Bestätigung durch Shell
Neue Angriffe in Nigeria: Ölpreis steigt

Neue Rebellenangriffe auf Öl-Anlagen in Nigeria haben am Montag die Sorge vor Lieferengpässen angeheizt und den Ölpreis in die Höhe getrieben. Rebellen zerstörten eine Pipeline des Öl-Konzerns Royal Dutch Shell und versenkten ein Hausboot des Militärs im Niger-Delta.

HB LAGOS. Der Konzern bestätigte die Angriffe am Montag. Die Ölförderanlagen in der Region seien wegen vorheriger Attacken bereits geschlossen gewesen. Erst am Wochenende hatten die Rebellen dort Anschläge auf eine Reihe von Öl-Förderanlagen verübt und neun Ausländer verschleppt. Die Aufständischen wollen die Öl-Exporte zum Erliegen bringen, um mehr regionale Kontrolle über die Vorkommen zu erlangen. Das Land ist der weltweit achtgrößte Öl-Exporteur. Schon jetzt sind die nigerianischen Lieferungen - täglich rund 2,4 Millionen Barrel - um knapp ein Fünftel reduziert.

Schon am Wochenende hatte Shell im Fokus der Rebellenangriffe im westlichen Teil des Niger-Deltas gestanden: Die „Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas“ drohte mit Anschlägen auf Öl-Tanker, die die Öl-Anlage „Forcados“ von Shell erreichen wollten. Zudem griffen die Rebellen die Anlage selbst an. Shell teilte mit, wegen der Vorfälle die Produktion von rund 455.000 Barrel Öl - ein Barrel sind etwa 159 Liter - pro Tag vorübergehend eingestellt zu haben. Der Future-Preis für ein Barrel Öl der führenden Nordsee-Sorte Brent stieg am Montag um 1,70 Dollar auf mehr als 61,50 Dollar pro Barrel.

Die Ölförderung im östlichen Niger-Delta - rund 390.000 Barrel pro Tag - ist dem Konzern zufolge bislang nicht gefährdet. Allerdings sei ein Teil der Mitarbeiter aus dieser Region sicherheitshalber abgezogen worden. Ein Ende der Rebellen-Angriffe im westlichen Niger-Delta scheint derzeit nicht in Sicht - im Gegenteil. Die Aufständischen kündigten neue Angriffe in einem breiteren Umkreis als bislang an. Die Vorbereitungen liefen bereits, hieß es in einer Erklärung.

Über das Schicksal der verschleppten Arbeiter gab es am Montag zunächst keine Informationen. Unter den Entführten sollen drei US-Bürger, zwei Thailänder, zwei Ägypter, ein Brite und ein Bürger der Philippinen sein. Sie waren am Wochenende auf einem Boot des US-Unternehmens Willbros verschleppt worden. Schon in der Vergangenheit hatten Rebellen im Niger-Delta ausländische Arbeiter als Geiseln genommen. Im Januar töteten sie bei Angriffen auf eine Ölplattform zudem etliche Soldaten. Neben einer größeren Beteiligung am Öl-Reichtum ihres Landes fordern sie auch die Freilassung zwei ihrer Anführer aus dem Gefängnis.

Wegen der angespannten Sicherheitslage in Nigeria gehen Analysten in diesem Jahr davon aus, dass es zu regelmäßigen Lieferunterbrechungen kommen wird. In einem Bericht der Eurasia Group hieß es am Sonntag, die Öl-Produktionsmenge des Opec-Staates werde generell wohl um zehn bis 20 Prozent abnehmen.

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