Brasilien und der Biosprit-Boom
Wo ohne Alkohol nichts mehr läuft

Auf die Plantagen, Zuckerfabriken und Destillerien brasilianischer Unternehmer schaut plötzlich die ganze Welt. Denn sie produzieren eine Alternative zum Öl als Energieträger, die sich rechnet und gleichzeitig erneuerbar ist. Wie der Biosprit-Boom aus Brasiliens Zuckerbaronen die neuen Ölscheichs macht.

SAO PAULO. Die Herren tragen weder Ghutras als Kopfbedeckung, noch sind sie in weiße Dishdashas gewandet. Und auch die wenigen Frauen sind nicht verschleiert. Ganz im Gegenteil. Aber ansonsten ähnelt das Spitzentreffen der brasilianischen Zucker- und Alkoholbranche, das vor kurzem in einem Fünf-Sterne-Hotel in São Paulo stattfand, durchaus einer Zusammenkunft von Ölscheichs, die nicht wissen wohin mit den Dollars – und das nicht nur wegen der schier endlosen Kolonne gepanzerter Luxuswagen vor der Einfahrt. Es herrscht das entspannte Selbstbewusstsein von Unternehmern, auf deren Plantagen, Zuckerfabriken und Destillerien plötzlich die ganze Welt schaut. Denn die Zuckerbarone produzieren eine Alternative zum Öl als Energieträger, die sich rechnet und gleichzeitig erneuerbar ist.

Brasilien bietet heute für Unternehmen und Handelshäuser, aber auch für die Regierungen weltweit die Blaupause, wie eine vollständige Versorgungskette von der Zuckerplantage bis zur Tankstelle funktioniert. Denn überall haben die Brasilianer die Nase vorn: Seit Jahrzehnten forschen sie an den ertragreichsten Zuckerrohrsorten, der besten Bewirtschaftung der Plantagen und der produktivsten Verarbeitung. Jahr für Jahr pressen sie mehr Zucker und Ethanol aus den Plantagen.

Nordwestlich der Metropole São Paulo beginnen diese Plantagen. Aus den endlosen grünen Meeren ragen in manchen Gebieten alle Dutzend Kilometer die Zuckerfabriken und Destillerien heraus. Inzwischen arbeiten sie 220 Tage im Jahr – statt wie früher noch 150. Während der Erntesaison, die jetzt bald zu Ende geht, versorgt eine unendliche LKW-Kette die Mühlen: Haushoch beladen mit den süß-klebrigen Stängeln fahren Lastwagen mit zwei Anhängern von morgens um sechs bis zum Sonnenuntergang von den Feldern zu den Mühlen.

Selbst die Energie für den Betrieb der Fabriken erzeugen die brasilianischen Produzenten inzwischen selbst, indem sie die Bagasse, die ausgedrückten Zuckerrohrfasern, verbrennen. Schon jetzt kostet die Produktion einer Tonne Zucker in Brasilien, dem weltgrößten Exporteur, nur rund 160 Dollar. In Europa kommt die Produktion aus Rüben auf rund 700 Dollar. Den Liter Alkohol brennen die brasilianischen Destillerien für rund 0,20 Dollar, in Europa kostet das dreimal so viel.

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