Benzinpreise bleiben hoch
Clement gibt Teil der Ölreserven frei

Ein Teil der deutschen Ölreserven ist von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement freigegeben worden. Die freigegebenen Ölreserven sollen helfen, die Produktionsausfälle in den USA nach dem Hurrikan „Katrina“ auszugleichen.

HB BERLIN. Ab Mittwoch würden 474 000 Tonnen Rohöl und Mineralölprodukte in den Markt gegeben, teilte das Wirtschaftsministerium in Berlin mit. Auf Antrag der USA habe die Internationale Energieagentur (IEA) am Freitagabend mit Zustimmung aller 26 Mitgliedstaaten beschlossen, dem Markt insgesamt 60 Millionen Barrel in den nächsten 30 Tagen zur Verfügung zu stellen, hieß es weiter. Clement äußerte die Erwartung, dass der Ölpreis weiter zurückgehen wird. „Die Preise können nicht auf dem derzeitigen Niveau bleiben, wenn die Firmen vernünftig handeln“, sagte der SPD-Politiker. Sie müssten zu einem realen Markt-Preis zurückgehen.

Clement äußerte sich ähnlich wie Bundeskanzler Gerhard Schröder, der den Mineralölkonzernen im Fernsehduell mit seiner Unions-Herausforderin Angela Merkel vorgeworfen hatte, durch ihre großen Gewinnspannen unverantwortlich zu handeln. Merkel hatte dieser Aussage zugestimmt. Der Geschäftsführer von Total Deutschland, Thierry Pflimlin, wies Vorwürfe zurück, die Ölkonzerne betrieben Wucher. Die Gewinne der Konzerne seien nicht groß, der Löwenanteil am Profit entfalle auf die Staatskonzerne der Förderländer, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Nach einem leichten Rückgang am Wochenende verharrten die Benzinpreise am Montag auf hohem Niveau. Superbenzin kostete im Bundesdurchschnitt 1,43 Euro je Liter und war damit zwei Cent günstiger als Freitag, wie ein Sprecher des Mineralölkonzerns Aral sagte. Der Marktführer hatte seine Benzinpreise nach der Ankündigung zur Freigabe der Ölreserven am Freitag um zwei Cent gesenkt. Davor hatte sich Benzin trotz sinkender Ölpreise um insgesamt 18 Cent verteuert.

„Bisher haben wir keine Preismaßnahmen beobachtet und haben auch keine durchgeführt“, sagte ein Aral-Sprecher. Ein Sprecher des Konkurrenten Esso ergänzte, nach der Ankündigung zur Freigabe der Ölreserven sei der Preis am Rotterdamer Spotmarkt vergleichsweise geringfügig gesunken. „Ob das ein nachhaltiger Trend ist, weiß ich beim besten Willen nicht. Wir können als Mineralölunternehmen nur noch einen Teil des Preises erklären“, fügte der Esso-Sprecher hinzu. Er verwies darauf, dass ein Großteil der Preisveränderungen am Ölmarkt durch Spekulationen getrieben sei.

Clement nannte die Entscheidung zur Freigabe der Reserven und die weiteren Hilfen für die vom Hurrikan „Katrina“ betroffenen Regionen einen Ausdruck der Solidarität mit den USA. Bundeskanzler Schröder hatte die Maßnahme am Freitag angekündigt. Er entsprach damit der Bitte der USA, einen Teil des nationalen Ölvorrats im Rahmen einer koordinierten Aktion mehrerer Industriestaaten freizugeben. Damit sollen die Probleme bei der Erdölversorgung gelöst werden, die durch den Hurrikan „Katrina“ im Golf von Mexico entstanden sind.

Durch die Naturkatastrophe ist die Benzin-Produktion in den USA stark eingeschränkt. Erst eine von acht Öl-Raffinerien, die in Bundesstaaten Mississippi und Louisiana in Folge des Sturms geschlossen waren, arbeitet seit Sonntag wieder. Mehrere andere arbeiten wegen fehlender Zulieferung nur eingeschränkt.

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