Bioethanol
Bauern setzen auf Öko-Sprit

Agrarprodukte wurden bislang nicht mit Kraftstoffbedarf in Verbindung gebracht. Doch die zunehmende Herstellung von Alternativen zu Rohöl aus Zucker und Mais beeinflusst nun sogar den Anbau von Weizen und Soja. Die Rohstoffpreise steigen – und ein Ende ist nicht abzusehen.
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LONDON. Der wachsende Wohlstand in der Dritten Welt, die Verknappung von Wasser und Agrarland und die wachsende Verarbeitung zu Biokraftstoff werden die Preise für Agrarerzeugnisse auf absehbare Zeit weiter steigen lassen. Die landwirtschaftliche Anbaufläche pro Kopf der Weltbevölkerung hat sich über die letzten 35 Jahre um fast 40 Prozent verringert, warnt die UBS in einer Studie. Dabei nehme der Zwang, die Erträge trotz schrumpfender Hektarflächen weiter zu steigern, ständig zu.

Gleichzeitig haben sich bei vielen der agrarischen Rohstoffen die Einflussfaktoren auf die Preise geändert. Immer wichtiger werde das Potenzial und/oder die Rolle der Agrarrohstoffe als alternative Energieträger, analysiert die Großbank. „Der Bedarf an Ethanol-Treibstoff, der gegenwärtig hauptsächlich aus Zucker und Mais gewonnen wird, wird in Zukunft dramatisch zunehmen“. Die größten Ethanolhersteller seien derzeit die USA und Brasilien, wobei das lateinamerikanische Land schon seit gut dreißig Jahren Kraftstoff aus Zuckerrohr gewinnt.

Die USA werden in diesem Jahr ihre Ethanolkapazitäten sogar um 60 Prozent auf etwa 7,6 Mrd. Gallonen steigern, ergänzt die Credit Suisse die Angaben der UBS. Und die Herstellung von Biodiesel aus Sojabohnen werde sich in den USA von 150 Mill. auf 300 Mill. Gallonen verdoppeln. Eine Gallone entsprechen knapp vier Liter. Beide Institute weisen darauf hin, dass die klassischen Agraranbauländer weltweit Pläne schmieden, durch eine eigene Biokraftstofferzeugung ihre Abhängigkeit von dem ständig teurer werdenden Energieträger Nummer eins, dem Rohöl, zu mindern.

In den USA sind die Preise für Agrarprodukte mittelbar oder unmittelbar zum Spielball des Ethanolfaktors geworden. „Milliarden spekulativer Gelder sind in Terminkontrakte für Mais und Soja geflossen“, weiß Gavin Maquire von dem Getreidehändler Iowa Grain. Ende Februar erreichte etwa der Maispreis an der Warenbörse in Chicago, CBOT, mit 4,50 Dollar je Bushel den höchsten Stand seit zehn Jahren; allein im abgelaufenen Jahr war er um über 80 Prozent gestiegen. Seither sind die Preise allerdings wieder unter Druck geraten. „Die Spekulation mischt an diesem Markt schon seit Anfang 2006 kräftig mit“, hat auch Barclays Capital in London beobachtet. Wohl aus gutem Grund. Die US-Maisvorräte schrumpften 2006/07 um 55 Prozent, weltweit verringerten sie sich um gut ein Viertel.

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