Bundesbank-Vorstand Thiele
„Kein Einstieg in die Abschaffung des Bargeldes“

Nur wenige der 340 Millionen Menschen im Eurogebiet dürften ihn je im Portemonnaie getragen haben. Dennoch gilt das Aus des 500-Euro-Scheins als „Aufreger“. Die Bundesbank zweifelt am Sinn der Abschaffung.

FrankfurtSeit Monaten lief die Debatte um die Zukunft der 500-Euro-Note – zum Leidwesen großer Teile der deutschen Öffentlichkeit. Viele, auch die Deutsche Bundesbank, sprachen sich gegen eine Abschaffung des größten Euro-Geldscheins aus, auch weil sie einen Einstieg in die generelle Abschaffung des Bargeldes befürchten. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig-Thiele erklärt die Position der deutschen Zentralbank im dpa-Interview:

Was halten Sie von der Entscheidung, den 500-Euro-Schein abzuschaffen?

Die Bundesbank hat sich seit Beginn der Diskussion gegen eine Änderung der Stückelungsstruktur und damit auch gegen einen Ausgabestopp der 500-Euro-Banknote eingesetzt. Aus unserer Sicht waren die vorgebrachten Argumente für die Abschaffung wenig überzeugend. Selbstverständlich unterstützen wir Maßnahmen, die kriminelle oder terroristische Aktivitäten erschweren. Aber wir haben bislang keine stichhaltigen Belege gesehen für einen Zusammenhang zwischen dem Umfang von Schattenwirtschaft oder Kriminalität und der Verfügbarkeit von Banknoten mit hohem Nennwert. Insofern sind unsere Zweifel, ob die Abschaffung der 500-Euro-Banknoten tatsächlich einen substanziellen Beitrag zur Bekämpfung krimineller Aktivitäten leisten kann, nicht ausgeräumt.

Was bedeutet dieser Schritt für die Zukunft des Bargeldes?

Der EZB-Rat hat sich mit seiner heutigen Entscheidung klar zum Erhalt der 200- und der 100-Euro-Banknote bekannt. Die zweite Banknotenserie wird zwar von derzeit sieben auf dann sechs Stückelungen reduziert, jedoch bedeutet der Ausgabestopp für die 500-Euro-Banknote keinen Einstieg in die Abschaffung des Bargeldes. Dieses Signal an die Bürger ist der Bundesbank besonders wichtig. Bargeld bleibt gesetzliches Zahlungsmittel und wird auch künftig eine wichtige Rolle einnehmen bei den täglichen Einkäufen und als Wertaufbewahrungsmittel.

Warum gab es überhaupt einen 500-Euro-Schein, er wird doch kaum genutzt?

Bereits im November 1994 hat der Rat des Europäischen Währungsinstituts, des Vorgängers der EZB, die gegenwärtige Stückelungsstruktur genehmigt. Für die Einführung einer 500-Euro-Banknote sprach die Tatsache, dass mit Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden und Österreich in sechs Ländern Banknoten mit relativ hohen Nennwerten im Umlauf waren. Seit ihrer Ausgabe im Jahr 2002 wird die 500-Euro-Banknote sowohl im Euro-Raum als auch außerhalb vor allem zur Wertaufbewahrung verwendet. Speziell in Krisensituationen haben die Bürger auch in Deutschland vermehrt darauf zurückgegriffen. Denken Sie an den Herbst 2008. Die freie Verfügbarkeit von Bargeld ist ein wesentlicher Vertrauensanker für unsere Währung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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