Bitcoin

Auf das Rekordhoch folgt der radikale Absturz

Erst Top, dann Flop: Bitcoins waren am Donnerstag erst auf Erfolgskurs und erreichten ein neues Rekordhoch. Dann ging es plötzlich rapide bergab. Manche Experten hatten bereits damit gerechnet.
Update: 05.01.2017 - 16:27 Uhr 3 Kommentare
Die Digitalwährung ist am Donnerstag auf ein Rekordhoch gestiegen – und dann abgestürzt. Quelle: dpa
Bitcoins

Die Digitalwährung ist am Donnerstag auf ein Rekordhoch gestiegen – und dann abgestürzt.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs war eigentlich eine erfreuliche Woche für Bitcoin-Fans: Am Montag war ein Bitcoin erstmals seit drei Jahren wieder mehr wert als 1000 US-Dollar, am Donnerstag erreichte er dann einen neuen Höchststand bei gut 1161 Dollar. Am Nachmittag aber der radikale Absturz: Die Digitalwährung geriet stark unter Druck und verlor wieder mehr als 20 Prozent an Wert.

Der Bitcoin ist eine virtuelle Währung, die im Internet entstanden ist. Sie ist seit 2009 im Umlauf. Zuletzt hatte der Bitcoin-Kurs kräftig zugelegt. Experten erklärten das vor allem mit zunehmenden Kapitalverkehrskontrollen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft China. Diese sind von der chinesischen Regierung ergriffen worden, um der Talfahrt der chinesischen Währung Renminbi oder Yuan zu begegnen.

Bitcoins gewähren ihren Nutzern ein gewisses Maß an Anonymität. Sie werden nicht von Notenbanken ausgegeben, sondern von Computern mit kryptografischen Algorithmen errechnet. Sogenannte Bitcoin-Miner schürfen neue virtuelle Münzen und wachen dabei zugleich über den Bitcoin-Handel. Sämtliche Transaktionen werden in einer dezentralen Datenbank namens Blockchain protokolliert. Das ist eine dezentral verschlüsselte Datenbank, in der alle Transaktionen gespeichert werden. Wechselt ein Bitcoin den Besitzer, dann wird das in der Blockchain dokumentiert. Bitcoins können also ohne Zwischenhändler wie etwa Banken den Besitzer wechseln, zudem lassen sie sich nur einer virtuellen Adresse zuordnen.

Damit erklären viele Beobachter auch den jüngsten Aufstieg des Währungskurses. Bitcoins, so die Logik, seien derzeit in China stark gefragt. Chinesische Sparer sollen Yuan in Bitcoin getauscht haben, um die staatlichen Hürden für den Kapitalverkehr zu umgehen. Als zweiten Grund für den Kursanstieg nennen Fachleute misslungene Bargeldreformen in den Schwellenländern Indien und Venezuela. In dem riesigen Schwellenland Indien stößt die von der Regierung angestoßene Bargeldreform auf massive Schwierigkeiten. In Venezuela stockt die aufgrund der starken Inflation geplante Ausgabe neuer Geldscheine mit höherem Nennwert. Experten gehen davon aus, dass die Popularität von Bitcoins auch in diesen Ländern steigt. Beweisen lassen sich derlei Erklärungen freilich nur schwer. Denn auch wenn Währungsanalysten, Fondsmanager und Journalisten es oft versuchen: Bewegungen am Währungsmarkt lassen sich selten einem einzelnen Faktor zuschreiben.

Vom Spielgeld zum Investment
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Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind Einheiten einer digitalen Währung. Es sind keine Scheine oder Münzen, sondern verschlüsselte Datenblöcke, die von Nutzer zu Nutzer übertragen werden. Bitcoins gibt es bereits seit 2009. Die Idee dahinter war, Geldtransaktionen nicht über eine Bank, sondern anonym und dezentral im Internet abzuwickeln.

Quelle: bitcoin.de

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Wie funktioniert das Internetgeld?

Jeder Bitcoin-Nutzer erhält einen öffentlichen und einen privaten Bitcoin-Schlüssel. Mit dem öffentlichen Schlüssel sendet und empfängt er die digitale Währung, mit dem privaten autorisiert er die Transaktionen. Die Daten werden dabei zufällig generiert, der Benutzer bleibt also anonym.

Unbenannt
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Wo bekomme ich Bitcoins?

