Britische Währung sackt gegenüber dem Euro erneut auf Rekordtief
Das Pfund findet keinen Halt

Die Talfahrt des britischen Pfunds scheint derzeit nicht zu stoppen. Am Montag durchbrach die britische Währung gegenüber dem Euro zum ersten Mal die Marke von 90 Pence und fiel damit am sechsten Tag in Folge auf ein neues Rekordtief. Das Pfund steuert auf sein schlechtestes Jahr seit 1972 zu. Experten fürchten eine weitere Entwertung.

LONDON. Grund für den akuten Schwächeanfall ist ein Cocktail aus Rezession, Deflationsgefahr und fallenden Zinsen. Großbritannien mit dem führenden Bankenstandort London leidet nach einem jahrelangen Boom besonders stark unter einer hausgemachten Immobilienkrise und dem Chaos an den Finanzmärkten. Vor allem die reichen Golfstaaten, aber auch asiatische Schwellenländer hatten im Boom in Pfundanlagen investiert. Jetzt hat der Vertrauensverlust in das britische Finanzsystem zu einem rapiden Kapitalabzug geführt. Londoner Banker warnen vor einer regelrechten Flucht aus dem Pfund.

Seit Jahresanfang hat die britische Währung gegenüber dem Euro bereits 18 Prozent an Wert verloren und mit einer schnellen Erholung rechnen derzeit die wenigsten Experten. „Der Ausblick für die kommenden zwölf Monate sieht für das Pfund ziemlich düster aus“, meint Martin Stanley von GFT Global Markets. Der Händler erwartet, dass die britische Währung und der Euro bald schon im Verhältnis eins zu eins gehandelt werden.

Am Montag mussten die Briten zeitweise bereits 90,21 Pence für einen Euro bezahlen. Ein Grund für den erneuten Wertverlust der britischen Währung waren Aussagen der Finanz-Staatssekretärin Yvette Cooper, die Stützungsaktionen der Regierung für das angeschlagene Pfund erst einmal ausschloss. Die Regierung konzentriere sich nicht auf den Wechselkurs, sondern richte ihr Hauptaugenmerk stattdessen auf die Inflation.

Das Pfund leidet seit Wochen unter der akuten Schwäche der britischen Wirtschaft, die auf die schwerste Rezession seit Anfang der 90er-Jahre zusteuert. Um die Folgen der Krise in Grenzen zu halten, hat die Bank of England die Leitzinsen innerhalb von drei Monaten aggressiv von fünf Prozent auf zwei Prozent gesenkt. Die Experten der Deutschen Bank sehen angesichts der wirtschaftlichen Misere kein Ende der Zinssenkungen, die den Wert des Pfunds belasten. Volkswirt George Buckley rechnet auf Sicht von drei bis sechs Monaten mit einem Leitzins von nur noch 0,5 Prozent auf der Insel.

Buckley sagt für Großbritannien 2009 eine schwere Rezession mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent voraus. Auch eine lähmende Deflation will der Volkswirt nicht ausschließen.

Am Dienstag werden neue Zahlen zur britischen Inflationsentwicklung veröffentlich und die große Mehrheit der Experten rechnet erneut mit einem kräftigen Rückgang der Teuerungsrate. Bereits von September auf Oktober war die Inflation von 5,2 Prozent auf 4,5 Prozent abgesackt. Im kommenden Herbst wird die Insel nach Buckleys Meinung zumindest für eine kurze Zeit in eine Phase mit negativen Teuerungsraten rutschen.

Im Gegensatz zur Inflation ist Deflation durch einen Preisverfall auf breiter Front gekennzeichnet. Beginnen die Preise für Waren und Dienstleistungen erst einmal zu sinken, lauern Verbraucher auf noch günstigere Angebote – mit verheerenden Folgen für den Konsum, der in den meisten Industrieländern deutlich mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht.

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