Bericht in der Zeitung Business Week
Zweifel an der Höhe der Öl-Reserven in Saudi Arabien

Die Saudis können ihre Ölproduktion nicht mehr deutlich steigern. Das berichtet die US-Zeitung "Business Week" und bezieht sich auf Kreise in der saudi-arabischen Ölindustrie. Doch es gibt Zweifel an der Darstellung.

DÜSSELDORF. Mit der Einberufung einer OPEC-Sonderkonferenz Ende Juni wollte der König von Saudi Arabien die Vorherrschaft seines Landes auf dem Ölmarkt nochmals betonen. In einer klaren Botschaft gab er zu verstehen: Saudi Arabien kann seine Ölproduktion jederzeit steigern, um auf die steigenden Nachfrage zu reagieren.

Damit wollte König Abdullah vor allem eine Panik auf dem Ölmarkt verhindern. Allerdings zweifeln immer mehr Experten an den Reserven und Kapazitäten des ölreichsten Landes der Welt, wie die amerikanische Zeitschrift "Business Week" berichtet. Nach deren Darstellung ist über die Leistungsfähigkeit der saudischen Ölindustrie wenig bekannt. Der genaue Umfang der Reserven werde nicht benannt und Ölförderungsstandorte stehen nur in Ausnahmefällen Experten und Journalisten offen.

Die Konferenz im Juni war eben so ein Ausnahmefall: Anlässlich des Ereignisses wurde Journalisten das neue Al-Khurais-Ölfeld gezeigt. Gar Daten wurden preisgegeben. Saudi Arabien kündigte an, es könne bis Ende 2009 seine jetzige Produktion von 10 Millionen Barrel pro Tag auf 12,5 Millionen steigern. Sollte der Markt es brauchen, könnten noch zusätzliche Kapazitäten angewandt werden, um bis 15 Millionen Barrel pro Tag zu befördern.

Der Originalbericht in der Bussiness Week



Warum diese plötzliche Offenheit? Beobachter vermuten dahinter einen Versuch des Königreichs, sein Image aufpolieren. Hörte in der Vergangenheit noch jeder zu, wenn sich Saudi Arabien zum Ölmarkt äußerte, zweifeln mittlerweile immer mehr Analysten an den Aussagen und Angaben aus Riad. Unbeeindruckt von den Versprechungen der Juni-Konferenz stieg so der Ölpreis erneut an. Und auch der versprochenen Produktionssteigerung schenken viele Experten keinen Glauben. Die Saudis könnten bis 2010 höchstens 12 Millionen pro Tag schaffen, berichtet Business Week mit Verweis auf höhere saudische Kreise - und das auch nur im Notfall. Der Tagesbasis bliebe bei maximal 10,4 Millionen Barrel, zitiert "Business Week" aus einem offiziell abgesegneten Übersichtsdokument der saudiarabischen Ölfelder.

Das Dokument kündigt flache Produktion über die nächsten fünf Jahre an. Zwei neue Ölfelder sollen zwar in Betrieb genommen werden, das Prachtstück der saudiarabischen Ölindustrie, Ghawar, werde aber ab 2009 weniger hergeben. Nach Raten von 5,4 Millionen nächstes Jahr solle die Produktion dann zügig auf knapp 4,5 Millionen im Jahr 2010 sinken. Die zwei neuen Ölfelder Manifa und Khurais bringen dagegen bis 2014 maximal 1,5 Millionen zusätzlich Barrel pro Tag, zitiert "Business Week" weiter aus dem Papier.

Experten in den USA halten den Bericht für plausibel. Roger Diwan von der Beratungsfirma PFC Energy sagt, auch nach dem angekündigten Ausbau beliefen sich die saudi-arabische Kapazitäten auf höchstens 12 Millionen Barrel pro Tag. Auch Matthew Simmons, Chef der Investment Bank Simmons & Co in Houston ist skeptisch gegenüber den aktuellen saudi-arabischen Reserveschätzungen.

Anders sieht das Robert Marbro, Leiter des Oxforder Instituts für Energiepolitik. Er sagt gegenüber Handelsblatt.com: "Zweifel über Reserven und Kapazität in Saudi Arabien stammen alle von Simmons & Co. Das ist alles Quatsch. Wieso veröffentlichen sie einen solchen Bericht?" Auch Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte bei Commerzbank in Frankfurt, hält den Bericht für fragwürdig: "Solche Berichte sind immer tendenziös. Seit den 20er Jahre gibt es stets welche, die sagen, die Wüste wird trockenlaufen. Es ist noch nie passiert."

Tatsächlich bleibt Saudi Arabien das einzige Land, das überhaupt zusätzliche Kapazitäten besitzt. Doch bleibt die gewisse Unsicherheit über die tatsächliche Menge der saudi-arabischen Reserven.

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