Bitcoin, Ether & Co. Krypto-Anleger pfeifen auf Goldman-Warnung

Verrückte Krypto-Welt: Goldman Sachs warnt davor, Bitcoin und Co. könnten bei null Euro landen. Die Anleger stört das nicht – virtuelle Währungen legen kräftig zu.
Update: 07.02.2018 - 15:07 Uhr Kommentieren
Bitcoin-Regulierung: Bitcoin braucht Aufseher, die sich auskennen Quelle: AFP
Symbolische Bitcoin-Münze

Kryptobörsen wie Coinbase, Gemini und Kraken haben in den vergangenen Monaten Millionen von Nutzern gewonnen.

(Foto: AFP)

DüsseldorfLegt sich die Krypto-Depression? Am Mittwochnachmittag notieren alle großen virtuellen Währungen deutlich im Plus: Ethereum steigt um rund 26 Prozent, die für die Finanzwirtschaft entwickelte Währung Ripple um 17 Prozent. Platzhirsch Bitcoin legt laut Analysehaus Coinmarketcap knapp 24 Prozent zu auf 8.169 Dollar und lässt damit seinen Jahrestiefststand von 6.114 Dollar am Dienstagvormittag hinter sich.

Der seit dem Monatsbeginn anhaltende Abwärtstrend ist damit durchbrochen, die Kurse steigen den zweiten Tag in Folge. Auf den ersten Blick verwundert diese Entwicklung. So hatte die US-Investmentbank Goldman Sachs am Mittwochmorgen noch eine für Krypto-Anleger bedrohliche Warnung veröffentlicht: Ein Großteil der derzeit rund 1.500 Kryptowährungen wird demnach nicht lange existieren. Vielmehr dürfte nur eine kleine Zahl wettbewerbsfähiger Arten überleben, schreibt Steve Strongin, Chef für Investment Research bei Goldman Sachs, in einer aktuellen Studie.

Die starken Kursschwankungen von Bitcoin und Co. sprechen laut Strongin für eine Preisblase, also ein nicht nachhaltiges Kursniveau. „Die hohe Korrelation zwischen den verschiedenen Kryptowährungen besorgt mich“, schreibt er mit Blick auf häufig synchron auftretende Kursschwankungen. Weil digitale Währungen keinen Eigenwert wie beispielsweise Edelmetalle besäßen, dürften die meisten von ihnen bis auf einen Kurs von null fallen.

Die Anleger scheint diese düstere Prognose nicht zu stören. Dass bei rund 1.500 Kryptowährungen eine Marktbereinigung wahrscheinlich ist, haben viele von ihnen offenbar eingepreist. Für problematischer halten Beobachter die Regulierungsbestrebungen in vielen Industrie- und Schwellenländern. Vor allem das frühere Boom-Land China geht scharf gegen Börsen und Produzenten vor. In Südkorea war sogar ein Bitcoin-Verbot im Gespräch. Dieses wurde verworfen, Seoul geht nun den japanischen Weg einer stärkere Regulierung der bestehenden Infrastruktur. Das lässt Krypto-Fans aufatmen; viele nutzen den Kursverfall der vergangenen Wochen nun für einen günstigen Einstieg.

Zum vorläufigen Ende der Krypto-Depression beigetragen hat auch eine mit Spannung erwartete Anhörung im US-Kongress. Die Senatoren hatte am Dienstag die US-Aufsichtsbehörden vorgeladen, um sich über die Regulierung des Marktes zu informieren. Dabei bestätigte sich die Sorge nicht, die Aufseher könnten ein totales Verbot oder andere harsche Maßnahmen vorschlagen. Stattdessen forderten die Chefs der amerikanischen Börsenaufsicht SEC und der Derivateaufsicht CFTC die Befugnis, Amerikas Kryptobörsen zu regulieren. Auch Initial Coin Offerings (ICOs), mit denen sich Unternehmen durch die Ausgabe digitaler Token, einer Art Gutscheine, frisches Kapital beschaffen können, sollen nicht mehr hinter dem Rücken der SEC stattfinden.

