Chaos an den Börsen
Gold erreicht neues Allzeithoch

Die Achterbahnfahrt an den Börsen treibt den Goldpreis in die Höhe. Das Edelmetall hat dabei einen neuen Rekordwert erreicht. Der Preis für eine Feinunze lag zeitweise bei 1801 Dollar.
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FrankfurtGold bleibt auch nach der Rekordjagd der vergangenen Tage begehrt. Der Preis für eine Feinunze (rund 31Gramm) des Edelmetalls lag zeitweise bei 1801 Dollar (1266 Euro). Gegen Mittag (Ortszeit) wurden an der New Yorker Terminbörse NYMEX Termingeschäfte mit Gold für rund 1.785 Dollar (1.254 Euro) abgeschlossen. Die bisherige Bestmarke lag bei1778,29 Dollar. „Es gibt genügend Bedenken wegen der Schuldenkrise und des schwächeren Wachstums, dass die Leute Kursrücksetzer zum Kauf nutzen“, sagte Citigroup-Analyst David Thurtell.

Im vergangenen Monat stieg der Goldpreis um 12,5 Prozent, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um 44,5 Prozent. Die großen Banken und Investmenthäuser orakeln dieser Tage immer wieder, dass die Preiskurve im restlichen Jahr immer steiler werden dürfte - und dabei löst sie jetzt schon Schwindelgefühle aus. Bank of America Merryl Lynch hob heute ihre Prognose für den Goldpreis an: 2.000 US-Dollar soll die Unze in zwölf Monaten kosten.

Die US-Investmentbank JP Morgan Stanley ließ vor kurzem sogar verlautbaren, dass der Goldpreis bis Ende des Jahres auf 2.500 Dollar steigen könnte. Das wäre ein Anstieg von über 40 Prozent in viereinhalb Monaten. Bank of America begründet ihre Prognose mit der höheren Wahrscheinlichkeit, dass es in den USA zu einer dritten Runde des "Quantitative Easing" kommt, bei dem die Federal Reserve die Gelddrucker anwirft.

Das Schreckgespenst Inflation ist einer von vielen Faktoren, der den Goldpreis immer schneller vor sich her treibt. Gestern hat die amerikanische Notenbank angekündigt, sie wolle bis mindestens Mitte 2013 den Leitzins nicht über ein Viertel Prozent heben. Der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds Kenneth Rogoff fordert, dass die Notenbanken in den USA und Europa über Jahre hinweg Inflationsraten von bis zu sechs Prozent zulassen. Für die schwer verschuldeten Industrienationen wäre es ein Segen.

Währenddessen gibt es immer mehr Anleger, die nicht nur auf die kurzfristige Kurs-Rally wetten, sondern sogar an Gold als einzige werthaltige Währung glauben. Befeuert wird diese Meinung vom schwächelnden Dollar, dessen Rolle als weltweite Leitwährung in letzter Zeit häufig angezweifelt wird. Der Wert des gehandelten Goldes entspricht schon jetzt mit knapp neun Billionen Dollar entspricht schon jetzt beinahe dem Wert der umlaufenden Dollar-Noten. Selbst der Euro ist angesichts der Krise der europäischen Peripheriestaaten nicht mehr der Stein in der Brandung.

Annika Reinert
Annika Williamson
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Chaos an den Börsen: Gold erreicht neues Allzeithoch"

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  • Wundert das wirklich jemanden? Nachdem Krediversicherungen für Frankreich teuerer sind als für Kolumbien und Chile!
    Der Telegraph schreibt auch schon, dass neben Frankreich dann auch Deutschland mit in die Tiefe gerissen wird.

    Gute Nacht, Euro! Keine sozialistischen Geldexperimente mehr! Uns reicht es!!!!

    Wir werden uns merken, welche Politiker all dem gesetzlosen finanziellen Treiben zugestimmt haben. Es waren nur sehr wenige, die dagegen stimmten.

  • 100% Zustimmung!

  • Hier sich beschweren und dann alles in Euro anlegen grenzt an Schwachsinn.
    Das ganze Dilemma, warum die Deutschen soviel Tages-,Festgeld, Bankanleihen, Bundeswertpapiere, Lebensversicherungen etc. halten ist der hartnäckige Glaube, dass die Bank und der Staat "Dein Freund" sind. Das wurde den Deutschen ja auch jahrzehntelang vorgegaukelt. Leider ist es aber so, dass man, wenn man Leute vom Gegenteil überzeugen will, nur müde belächelt, oder gar als gefährlicher Anarchist oder bedauernswerter Spinner dargestellt wird

    • Es ist fünf nach zwölf. Die Staaten werden sich über Geldmengenvermehrung ihrer Schulden entledigen. Diese Vermehrung ist einfach eine Plünderung der Ersparnisse sei Es konten oder Renten. Es ist eine perfide Enteignungsmethode mit der die Gläubiger sogar ohne Mitbeteiligung enteignet werden. Das ist das Schema in allen Rettungsaktionen die Stattfand wenn IMF Gelder zur "Rettung" gab.
    Man hat nicht kapiert dass im Mai der Euro in etwas wie Drahme und Peseta oder Lire umgewandelt worden ist. Euro ist keine Hartewährung mehr. Es ist eher so dass die Deutschen nun die DM für Lire oder Drahme aufgegeben haben. Die Geldmengenvermehrung ist der Weg des kleinsten Widerstandes für Demokratien. Geldvermehrung ist eine Enteignung wehrt euch dagegen indem ihr Gold und Silber benutzt !!!

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