Bitcoin
Geplatzt wie eine Seifenblase

Das Vertrauen in Dollar und Euro ist erschüttert. So ist es kein Wunder, dass abseits des Papiergeldes eine Alternative entsteht: der Bitcoin. Der Hype um die virtuelle Währung ist riesengroß - der Absturz umso heftiger.
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DüsseldorfAlle Zutaten für eine Spekulationsblase waren da. Ein schwindelerregender Kursanstieg, ein riesengroßer Hype in den Medien, Experten, die das Ganze anheizten. Jetzt ist die Blase geplatzt. Der Bitcoin ist abgestürzt. Aber heißt das, dass die virtuelle Währung damit schon am Ende ist? Oder ist Geld, das sich dem staatlichen Zugriff entzieht, trotzdem eine ernsthafte Alternative – gerade in Zeiten, in denen die Notenbanken die Kapitalmärkte überfluten und Anleger in Zypern enteignet werden?

Der Bitcoin (Abkürzung BTC) ist so etwas wie der Gegenentwurf zu unserem Papiergeld. Er funktioniert ohne das Zutun von Zentralbanken oder Politikern. Die Geldmenge ist fest, abgewickelt werden alle Transaktionen (fast) ganz anonym über das Internet. Das hat bis auf ein paar Nerds und Anarchisten kaum jemanden interessiert – bis jetzt. Der Wechselkurs des Bitcoin ist in den vergangenen Wochen zuerst unfassbar schnell gestiegen, von zehn Dollar auf 266 Dollar, bevor er in einem Rutsch unter 100 Dollar krachte. Die Kritiker sehen sich bestätigt: Vom „Gold der Dummen“ und einem Schneeballsystem spricht etwa der amerikanische Jura-Professor Eric Posner.

Dennoch lohnt es sich, über die Idee hinter dem alternativen Geld nachzudenken. Das liegt an der Finanzkrise und an der Geldpolitik. Weltweit versuchen die großen Notenbanken die Krise zu bekämpfen, indem sie Banken möglichst viel Geld möglichst billig zur Verfügung stellen. Besonders intensiv betreiben das die Zentralbanken in den USA, Großbritannien oder Japan – die EZB nicht ganz so schamlos, aber die Abstufungen sind graduell.

Vermutlich bleibt den Notenbankern kaum eine andere Wahl. So verhindern sie den unmittelbaren Kollaps des Finanzsystems, setzen aber gleichzeitig das Vertrauen in Euro, Dollar, Pfund oder Yen aufs Spiel. Doch mehr Geld sie drucken, desto mehr verliert das Geld, das sich im Umlauf befindet, an Wert. Ein schleichender Prozess, an dessen Ende zwar die Banken saniert, aber die Sparer ruiniert sind. Hinzu kommen die Kosten durch höhere Steuern und andere Abgaben, durch die die Bürger an den Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise beteiligt werden.

Es ist kein Zufall, dass der Höhenflug des Bitcoin in jenen Tagen einsetzte, als die Krise auf Zypern hochkochte.

Kommentare zu " Bitcoin: Geplatzt wie eine Seifenblase"

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  • Am 16.03. habe ich für einen BTC 36 Euro bezahlt.
    Nach dem massiven Kursverlust (im Artikel geplatzte Blase genannt) befindet sich der Kurs immer noch bei ca. 55 Euro (steigt grad auf über 60 Euro).
    D.h. trotz sog. Crash hat der Coin immer noch gut 50 % an Wert zugelegt - in einem Monat.

  • Eine Kurskorrektur war dringend notwendig da 2009 der Bitcoin rund 0,05 Cent wert war. Eine ständige Werterhöhung hätte auch dazu geführt das niemand seine Bitcoins für Waren tauschen würde sondern Sie als Anlage bunkert. Langfristig müsste dieser natürlich steigen um Alternativen zu Euro oder Dollar zu werden. Der aktuelle Kurs des Bitcoins kann z.B. auf der deutschen Handelsplattform https://www.bitcoin.de/r/sk64hv eingesehen werden.

  • >> "Goldbasierte Währungen sind ausgestorben weil sie keinen Bezug zu den Kräften hatten, die den Wert der Währung definieren."
    > "Der Bezug ist hergestellt sobald ein Dienstleister für seine Tätigkeit oder der Hersteller eines Produkts sich dazu entschliessen Bitcoins als Entlohnung zu akzeptieren."

    Damit ist das aber derselbe Bezug, den Gold auch hat und Ihre erste und zweite Aussage widersprechen sich.

    "Vielleicht gibt es dann ja BTC 2.0, dass ähnlich wie von Milton Friedman gefordert eine fixe 4% Steigerung der Geldmenge/vornimmt :-)"
    Technisch mag so etwas denkbar sein. Eine Fixe Menge unterstellt eine stagnierende Wirtschaft, eine fixe Wachstumsrate ein konstantes Wachstum. Der Trick an modernen Währungen ist aber gerade, dass man die Währungsmenge an die aktuelle Situation anpassen kann.

    Andererseits ist BitCoin als Phänomen derzeit einfach zu klein, um ernsthaft Schaden anzurichten, und deshalb bin ich schon auch dafür, dass man das nicht killt.

    Ein paar Lektionen gehen halt pro Generationswechsel verloren und müssen neu gelernt werden. Und, wer weiß, vielleicht wird aus einem der heutigen BitCoin-Teilnehmer mal ein berühmter Ökonom und Währungsspezialist? Mit Goldwährungen real zu experimentieren ist etwas, was heutzutage nicht mehr geht und BitCoins sind in dieser Hinsicht ideale Versuchsobjekte.

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