Bitcoins
Die Zockerwährung

Der Bitcoin-Kurs steigt dramatisch an, um danach in die Tiefe zu stürzen. Die Achterbahnfahrt zeigt: Die Online-Währung ist ein spannendes Experiment, als Zahlungsmittel taugt sie aber nicht. Eine Analyse.
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FrankfurtWenn der Euro an einem Tag zwanzig Prozent an Wert verlieren würde, wäre das der ARD bestimmt eine Sondersendung wert. Eilig würde EZB-Chef Mario Draghi versichern, dass seine Leute die Lage im Griff hätten. Manche Sparer würden an seinen Worten zweifeln und ihr Geld in sichere Häfen bringen. Als die Internetwährung Bitcoin am Donnerstag mehr als zwanzig Prozent an Wert verlor, verursachten die Turbulenzen nur eine kleine Verwirbelung im Nachrichtenstrom. Bitcoins – war da was?

Für die Zitterpartie der Internetwährung interessieren sich allenfalls eingefleischte Fans, einige Glücksritter – und viele Anleger in den Schwellenländern, die den Bitcoin als Fluchtmittel entdeckt haben. Ansonsten lässt sich das Auf und Ab aus der Distanz beobachten. Die virtuellen Münzen sind ein spannendes ökonomisches Experiment, als Zahlungsmittel eignen sie sich aber nicht.

Bitcoins sind gewissermaßen die Antwort des Internets auf die Finanzkrise. Das Konzept dafür stellte 2008 ein gewisser Satoshi Nakamoto vor. Bis heute ist nicht klar, um welche Person es sich dabei handelt, oder ob sich hinter dem Namen womöglich ein Kollektiv verbirgt.

Auf lediglich neun Seiten skizzierte Nakamoto die Grundzüge eines elektronischen  Zahlungssystems, das ganz ohne Banken oder andere Mittelsmänner auskommt. Nakamoto verstand die Kryptowährung als libertäres Projekt: Bürger sollten nicht mehr vom Staat und den Banken abhängig sein.

Elektronische Zahlungsmittel gibt es schon länger, aber bislang braucht es stets eine zentrale Partei, die Transaktionen überwacht und dafür sorgt, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann. Bei Bitcoins übernehmen die Nutzer selbst diese Aufgabe. Genauer: die so genannten Bitcoin-Miner. Sie überprüfen die Bitcoin-Transaktionen und werden dafür mit neuen Bitcoins belohnt. Wenn eine der virtuellen Münzen den Besitzer wechselt, wird das unverrückbar in der Blockchain dokumentiert. Das ist ein öffentliches Kassenbuch, das von allen Bitcoin-Nutzern geführt wird.

Dabei fällt die Belohnung für das Schaffen neuer Münzen mit der Zeit automatisch geringer aus, die maximale Menge ist begrenzt. Das soll der Entwertung des Geldes vorbeugen. Ein revolutionäres Gesamtpaket, für das der Ökonom Bhagwan Chowdhry den Bitcoin-Erfinder Nakamoto für den Nobelpreis vorgeschlagen hat – das Nobelkomitee lehnte die Nominierung ab, weil der Preis nicht an anonyme oder verstorbene Personen verliehen werden kann.

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  • Hochinteressant dazu: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/bitcoins-island-computer-100.html

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