Besonders Automobil-, Chemie-, Pharma- und Technologie-Werte zählen zu den Gewinnern eines steigenden Dollars
Sinkender Euro freut die Aktionäre

Über zehn Cent ist der Euro gegenüber dem US-Dollar seit seinem Höchststand Ende Mai gefallen. Gestern notierte er im Tagesverlauf nur noch knapp über 1,08 Dollar – ein neues Viermonats-Tief.

FRANKFURT/M. Doch was deutschen USA-Touristen den Urlaub verteuert, lässt Aktionäre erfreut aufhorchen: „Die Ergebnisse des dritten Quartals von Dax- und Euro-Stoxx- 50-Unternehmen werden durch diesen Effekt nicht so schwach ausfallen wie zuvor befürchtet“, sagt Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zu den Profiteuren der jüngsten Dollar-Stärke könnten aus Strategensicht vor allem Automobil-, Pharma- und Chemie- sowie Technologie-Werte gehören.

Borghoff macht dabei folgende Modellrechnung auf: Eine Verringerung des Euro-Kurses um 10 % zu Gunsten des Dollars steigert den Gewinn aller Dax-Unternehmen um 7 %. Die konkreten Auswirkungen sind natürlich von der jeweiligen Dollar-Lastigkeit abhängig. Ähnliche Szenarien machen viele Unternehmen auf. Schering zum Beispiel gibt die Faustregel aus, dass eine Veränderung des Euro-Dollar-Verhältnisses um 0,05 Euro das Nettoergebnis um 1 % verändert. Bei BASF wirkt sich nach Unternehmensangaben eine Veränderung um 0,01 Euro mit 17 Mill. Euro auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus. Zwar sind letztlich alle Unternehmen gegen Währungsschwankungen abgesichert, doch ist das so genannte Hedging ein rollierender Prozess und sichert die Unternehmen zudem nur für einen gewissen Zeitraum ab. „Dadurch wird zumindest wichtige Zeit gewonnen, um erforderliche Geschäftsveränderungen vorzunehmen“, urteilt Thomas Hollenbach von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LPR). Die Hedge-Strategie steht bei den Unternehmen täglich auf dem Prüfstand.

Entscheidend ist jedoch nun vor allem die verbesserte Situation europäischer Unternehmen gegenüber US-Wettbewerbern. Die Preisgestaltung für neue Aufträge wird einfacher. „Die Umsätze sollten sich im dritten Quartal besser entwickeln als zunächst erwartet“, sagt Ralf Zimmermann vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Hinzu kommt mittelfristig der Effekt, dass Aufträge, die zu Hoch-Zeiten des Euros im Juni an US-Wettbewerber verloren wurden, bei künftigen Ausschreibungen zurückgewonnen werden können, fügt HSBC-Stratege Volker Borghoff hinzu. Die Europa-Strategen von Morgan Stanley raten deshalb bereits dazu, eher auf europäische denn auf US-Titel zu setzen, zumal hier noch teils deutlicher Nachholbedarf in Sachen Kursentwicklung besteht.

Konkret rechnet Ralf Zimmermann BMW, BASF, Nokia und den Bekleidungs-Hersteller Hugo Boss zu den Gewinnern des starken Dollars. Unterstützend kommt für alle Aktien hinzu, dass sich die US-Währung auch in den kommenden Wochen noch positiv auf die europäischen Märkte auswirken könnte, so der Stratege.

Kaum bis gar nicht dürften sich hingegen wegen des traditionell geringen US-Geschäftes Konsequenzen für die Aktien von Metro, der Deutschen Post, der Deutschen Telekom, Eon und RWE ergeben. Auf Branchenebene rechnet Zimmermann die Chemiesparte zu seinen Favoriten. Seit dem Höchststand des Euros Mitte Juni haben sich diese Werte zwar leicht besser entwickelt als der Markt, es bestehe jedoch im Hinblick auf eine anziehende US-Wirtschaft noch erhebliches Potenzial.

Auf der Gegenseite hat die Dollar-Erholung auch negative Auswirkungen auf die Unternehmen. Der Sportartikel-Hersteller Adidas- Salomon beispielsweise zahlt vor allem an Produzenten in Asien rund 80 % seiner Herstellungskosten in US-Währung, erlöst aber im Gegenzug nur rund 40 % in Dollar. „Das könnte mit ein Grund dafür sein, dass die Aktie zuletzt schwächer tendierte“, sagt Borghoff. Auch die Lufthansa gilt trotz Absicherung wegen des hohen Kostenanteils in US-Währung tendenziell als Verlierer eines starken Dollars.

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