Carry Trades
Wenn Währungswetten Geld verbrennen

Sie sind Zins- und Währungswette gleichermaßen: Carry-Trades. Investoren wollen von schwachen Euro und vom Niedrigzinsumfeld profitieren. Doch die jüngste Euro-Stärke machte vielen einen Strich durch die Rechnung.
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DüsseldorfEs sah nach einer sicheren Wette aus: Leihe Geld in Euro, denn die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinsen auf rekordniedrigem Niveau, investiere in Ländern mit höheren Zinsen und kassiere die Zinsdifferenz als Gewinn. Eine Zeitlang funktionierte das auch. Doch vor etwa einem Monat begannen die Märkte verrückt zu spielen und der Euro stieg, anstatt – wie von fast allen Ökonomen in einer Umfrage von Bloomberg vorausgesagt – zu fallen.

Plötzlich machte ein erstarkender Euro den Investoren einen Strich durch die Rechnung – und verbrannte die Zinsgewinne teilweise durch Währungsverluste. Denn je mehr der Euro, wie zuletzt geschehen, gegen Dollar und Co. aufwertet, desto weniger Euro bekommen Investoren heraus, wenn das Geschäft endet und sie Fremdwährungsanlagen rücktauschen.

Investoren, die auf die Währungsstrategie gesetzt hatten, kommen laut einem Index der UBS seit Ende März auf Verluste von 3,5 Prozent. „Es klappt nicht“, sagte Neil Jones, Leiter Sales Hedgefonds bei Mizuho Bank in London. „Dieses Geschäft wird wieder profitabel werden, aber nicht schon jetzt. Vorerst liegt es auf Eis.” In vieler Hinsicht ähnelt die unerwartete Entwicklung der breiteren Wirtschaft.

Es mehren sich die Anzeichen, dass sich der Euroraum in keiner so schlechten Verfassung befindet, wie vorausgesagt. Auch eine Deflation ist offenbar vom Tisch. Gleichzeitig hat der Dollar aufgrund schwächer als erwartet ausgefallener US-Konjunkturdaten Kursverluste verzeichnet, denn die Chancen auf eine rasche Zinsanhebung durch die US-Notenbank sind dadurch gesunken.

Den Carry-Trade-Spekulanten hat der unerwartete Anstieg des Euro einen Strich durch die Rechnung gemacht. Typischerweise wird das Geld in einer Währung aufgenommen, von der man eine Abschwächung oder Stabilität erwartet, um die niedrigsten Finanzierungskosten sicherzustellen. Doch der Euro hat im vergangenen Monat drei Prozent zugelegt, wie die Bloomberg Correlation-Weighted-Indizes zeigen. Das zwang die Investoren, ihre unprofitablen Wetten aufzulösen

Mit 1,1433 Dollar notierte der Euro am Montagmorgen zeitweise höher als 97 von 98 Teilnehmer einer Umfrage von Bloomberg der Gemeinschaftswährung Mitte des Jahres zutrauten. Die Median-Schätzung für den Euro lag bei 1,08 Dollar.

„Zwar steht der Gedanke einer Zinserhöhung durch die Fed derzeit nicht im Mittelpunkt der Themen im Markt. Doch denken wir, dass sich die Daten im zweiten Quartal verbessern werden“, sagte Nick Bennenbroek, Leiter Devisenstrategie bei Wells Fargo in New York. „Die Aufwertung des Euro, die Auflösung von Euro-Short-Carry-Trades kann noch etwas anhalten.”

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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