Brent-Öl an 50-Dollar-Marke: Saudi-Arabien drosselt sein Öl-Angebot nicht

Brent-Öl an 50-Dollar-Marke
Saudi-Arabien drosselt sein Öl-Angebot nicht

Nach dem Einbruch am Montag stabilisieren sich die Ölpreise zunächst. Doch an Erholung ist nicht lange zu denken: An den Märkten wird über steigende US-Lagerbestände spekuliert – die Preise gehen weiter auf Talfahrt.
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Singapur/RiadDie Talfahrt der Ölpreise nimmt kein Ende – doch das große Förderland Saudi-Arabien drosselt sein Angebot nicht. Das sagte Kronprinz Salman in der jährlichen Rede vor der Madschlis al-Schura, dem vom König ernannten Rat. Der Preisverfall sei „nicht neu“ auf dem Ölmarkt, Grund für die „Spannungen“ derzeit sei vor allem das schwache Wirtschaftswachstum weltweit. Das Königreich habe in der Vergangenheit in solchen Lagen stets „bestimmt und weise“ gehandelt. Es werde seine „Vorgehensweise“ nicht ändern, sagte Salman.

Der Kronprinz hielt die Rede anstelle des etwa 90-jährigen Königs Abdallah, der offiziellen Angaben zufolge an Lungenentzündung erkrankt ist. Der 77-jährige Salman ist sein Halbbruder. Der Ölpreis setzte seine Talfahrt am Dienstag ungebremst fort: In London kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar 48,49 Dollar, das ist der niedrigste Stand seit Ende April 2009. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sank auf 51,23 Dollar, niedrigster Preis seit Anfang Mai 2009.

Nach Handelsschluss an den europäischen Aktienmärkten haben die Ölpreise den Preisrutsch sogar noch beschleunigt. Brent kostete am Abend zeitweise 50,96 Dollar je Barrel vier Prozent weniger als am Montag. WTI notierte in der Spitze mit 47,74 Dollar nunmehr 4,6 Prozent im Minus. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann der für die Finanzmärkte richtungsweisende Brent-Preis unter 50 Dollar rutsche, sagten Händler. Am Vorabend war WTI erstmals wieder unter diese Marke gefallen.

Viele Investoren sähen den Ölpreisverfall als Krisenindikator für die angeschlagene Weltwirtschaft, sagte NordLB-Analyst Tobias Basse. An den Rohstoffmärkten wurde unterdessen über weiter steigende Lagerbestände in den USA spekuliert, welche auf ein sich weiter vergrößerndes Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt schließen ließe. Erwartet wird bei den am Mittwoch vom US-Energieministerium veröffentlichten Daten im Mittel ein Lagerbestand von 386,2 Millionen Barrel.

„Der Ölmarkt wird derzeit geradezu geritten von einer Überversorgung mit Rohöl“, sagte Ökonom Hans van Cleef von ABN Amro. „Die Preise sind zu schnell zu stark gefallen. Aber in einem derartig negativen Markt lässt sich derzeit nichts erkennen, was die Wende auslösen könnte“, sagte er. Sollten die Lagerbestände höher als erwartet ausfallen, werde wohl auch Brent die Marke von 50 Dollar schnell unterschreiten.

Seit dem vergangenen Sommer sind die Ölpreise um etwa die Hälfte eingebrochen. Trotz der aktuellen Stabilisierung wollen Experten ein weiteres Sinken der Ölpreise nicht ausschließen. Nach wie vor ist das Angebot auf dem Weltmarkt zu hoch und die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zeigt weiter keine Bereitschaft, mit einer geringeren Fördermenge gegenzusteuern.

Wegen des anhaltenden Ölpreis-Verfalls ist ein für die EZB-Geldpolitik sehr wichtiges Inflationsbarometer am Dienstag auf ein Rekordtief gefallen. Der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward sank auf 1,5887 Prozent. Dies bedeutet, Investoren gehen davon aus, dass - beginnend in fünf Jahren - die Inflation über einen Zeitraum von fünf Jahren bei etwa 1,5887 Prozent und damit unter der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent liegen wird.

Analysten zufolge sind die europäischen Verbraucherpreise im Dezember 2014 um 0,1 Prozent zurückgegangen. Die Zahlen sollen am Mittwoch veröffentlicht werden.

Damit rücke das bereits allgemein erwartete, breit angelegte Wertpapier-Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) noch einen Schritt näher, sagten Börsianer. Mit dem sogenannten Quantitative Easing (QE) wollen die Währungshüter die Konjunktur in Schwung bringen und damit die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, verhindern.

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  • @Celo Abdi: Ist zur Zeit halt kein Contango-Markt.

  • Die Produzenten werden sich die Verluste doppelt u. dreifach wieder herein holen. Dann geht die Jammerei wieder los!

  • Hier das Ganze noch mal in lesbarer Form, Änderungen fett/kursiv (seufz):

    „Was ist also der tatsächliche Grund für derart gefallene Preise???“

    Wenn Sie mich so fragen, dann würde ich ganz spontan (und ohne gestöbert zu haben) antworten:

    Na, die gnadenlose Überschwemmung der Weltmärkte mit dem Zeug.
    Die dürfte wohl einem letzten verzweifelten Kampf um Macht und Pfründe unter Staaten geschuldet sein, die es bislang versäumt haben, ihr Wirtschaftsmodell an die Erfordernisse der heutigen Zeit anzupassen.

    Und da soll ausgerechnet jetzt, wo die leeren Trinkwasserreservoirs nicht nur im Südosten Brasiliens monatelang die Schlagzeilen beherrscht haben (wenn Sie da den Wasserhahn aufdrehen, kommt oft genug überhaupt nix mehr raus) und sich obendrein immer öfter verheerende Dürren mit ebensolchen Überschwemmungen abwechseln im ecuadorianischen Yasuní-Nationalpark des Amazonas-Regenwalds, sprich: DER Wetter- und Regenmaschine Südamerikas, wenn nicht der ganzen Welt „Was ist also der tatsächliche Grund für derart gefallene Preise???“

    Wenn Sie mich so fragen, dann würde ich ganz spontan (und ohne gestöbert zu haben) antworten:

    Na, die gnadenlose Überschwemmung der Weltmärkte mit dem Zeug.
    Die dürfte wohl letzten verzweifelten letzten Kampf um Macht und Pfründe unter Staaten geschuldet sein, die es bislang versäumt haben, um ihr Wirtschaftsmodell an die Erfordernisse der heutigen Zeit anzupassen.

    Und da soll ausgerechnet jetzt, wo die leeren Trinkwasserreservoirs nicht nur im Südosten Brasiliens monatelang die Schlagzeilen beherrscht haben (wenn Sie da den Wasserhahn aufdrehen, kommt oft genug überhaupt nix mehr raus) und sich obendrein immer öfter verheerende Dürren mit ebensolchen Überschwemmungen abwechseln im ecuadorianischen Yasuní-Nationalpark des Amazonas-Regenwalds, sprich: DER Wetter- und Regenmaschine Südamerikas, wenn nicht der ganzen Welt – Wetter haben wir ja überall – nach Öl gebohrt werden.

    Die Menschen werden wohl einfach nicht schlau.

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