Bitcoin
„Ein Verbot wäre ein kolossaler Rückschritt“

Bitcoins sorgen bei russischen Politikern für Nervosität. Sie befürchten den Missbrauch der virtuellen Währung durch Terroristen und wollen den Gebrauch einschränken. Sherbank-Chef Herman Gref will das nicht hinnehmen.
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Die Verfechter von Bitcoins haben in Herman Gref, CEO der Sberbank, einen Unterstützer gefunden. Der Chef der staatlichen Bank hat den Kreml dazu aufgefordert, die russischen Abgeordneten davon abzuhalten, die Nutzung der virtuellen Währung einzuschränken.

Bislang könnten Bitcoin-Geschäfte in Russland mit Antiterrorgesetzen kollidieren. Davor warnte am Montag die Zentralbank des Landes, nachdem der Chef der OAO Sberbank für die virtuelle Währung eine Lanze gebrochen hatte. Mit dem Gesetzentwurf zielt das Parlament darauf ab, die Finanzierungsquellen von Terroristen trockenzulegen, und könnte zu Einschränkungen des Bitcoin-Handels führen.

Transaktionen wie der Kauf von Rubel, Gütern und Dienstleistungen mit Bitcoins dürften nach den Gesetzen gegen Geldwäsche und Finanzterrorismus als „dubiose“ Geschäfte eingestuft werden, hieß es in einer Erklärung der Zentralbank vom Montag. Die Ausgabe von „Geld-Ersatzmitteln“ sei in Russland illegal.

Bestenfalls würden die Bitcoin-Nutzer mit dem Risiko konfrontiert, dass die virtuelle Währung an Wert verliert. Schlimmstenfalls könnten sie „auch ohne Absicht in illegale Aktivitäten involviert werden, wie die Legalisierung (Geldwäsche) von Erträgen aus Straftaten und Terrorismusfinanzierung“, hieß es.

Herman Gref, der das größte Kreditinstitut Osteuropas seit 2007 leitet, ist dennoch von den Vorteilen der virtuellen Währung überzeugt. „Es ist ein sehr interessantes globales Experiment, das mit dem Paradigma der Ausgabe von Währungen bricht“, sagte der Sherbank-Chef im Interview mit Bloomberg News. Ein Verbot würde einen „kolossalen Rückschritt“ bedeuten, fügte der ehemalige Wirtschaftsminister an.

„Es sollte definitiv nicht verboten werden“, sagte Gref. „Es muss studiert und vielleicht ordentlich reguliert werden.“

Entwickelt wurden Bitcoins von einem Programmierer oder einer Gruppe von Programmierern unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Ihre maximale Anzahl ist auf 21 Millionen begrenzt, die Geldschöpfung läuft über Rechnernetze, die komplexe mathematischer Aufgaben lösen. Bitcoincharts.com zufolge befinden sich derzeit etwa 12,2 Millionen Bitcoins im Umlauf.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Und wo bleibt das übliche bitcoin bashing?

    Wann kommt die nächste Warnung vor der Blase?

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