Berauschte Investoren
Kampf der Goldspekulanten spitzt sich zu

Geteilte Welt am Goldmarkt: Während vor allem langfristig orientierte Großanleger das Edelmetall für sich entdecken und den Einstieg wagen, spitzt sich bei den Spekulanten an den wichtigsten Terminmärkten in den USA der Kampf um den kurzfristigen Verlauf zu.
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FRANKFURT/BERLIN. Der Handel mit Futures und Optionen hat in den vergangenen Wochen Rekord-Dimensionen angenommen. Das belegen Daten der Regierungsbehörde CFTC. Eine Mehrheit wettet dabei auf einen fallenden Preis.

Insgesamt ist die Zahl der Terminkontrakte und Optionen auf Gold im September auf mehr als 840 000 gestiegen und damit um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Vor allem Unternehmen wie Goldförderer, die sogenannten Commercials, haben sich zuletzt so stark gegen sinkende Preise abgesichert wie historisch nur einmal im Frühjahr dieses Jahres. Auf der Gegenseite stehen die Non-Commercials, also die kursfristigen Anleger, die auf höhere Preise spekulieren. Sie setzen so stark auf einen steigenden Goldpreis wie niemals zuvor.

Am Montag lag der Goldpreis mit rund 1 350 Dollar je Unze nahe seinem historischen Hoch vom vergangenen Donnerstag. „Wir sehen im Moment bei den Commercials und den Non-Commercials sehr hohe Positionen“, sagt Carsten Fritsch bei der Commerzbank.

Edelmetallexperten und Vermögensverwalter sorgen sich unabhängig von allen Spekulationen weiter über hohe Staatsschulden und einen Abwertungswettlauf der Währungen. „Daran kommt niemand vorbei“, sagt beispielsweise Shayne McGuire, Leiter des 95 Mrd. Dollar großen US-Pensionsfonds Teacher Retirement System of Texas.

Pensionsfonds sind bisher kaum in Gold investiert

Die wichtigen institutionellen Investoren wie die Pensionsfonds agieren langfristig und legen immer noch kaum in Gold an. „Sie haben im Schnitt hier nur 0,15 Prozent ihrer Gelder investiert“, sagt McGuire, der selber mehrere hundert Mio. Dollar des eigenen Fonds in Gold gesteckt hat.

Die US-Pensionsfonds verwalten insgesamt 25 Bio. Dollar und sind so eine entscheidende Größe. „Bisher waren die Engagements gering, aber warum sollte die Quote in den nächsten fünf Jahren nicht beispielsweise auf 0,6 Prozent steigen“, sagt Philip Klapwijk, Chairman der Edelmetall-Beratungsfirma GFMS in London.

Die Pensionsfonds haben in den vergangenen Jahren kaum auf Gold geachtet. „Sie brauchen sehr lange für eine strategische Entscheidung“, sagt Klapwijk. Das gilt ähnlich für andere institutionelle Investoren. Und viele Großanleger können aus praktischen Gründen heraus erst über die relativ jungen börsengehandelten Goldfonds, sogenannte ETFs, in das Metall investieren. Man kann diese Fonds ordern wie Wertpapiere, so dass beispielsweise Lagerhaltung kein Problem mehr ist. Diese ETFs gibt es erst seit wenigen Jahren. Sie haben ein Kapital von 90 Mrd. Dollar. Trotz eines rasanten Wachstums entspricht ihr Vermögen erst der Marktkapitalisierung einer einzelnen großen Aktie wie etwa McDonald’s.

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  • Was ich noch nie so recht verstanden habe, - was ich aber immer wieder lese - ist wieso Großanleger erst über ETFs in Rohstoffe investieren konnten. Zertifikate gibt es ja schon länger als ETFs, und über die wäre es ja ebenfalls möglich an Rohstoffen zu partizipieren.
    Wieso also imme wieder diese behauptung, dass esd durch ETFs es institutionellen- oder Großanleger erst überhaupt ermöglicht wurde in Rohstoffe zu investieren? Warum keine Zertifkate wie "iSiN DE000A0Ab842"?

    mit freundlichen Grüßen

  • @ Goldfreund

    Nicht zu vergessen: brillanten (River - Wesselton) in perfekter beschaffenheit mit den besten Zertifikaten der Welt: GiA, HRD und iGi - in fünf Erdteilen gültig! Hier liegt jeder investor richtig.

  • Ausser Gold und Silber eignet sich fast nichts als Wertspeicher, denn nur Gold und Silber erfüllen die MiNDESTeigenschaften von Geld:
    fungibel, liquide, chemisch dauerhaft beständig (im Gegensatz zu Nahrungsmitteln),
    ohne Verlust teilbar für Wechselgeld (im Gegensatz zu Edelsteinen),
    selten und nicht beliebig vermehrbar zur inflationseindämmung (im Gegensatz zu z.b. Papiergeld),
    leicht transportierbar (im Gegensatz zu immobilien), etc.
    Unabhängig von der Zahlungsfähigkeit irgendeiner institution oder irgendeines Staates.
    Selbst eine Rezession müssen Fans des gelben Metalls nicht fürchten. Anders als bei Silber oder Platin hängt der Goldpreis nicht von der Nachfrage aus der industrie und damit von der Konjunkturentwicklung ab.
    Diese Eigenschaften erfüllen im Wesentlichen nur Gold und Silber. Genau das ist der Grund, warum diese beiden Metalle seit Jahrtausenden als einzige stabile Währung gedient haben. Die Gold- und vor allem die Silberreserven sind in wenigen Jahren bereits aufgebraucht, dann geht der Preis ohnehin durch die Decke.

    Es gibt inzwischen immer mehr, die schon seit Jahren auf eine Korrektur warten. bei 400 Euro/Unze wartete man bis nochmal die 350 kommen, bei 560 dachte man, daß 500 ein guter Einstieg wären, bei 800 war es schon viel zu teuer und jetzt haben wir um die 1.000 Euro und da ist es die blasenbildung und das bald kommende Goldverbot, weshalb man immer noch nicht dabei ist!
    Es sind die immer ähnlichen/gleichen "begründungen" für jene, die den rechtzeitigen Einstieg einfach verschlafen haben.

    Wenn jeder Deutsche nur fünf Prozent seines Vermögens in Gold steckt, würde das eine gesamte Welt-Jahresproduktion absorbieren. Dann sind gänzlich neue Preisdimensionen denkbar.
    Und noch etwas zum Nachdenken. Gibt es auch nur einen Staat, der einen Tilgungsplan für die aufgetürmten Schulden hat?

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