle der Gewalt im Nigerdelta zur Schließung weiterer Ölfelder geführt. Zusätzlich sorgten sich die Marktteilnehmer über einen Streik in dem afrikanischen Land. Der Preis für ein Barrel Brentöl stieg deshalb deutlich über die Marke von über 70 Dollar je Barrel (159 Liter); erst das Ende des Streiks bremste den weiteren Anstieg.

„Die Wiederaufnahme der Arbeiten hat die Lage etwas entspannt“, sagte Energieexperte Gerard Burg von der National Australia Bank der Nachrichtenagentur dpa. „Preistreibend wirkt derzeit die Gefahr kurzfristiger Lieferausfälle“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, zu den jüngsten Preisaufschlägen. In Nigeria liege die Ölproduktion wegen Anschlägen auf Förderanlagen 25 Prozent niedriger ist als üblich.

Militante Gruppen hatten in den vergangenen zwei Wochen ein vom italienischen Ölkonzern Eni betriebenes Ölfeld angegriffen und 27 Geiseln genommen. Am Donnerstag war die betroffene Ölplattform vom Militär zurückerobert worden. Fast zeitgleich hatte eine andere bewaffnete Gruppe eine Öleinrichtung des US-Konzerns Chevron attackiert, was zu einem Produktionsrückgang um 42 000 Barrel führte. Damit befindet sich rund ein Viertel der nigerianischen Förderung von 2,4 Mill. Barrel am Tag außer Betrieb. Das Land hat durch derartige Ausfälle allein 2006 rund vier Mrd. Dollar an Öleinnahmen verloren.

Der neue Präsident Nigerias, Umaru Yar'Adua, hat schnelle Hilfe versprochen. „Die Entwicklung der Lage im Nigerdelta wird über Erfolg oder Misserfolg meiner Präsidentschaft entscheiden“, sagte er. Schon deshalb wolle er den seit Jahren schwelenden Konflikt „ein für allemal“ beenden.

Nigerias Regierung hat erst vor ein paar Tagen, kurze Zeit nach der Machtübernahme des neuen Präsidenten, den militanten Führer Mujahid Dokubo-Asar überraschend gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Seine Freilassung gehörte zu den Hauptforderungen der Gruppen, die in den letzten Monaten Angriffe auf Ölfelder verübt haben. Dokubo Asar hat seine Anhänger inzwischen aufgefordert, die Geiselnahmen zu stoppen. „Wir kämpfen gegen die ungerechte Verteilung der Öleinnahmen, aber sollten dabei nicht unsererseits Ungerechtigkeiten gegen andere verüben,“ sagte er nach der Rückkehr nach Port Harcourt.

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