BNP-Chefstratege Redeker „Es gibt eine starke Hand, die den Euro kauft“

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Altruistische Motive dürften aber kaum der Anlass für die Euro-Käufe sein…

Ganz sicher nicht. Insbesondere die chinesische Politik ist konsequent auf den eigenen Vorteil ausgerichtet. Dass China ein Inflationsproblem hat, ist bekannt. Weil der Dollar-Renminbi-Kurs fällt, ist es für das Land essentiell, dass der Euro-Renminbi-Kurs nicht auch fällt. Viele Staatsunternehmen arbeiten mit sehr geringer Profitabilität und hängen am Export. Aus diesem Grund ist es für die chinesische Führung auch bei weitem zu gefährlich ist, Europa mit seinen Liquiditätsproblemen alleine zu lassen. Einen Einbruch auf dem wichtigsten Absatzmarkt können sie sich nicht erlauben.

Geht diese Rechnung auf?

Kurzfristig ja, langfristig bin ich skeptisch. China hilft den Peripheriestaaten zwar mit seinen Anleihekäufen. Andererseits setzen die chinesischen Exporteure aber vor allem die Produzenten in diesen Staaten unter Druck, weil es in der Industriestruktur hier eine starke Überdeckung gibt. Spanische und portugiesische Textil- oder Papierunternehmen konkurrieren stark mit chinesischen Firmen und drohen von diesen verdrängt zu werden. Langfristig dürfte dieser negative Faktor überwiegen.

Was bedeutet die chinesische Fokussierung auf Europa für die USA und den Dollar? Bekommen die Amerikaner demnächst ein Problem, weil die Chinesen weniger US-Staatsanleihen kaufen?

Es gibt in der Geschichte nur sehr wenige Beispiele dafür, dass Zentralbanken ihre Währungsreserven umwandeln. Und auch China wird sich nicht vom Dollar abkehren. Neue Devisenreserven werden zwar stärker in Euro angelegt. Die Struktur der bestehenden Reserven bleibt jedoch bestehen. Wenn Dollar über auslaufende Anleihen reinkommen, kauft China neue US-Bonds. Der Bestand der Anleihen dürfte sich langfristig nicht ändern.

Dem Dollar droht also keine andauernde Talfahrt?

Im Moment spricht das zyklische Moment gegen den Dollar. Die Wachstums- und Inflationsraten in den USA und in der Euro-Zone sind ähnlich, aber die USA betreiben eine Politik der Wachstumsabsicherung, während die Euro-Staaten vor allem auf die Geldwertabsicherung schauen. Insofern gibt es mit Blick auf die EZB eine starke Zinserhöhungserwartung, während die USA weiter eine sehr lose Geldpolitik betreiben. Aber irgendwann, vermutlich gegen Ende des Jahres, wird die Fed nachziehen.

Und das wird den Dollar-Kurs treiben?

Historische Daten zeigen, dass der Euro-Dollar-Kurs stark an der Dollar-Liquidität hängt. Ist diese hoch, fällt der Dollar. Umgekehrt macht er Boden gut, wenn die Liquidität nachlässt, also das Dollar-Angebot sinkt. Genau diese Situation werden wir bekommen. Die Fed wird von ihrer Politik des extremen Gelddruckens auf kurz oder lang abrücken und die Währungsreserven im Ausland werden ebenfalls nicht ständig in diesem Maße weiter steigen. Das spricht auf mittlere Sicht für den Dollar.

Herr Redeker, ich bedanke mich für das Gespräch.

Hans-Günter Redeker ist Chef der weltweiten Währungsstrategie bei BNP Paribas.

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8 Kommentare zu "BNP-Chefstratege Redeker: „Es gibt eine starke Hand, die den Euro kauft“"

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  • Bruttosozialprodukt??? Ernsthaft? Das gibt es seit 1999 nicht mehr!!!

  • Auch ohne die religiösen Mutmaßungen von Öttinger war mit der Wechselkursbewegung zu rechnen. Insofern ist sein Gerede eh bedeutungslos. Auch inhaltlich hätte er sich sein Schwätzen besser schenken sollen - alle kennen die Tatsachen und können sich selbst je nach persönlichem Gusto mögliche weitere Auswirkungen ausmalen. Seine Spekulationen über den weiteren Verlauf der Katastrophe sind nur ein Sandkorn am Strand der öffentlich geäußerten Meinungen.

    Lobenswert sehe ich die schnelle und klare Reaktion der Zentralbanken. Etwaige Spekulanten werden ihre helle Freude an ihrem Wetteinsatz haben ;-)

  • Redekers Kausalketten sind traditionell erheblich länger und komplexer als der Durchschnitt. Treffsicherer sind sie aber leider nicht.
    Zu "Argument Oettinger":
    Wer hört schon auf das Gerede eines Politikers, der nicht mal die eh schon sehr niedrigen intellektuellen Mindestanforderungen einer deutschen konservativen Partei schafft und daher (wie "ääähh" Stoiber) "entsorgt" werden musste ?