„Der Markt war definitiv besorgt, dass sie sich harscher äußern würden“, so der Kommentar eines Analysten. Die Aussagen seien relativ weich ausgefallen und stimmten mit den vorherigen Botschaften der Regulierer überein. Zahlreiche Krypto-Unternehmen haben zuletzt angekündigt, ihr Geschäft von China in die USA zu verlagern. Nach dem moderaten Ergebnis der Anhörung dürften sie sich bestätigt fühlen.

Dass sich auch in Deutschland mit Bitcoin und Co. gutes Geld verdienen lässt, beweist am Mittwoch die deutsche Bitcoin Group. Deren Aktien schossen um zwischenzeitlich 33 Prozent in die Höhe, das kräftigste Kursplus seit rund fünf Monaten. Dank des Booms im Jahr 2017 konnte die Bitcoin Group den Umsatz auf 12,6 Millionen Euro mehr als verzehnfachen. Das Vorsteuer-Ergebnis wuchs auf 10,8 Millionen von rund 200.000 Euro. Die Zahl der Kunden auf der Handelsplattform Bitcoin.de stieg 2017 auf mehr als 665.000 und im bisherigen Jahresverlauf weiter auf über 715.000. Wegen der großen Nachfrage will die Börse ihr Angebot ausweiten und sieht eine gute Zukunft für den Krypto-Markt.

Nach langem Zögern ist das Thema nun auch in der bundesdeutschen Politik angekommen. Der in der Nacht ausverhandelte Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD enthält erstmals Aussagen mit Relevanz für die Krypto-Branche: „Um das Potential der Blockchain-Technologie zu erschließen und Missbrauchsmöglichkeiten zu verhindern, wollen wir eine umfassende Blockchain-Strategie entwickeln und uns für einen angemessenen Rechtsrahmen für den Handel mit Kryptowährungen und Token auf europäischer und internationaler Ebene einsetzen“, heißt es dort.

Die Blockchain-Technik, die vielen Kryptowährungen zugrunde liegt, wird von vielen Experten als Wachstumsmotor gesehen. Auch die neue Goldman-Sachs-Studie bewertet die Technik sehr optimistisch: Die Blockchain – eine Art dezentrales Kassenbuch – könne Prozesse im Finanzwesen verbessern, wenn ihre Geschwindigkeit erhöht würde.

Die chinesische Zentralbank prüft bereits die Nutzung der Technik. Aus Sicht von Forschern der regierungsnahen chinesischen Academy of Social Sciences ergibt die Ausgabe einer eigenen Kryptowährung Sinn. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie sollten Zentralbanken Digitalwährungen für grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr nutzen. Dies könnte Transaktionen beschleunigen und Gebühren minimieren, schreiben die Forscher. Zahlungen könnten in weniger als einem statt wie bisher drei bis fünf Tagen abgewickelt werden, Kosten reduzierten sich auf maximal ein von 7,2 Prozent. „Außerdem erhalten Schwellenländer einen fairen und einfachen Zugang zu diesen Dienstleistungen.“

Für dieses digitale Zahlungssystem seien drei Varianten denkbar: die Ausgabe durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), virtuelle Währungen einzelner Staaten oder eine Kombination aus beidem. Letzteres sei am praktikabelsten. Die Einführung einer solchen Kryptowährung wäre eine Konkurrenz für das bisherige Zahlungsabwicklungssystem Swift. Dieses betrachten China, Russland und andere Staaten als vom Westen dominiert.

Seit Mitte Dezember hat die wichtigste Kryptowährung Bitcoin rund 60 Prozent ihres Werts verloren. Der Gesamtwert aller Digitalwährungen ist seit Anfang Januar um etwa 460 Milliarden Dollar oder rund 55 Prozent gefallen. Entgegen der Hoffnung vieler Fans hatten die Kryptowährungen nicht vom Wall-Street-Kurssturz am Montag profitiert.

Mit Material von Reuters.

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