„Carry Trades“
Yen-Geschäfte beunruhigen Notenbank

Japans Zentralbank hat vor den Risiken von so genannten „Carry Trades“ gewarnt. Das sind Devisengeschäfte, die den Zinsunterschied zwischen Japan und dem Rest der Welt ausnutzen. Sollten sich die Zinserwartungen der Devisenhändler plötzlich ändern, könnte es zu einer erdrutschartigen Auflösung von Positionen kommen und es könnten Yen in großem Umfang zurückgekauft werden.

fu TOKIO. Eine solche Bewegung hätte einen steilen Anstieg des Yen zur Folge und könnte die gerade erst in Gang gekommene japanische Konjunktur empfindlich treffen, warnte der japanische Notenbankchef Fukui in ungewohnt besorgtem Tonfall.

Bei den Carry Trades nehmen Investoren zu niedrigen Zinsen Yen auf, tauschen sie in andere Währungen um und legen das Geld im Ausland zu höheren Zinsen wieder an. Über den Umfang der bestehenden Carry-Trade-Positionen gibt es keine verlässlichen Zahlen. Zweifellos handelt es sich aber um Gelder in gigantischem Umfang. Die Währungsexperten der UBS schätzen den Betrag auf über 17 Bill. Yen (113 Mrd. Euro). Ein Betrag, der fast dem Überschuss der japanischen Leistungsbilanz im vergangenen Fiskaljahr entspricht. Angesichts solcher Dimensionen bereitet Japans Währungshütern vor allem Sorge, dass sich die Investoren (anfänglich primär Hedge-Funds, in zunehmendem Maß aber auch breite Anlegerkreise) nach einem externen Schock gemeinsam und mit kritischer Masse dazu entscheiden könnten, wieder Yen zurückzukaufen und ihre Carry-Trades aufzulösen.

Japans Zentralbank hat im Juli zwar ihre Nullzinspolitik beendet und den Leitzins erstmals seit sechs Jahren leicht erhöht. Bei einem Tagesgeldsatz von 0,25 Prozent besteht aber noch immer ein großes Zinsgefälle zwischen Japan und dem Rest der Welt (USA 5,25 Prozent, Euro-Zone 3,25 Prozent). Fukui betonte die Notwendigkeit einer engen Kommunikation mit den Marktteilnehmern. Mit einem baldigen Abklingen der Carry-Trade-Volumen rechnet gleichwohl niemand.

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