Der einfachste Weg, an Bitcoins zu kommen, ist sie über eine Bitcoin-Börse zu erwerben. Etwa 60 Bitcoin-Umschlagplätze gibt es weltweit, in Deutschland sind bitcoin.de, Mt.Gox und BitMarket einige der Anbieter. Dort tauschen Menschen, die die Taler besitzen, die digitale Währung gegen reales Geld. Inzwischen können Nutzer auch über Geldautomaten Bargeld gegen Bitcoins tauschen. Die ersten stehen in  Kanada, Schweden, Finnland und in den USA.

Quelle: lamassu.is

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Wie werden Bitcoins geschöpft?

Anders als bei gewöhnlichem Geld gibt es keine Zentralbank, die Bitcoins ausgibt. Stattdessen können Nutzer mittels der eigenen Rechner Bitcoins generieren. Allerdings dauert das eine Weile: So würde ein normaler Computer für die Schöpfung von 50 Bitcoins rund ein Jahr brauchen.

Karte mit Automaten2
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Wo kann man mit Bitcoins bezahlen?

Der Bezahldienst Bitpay allein zählt rund 12000 Unternehmen, die Bitcoins als Zahlungsart akzeptieren, besonders viele davon in Europa und den USA.

Bitcoin im Graefekietz
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Auch einige deutsche Unternehmen nehmen die neue Währung an, etwa Cafés und Restaurants. So können Kunden derzeit bei mehr als 40 Berliner Shops mit Bitcoins bezahlen.

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Warum boomt der Handel mit dem Internetgeld?

Noch vor einem Jahr waren Bitcoins so gut wie nichts wert. Ende 2013 änderte sich das: Binnen weniger Wochen stieg der Kurs schlagartig an: So war ein Bitcoin Ende November rund 731 Euro wert. Zum Vergleich: Im Januar kostete er gerade einmal elf Euro. Der Preis steigt, weil die Nachfrage nach der Währung schneller wächst als die Anzahl der Bitcoins. So hat sich die Menge von Bitcoin-Adressen seit Februar vergangenen Jahres versechsfacht.

Quelle: bitcoin.de

Als sicherer Hafen für Anleger ist die Digitalwährung denkbar schlecht geeignet. Denn Bitcoins sind berüchtigt für ihre Volatilität. Schon 2013 hatte der Kurs die 1100-Dollar-Marke geknackt, war aber auf unter 200 US-Dollar abgestürzt. Auslöser war seinerzeit die Insolvenz des wichtigen Bitcoin-Handelsplatzes Mt. Gox. Angeblich durch einen Hackerangriff waren unzählige Bitcoins über Nacht von den Konten der Nutzer verschwunden. Der Betreiber musste dichtmachen, die Hintergründe der Pleite sind bis heute nicht geklärt.

Die häufigen Schwankungen machen den Bitcoin auch als Zahlungsmittel denkbar ungeeignet. Denn wer will schon mit einer Währung zahlen, deren Preis an einem Tag um ein Viertel schwankt? Zudem benötigt die Ausführung von Bitcoin-Transaktionen relativ viel Zeit. Die Bestätigung einer Transaktion dauerte zuletzt im Schnitt rund 50 Minuten. Derzeit diskutieren die Bitcoin-Nutzer aber eine Protokolländerung, die das Netzwerk schneller machen soll.

Nicht nur die Volatilität macht dem Bitcoin zu schaffen. Auch die Sicherheit ist ein Dauerthema. Wunder Punkt sind die Tauschbörsen, an denen Bitcoins gegen traditionelle Währungen gewechselt werden können. Nach einem Hackerangriff auf die Tauschbörse Bitfinex im Sommer 2016 stürzte der Wert der Währung ab. Eingefleischte Bitcoin-Fans lassen sich davon nicht beirren – kein Wunder, haben doch viele von ihnen zuletzt sehr viel Geld mit den digitalen Münzen verdient. Wer sein Geld aber sicher anlegen will, der dürfte unter Bitcoin-Liebhabern in schlechter Gesellschaft sein. Blockchain-Chef Peter Smith sagte CNBC: „Ich erwarte, dass sich der Kurs zwischen 850 und 1000 Dollar stabilisiert. Aber wir werden sehen...“

  • mic
  • dpa
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3 Kommentare zu "Bitcoin: Auf das Rekordhoch folgt der radikale Absturz"

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  • Es handelt sich um eine Spekulationsblase

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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