Bitcoins bitte!
Die Zukunft des Geldes hat begonnen

Ja was denn nun: Macht der Bitcoin die Banken überflüssig – oder ist er nur ein neuer Spielchip im globalen Finanzcasino? Keins von beidem. Unser Verständnis der Kryptowährung basiert auf einem Denkfehler. Ein Essay.
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Woher das Geld kommt ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da – meist nicht da. (Kurt Tucholsky, 1931)

Mit dem Wesen des Geldes ist das so eine Sache. Über wenige Themen haben Ökonomen so viele Bücher geschrieben und so heftig gestritten. Aristoteles sah es als Rohstoff des Handels: „Das Geld ist um des Tausches Willen erfunden worden.” Für Karl Marx war Geld „ein gesellschaftliches Verhältnis”. Es repräsentiere die Arbeitsleistung, die in einer Ware stecke. Milton Friedman hielt dagegen, Geld sei eben keine Konstante, die in Arbeitsstunden ausgedrückt werden könne. „Der Tauschwert hängt vielmehr von Vorlieben, Neigungen und relativen Mengen ab.” Und Mathias Binswanger schrieb knapp: „Geld ist eine Fiktion.”

Mit den Kryptowährungen ist die Debatte erneut entbrannt, der Ausgang ist offen. Schon über die Frage, was Bitcoin und Co. im Kern sind, herrscht keine Einigkeit. Und wie wir mit ihnen umgehen sollten, ist noch umstrittener. Heute stehen sich zwei Extrempositionen unversöhnlich gegenüber.

Auf der einen, mächtigeren Seite sammeln sich die Kritiker: Für sie sind die digitalen Münzen schlicht Werkzeuge des Verbrechens aus den dunklen Ecken des Internets, oder, im besten Fall, eine neue Zockeranlage am Spieltisch der Finanzmärkte. Auf der anderen Seite stehen die Anhänger: Für sie eröffnet der Bitcoin jedem Bürger den Zugang zu den Zahlungsströmen der Welt, ebnen die Kryptowährungen den Weg zu einem demokratischeren Geldsystem ohne gierige Banker und gestrige Aufseher.

Welche Seite hat nun Recht? Im Zweifel keine. Tatsächlich sehen Kritiker wie Befürworter im Aufstieg des Bitcoins zuvorderst die eigenen Ängste und Sehnsüchte bestätigt. Das Wesen der Währung aber haben sie kaum erfasst.

Gangster und Zocker

Bis vor kurzem war vom Bitcoin nur im Zusammenhang mit schmutzigen Geschäften die Rede. Er ist demnach die bevorzugte Währung von Kriminellen, die damit schnell, anonym und unkontrolliert Drogen, Waffen und Schlimmeres bezahlen. Höchste Zeit also, dass der Staat eingreift und den Bitcoin am besten gleich ganz verbietet, so eine populäre Forderung.

Leider ist hier schon die Diagnose falsch. Laut Europol ist das beliebteste Werkzeug für dunkle Geschäfte noch immer ziemlich real – die Rede ist vom Bargeld. Bevorzugt greifen Kriminelle demnach zur 100-Dollar- und 500-Euro-Note. Der Befund der europäischen Polizeibehörde überrascht nicht: Verbrecher haben schon immer Mittel und Wege gefunden, ihre Geschäfte abzuwickeln. Wenn nicht mit Scheinen und Bitcoins, dann wird eben mit Diamanten oder iPhones bezahlt. Kryptogeld zu bekämpfen, um den Schwarzmarkt auszutrocknen, ist in etwa so effektiv, wie einen Beinbruch mit Aspirin zu behandeln.

Neben dem Missbrauch des Bitcoins durch Kriminelle ruft in den Augen der Kritiker das Zocken durch Privatanleger nach einer ordnenden Hand. Schließlich weckt eine Währung, die binnen acht Monaten um 800 Prozent an Wert gewinnt, tatsächlich Misstrauen. Der Vergleich mit früheren Spekulationsblasen drängt sich auf, von der Internetbubble bis zur Tulpenmanie. Doch welche Hand sollte die Privatanleger vor der eigenen Gier schützen? Keine andere als die des Staates, seiner Aufsichtsbehörden und Notenbank.

Kommentare zu " Bitcoins bitte!: Die Zukunft des Geldes hat begonnen"

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  • Zum Thema „Geld“ im Allgemeinen habe ich gestern im Gästebuch des ARD-Presseclubs (Thema: „Politik für die Alten auf Kosten der Jungen?“) folgendes gepostet:

    Diese Sendung hat mich einmal mehr in meiner Auffassung bestärkt, dass alle - also unsere gesamte Gesellschaft, die sich offenbar im "althergebrachten" allgemeinen Verständnis von "Staat" immer noch aus zwei Elementen zusammensetzt, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben: "Dem Volk" und "Der Politik" - viel "grundsätzlicher" denken müssen: Es geht nicht um "Geld", sondern darum, was das überhaupt ist. Und v.a. darum, wie man damit unser zukünftiges Zusammenleben am Besten organisieren kann. Dies insbesondere, wenn man bedenkt, dass die härtesten Arbeiten oft zugleich die am schlechtesten ent"lohn"ten sind, und das beileibe nicht nur hierzulande. Und dass gerade dieser Umstand eine der wesentlichsten Ursachen für die - im Zeitalter der Globalisierung logischerweise globalen - politischen Verwerfungen ist. Denn Geld haben oder nicht haben spielt heute immer noch die entscheidende Rolle, nicht nur wenn es um "politische Entscheidungen", sondern oft ums nackte Überleben geht.

    Obiges gilt natürlich für jede Art von Währung und jede Art von wirtschaftlicher Betätigung, vom Brotkauf beim Bäcker bis hin zu komplexen Investments an den Finanzmärkten.

    Transaktionen in Bitcoins sind zumindest rückverfolgbar, das ist m.E. schon mal ein großer Vorteil.

    Allerdings stellt sich, jedenfalls solange die globale Gesellschaft noch nicht die „ultimative“ nachhaltige Energiequelle gefunden hat, die Frage, ob der immense Energieaufwand, der für deren Generierung („Mining“) nötig ist, gerechtfertigt ist, d.h., ob er nicht anderswo besser "investiert" wäre.

  • "Verbrecher haben schon immer Mittel und Wege gefunden, ihre Geschäfte abzuwickeln. Wenn nicht mit Scheinen und Bitcoins, dann wird eben mit Diamanten oder iPhones bezahlt."


    Oder man organisiert bargeldlose schwarze Kassen (wie ein gewisser Wolfgang Schäuble - ein Experte auf dem Gebiet).


    " Kryptogeld zu bekämpfen, um den Schwarzmarkt auszutrocknen, ist in etwa so effektiv, wie einen Beinbruch mit Aspirin zu behandeln."

    Genauso verhält es sich mit Bargeld.

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