Bergbauboom in Chile
Die neureichen Kumpel von Esperanza

In Chile lassen es sich die Bergarbeiter aus den Kupferminen gut gehen. Sie fahren Sportwagen, tragen teure Uhren und Hugo Boss. Zu verdanken haben sie das dem Rohstoffhunger Chinas. Der Boom birgt jedoch Risiken.
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Erick Moreno arbeitet in einer Kupfermine. Vor zwei Jahren fing er im Bergwerk Esperanza im Norden Chiles an. Seitdem hat sich sein Gehalt verdreifacht. Er denkt darüber nach, sich ein Haus zu kaufen. Seine Kollegen fahren Sportwagen. Die chilenischen Bergarbeiter freuen sich über einen unverhofften Reichtum.

Die Gründe dafür liegen im Fernen Osten. Sie haben damit zu tun, wie sich die Gewichte in der Weltwirtschaft verschieben. Früher führte der Weg zu Wohlstand nur über die USA. Heute ist es der Rohstoffhunger Chinas, der den Förderländern gute Geschäfte beschert. Die Chinesen sorgten in den vergangenen Jahren dafür, dass die Kupferminen am anderen Ende der Welt ausgelastet sind - und die Bergarbeiter von einem besseren Leben träumen durften.

„Ich werde in dieser Branche alt werden, ich sehe mich nirgendwo anders“, sagt Erick Moreno, der aus Antofagasta kommt. „Wenn man in einem Kupferbergwerk anfängt, ändert sich alles sehr schnell.“

Der 27-Jährige hat seine Ausbildung zum Ingenieur an der Universität von Antofagasta, einer Stadt am Rande der Atacama-Wüste, abgeschlossen. Viele seiner Kollegen hatten weniger Geduld. Sie brachen das Studium ab, um noch schneller einen Job im Bergbau zu bekommen. Die meisten besäßen bereits ein Haus, berichtet Moreno, die Älteren sogar mehrere Immobilien. Schnelle Autos seien ebenfalls sehr begehrt.

Die Nachfrage nach Kupfer ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, ebenso der Preis. In diesem Zeitraum hat er sich vervierfacht. Aktuell kostet eine Tonne Kupfer knapp 7300 Dollar. Allerdings ist keineswegs sicher, ob sich der Boom im selben Tempo fortsetzt.

Der Rohstoff wird in großen Mengen von der Industrie verbraucht, für Stromleitungen, in der Automobilherstellung oder auf dem Bau. Die weltweite Nachfrage liegt bei gut 20 Millionen Tonnen, davon entfallen 8,3 Millionen Tonnen auf China. Das ist ein Anteil von mehr als 40 Prozent.

Chile wiederum verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt, ebenfalls etwa 40 Prozent. In dem schmalen Landstreifen zwischen Anden und Pazifik liegen die größten Minen der Welt. Im Jahr 2010 nahm die gesamte Welt Anteil am Schicksal von 33 Bergarbeitern, die nach einem Grubenunglück nahe der Stadt Copiapo verschüttet worden waren. Sie mussten wochenlang unter Tage aushalten, am Ende wurden alle gerettet. Das Selbstverständnis Chiles als Bergbaunation erschütterte das Unglück nicht.

Kommentare zu " Bergbauboom in Chile: Die neureichen Kumpel von Esperanza"

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  • Das gönne ich den Männern. Wer ordentlich arbeitet, soll auch ordentlich verdienen. Ist doch gar nicht einzusehen, daß die Knöppchendrücker mehr bekommen sollen, als die, die wertschöpfend arbeiten.

  • @ottissimo: Ja, klar Aktionäre braucht man da nicht. Das geht dann ganz einfach: Sie stellen den fleißigen Kumpels ein paar Schaufel, Spitzhacken und Schubkarren (Umsonst natürlich) und dann brauchen Sie auch keine nichtsnutzigen Aktionäre mehr.
    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Das Problem des Potts sind wohl eher die importierten Sozialfälle als irgendwelche abgeebbten Rohstoffboomereien

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