    Zu Thema "Yen Anstieg":
    Komischerweise regen sich bislang ausschließlich Banker über den Yenanstieg auf, keine Regierung, keine Bevölkerung, kein Unternehmen
    Und das heißt: Die Banken haben mal wieder voll auf Risiko gezockt und werden nun vom hohen Yen gnadenlos ausgeknocked und es drohen aberwitzige Verluste.
    Redeker kann da verzwirbelt räsonieren wie er will. Letztlich will er nur, dass die Notenbanken seine vebrennenden Assets aus dem Feuer holen bevor es zu spät ist, sonst nichts.

    Zu "Strategie der Asiaten":
    Die Asiaten haben schlicht keine. Sie verteilen nur ein paar ihrer faulen "Deviseneier" gleichmäßiger auf die versifften (Anlage)nester. Immerhin breiten sich in den absterbenden "Randwirtschaften" Europas Arbeitslosigkeit und Verschuldung immer weiter aus. Asien möchte aber weiterhin seinen Trödel dort abkippen können. Daher die Anleihekäufe. Das ist schon alles.

    Zu Prognose für den Dollar:
    Wer einmal "Ja" zu QE sagt, der sagt auch für immer "Nein" zu höheren Zinsen. Japan ist das beste Beispiel.
    Am Ende bleibt dann nur der Abwertungswettlauf bis auf Null.

  • Da muss ich Syma wiedersprechen.Für eine solche Situation gibt es bedauerlicherweise kein Patentrezept. Man arbeitet offensichtlich an verschiedenen Stellen um die Sicherheit wieder herzustellen.Bis heute morgen dürfte wohl den wenigsten bekannt gewesen sein, dass die Wiederversorgung von Fokushima 1 mit Strom, in greifbare Nähe gerückt ist.
    Zugegeben: die Informationspolitik des Betreibers und der Regierung lassen zu wünschen übrig.Nichts desto trotz war die Äußerung von Hr. Öttinger absolut unprofessionell. Dies hat man bereits an der Reaktion seiner Assistentin gemerkt, die direkt nach dem Statement um "Schadensbegrenzung" bemüht war...vergebens.
    Kann wirklich nicht sein das man in einem solchen Amt Kommentare von sich gibt, dessen Grundlage im Wesentlichen auf Medienberichten basiert und wild irgendwelche Szenarien daherfantasiert...

  • Da muss ich Syma wiedersprechen.
    Für eine solche Situation gibt es bedauerlicherweise kein Patentrezept. Man arbeitet offensichtlich an verschiedenen Stellen um die Sicherheit wieder herzustellen.
    Bis heute morgen dürfte wohl den wenigsten bekannt gewesen sein, dass die Wiederversorgung von Fokushima 1 mit Strom, in greifbare Nähe gerückt ist.
    Zugegeben: die Informationspolitik des Betreibers und der Regierung lassen zu wünschen übrig.
    Nichts desto trotz war die Äußerung von Hr. Öttinger absolut unprofessionell. Dies hat man bereits an der Reaktion seiner Assistentin gemerkt, die direkt nach dem Statement um "Schadensbegrenzung" bemüht war...vergebens.

  • Es geht darum, daß Oettinger die Aussage machte, daß die Katastrophe unabwendbar sei, alles in Gottes Hand liegt.

    Und wenn das jemand in so einer Position sagt, hat das natürlich Gewicht. Später gab seine Sprecherin an, daß es seine Meinung ist und er die Infos nur aus den Medien hat.
    Dies zu einer Zeit, da dort unten Menschen ihr Leben opfern, um Japan vor Verstrahlung zu retten.

  • Es ist bemerkenswert, dass Herr Oettinger schuld sein soll, wenn ein AKW ohne Steuerteam am in die Luft fliegen ist. Es ist in meinen Augen kein qualifizierter Beitrag diese Situation anders als Herr Oettinger einzuordnen. Er ist doch der einzige, der hier die Wahrheit sagt. Dies ist keine Panikmache, sondern qualifiziert. Es anders zu sehen, ist in meinen Augen wenig qualifiziert.

  • Jeder hatte gehofft, mit dem Abschieben des Herrn Oettinger zur EU kann er keinen Schaden anrichten. Nun werden wir eines besseren belehrt.
    Einfach mal still sein, wenn man nichts zu sagen hat (und das ist bei ihm oft der Fall) ist bei ihm nicht drin.
    Da wird gequatscht nur um sich ins Rampenlicht zu stellen.

    Er überzieht gar nicht, welchen Schaden er anrichtet. Er hat das Niveau eines Hauptschülers, leider nicht nur was sein Englisch betrifft.

    Offensichtlich hat die CDU ein echtes Personalproblem...

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