Blauer Diamant aus Südafrika
Der Star aus der Cullinan-Mine

9,3 Millionen Schweizer Franken für einen funkelnden Traum: In Genf hat ein blauer Diament den höchsten Karatpreis der Geschichte erzielt. Wie die Händler beim Traditionshaus Sotheby's ein lupenreines Prachtstück versteigerten. Ein Report.

GENF. Um 20.57 Uhr hält David Bennet die Luft an. Der große Moment des Auktionators naht. Das Publikum im Genfer Hotel Beau Rivage starrt auf das Pult am Kopf des Saales, dort steht Bennet. Ein leichtes Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus. Der Juwelen-Chef von Sotheby?s für Europa und den Mittleren Osten mustert die bunte Schar. Ältere und jüngere Damen, an denen dezent der eine oder andere Edelstein funkelt; Händler, die in vielen Sprachen in ihre Mobiltelefone reden, und neugierige Laien sitzen da. Sie alle warten auf das Los Nummer 357: Es ist ein blauer Diamant der Farbe "fancy vivid blue" im Kissenschliff mit einem Gewicht von 7,03 Karat.

Der Schätzwert des Unikats geht bis zu zehn Millionen Schweizer Franken; das renommierte Gemological Institute of America attestiert dem Stein den Reinheitsgrad "Internally Flawless" - eine bessere Bewertung gibt es laut Sotheby?s nicht. Das Auktionshaus erwähnt natürlich auch die noble Herkunft des Prachtstücks: "Dieser Diamant, der aus einem Rohdiamanten mit einem Gewicht von 26,58 Karat hervorging, wurde im Jahr 2008 in der historischen Cullinan-Mine von Petra Diamonds in Südafrika entdeckt", heißt es im Katalog. Auch der größte Edelstein aller Zeiten, der "Cullinan", stammt aus jener Mine. Aus dem Schwergewicht fertigten Juweliere einst den "Großen Stern von Afrika an", der heute in der Schatzkammer der britischen Königin ruht.

Auktionator Bennet zieht die Augenbrauen hoch, wippt leicht nach vorne. Wer wird den Stein der Steine ersteigern? Wird es Sotheby?s schaffen, inmitten einer Weltrezession, die auch die Edelsteinbranche brutal trifft, einen Rekordpreis für diesen blauen Diamanten aus Südafrika zu erzielen?

An diesem Tag versteigerte das Auktionshaus bereits fünf Schmuck-Objekte für jeweils mehr als eine Million Schweizer Franken. Doch all das Geschmeide kann sich nicht mit dem blauen Diamanten messen: Davis Bennet drückt den Rücken durch, die Show beginnt. Der Einstiegspreis für den Stein aus Cullinan liegt bei 5,5 Millionen Schweizer Franken. Nach 15 Sekunden leuchtet auf der elektronischen Tafel bereits "6,5 Millionen Franken" auf. "The Gentleman at the back of the room", näselt Bennet. Oder er sagt: "Ihre Nummer bitte sehr." Eine französisch parlierende Dame streckt ihr grünes Schild mit der Bieternummer in die Luft. Bei 8,6 Millionen Schweizer Franken steigt ein neuer Bieter ein. "Ist das aufregend", murmelt Bennet.

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