Chaos in Nigeria
Ölpreis klettert auf 50 Dollar

Angesichts drohender Rebellenangriffe in Nigeria und Produktions- und Lieferunterbrechungen im Golf von Mexiko hat der Rohölpreis am Montag erstmals 50 Dollar je Barrel erreicht.

HB NEW YORK/SINGAPUR. Im asiatischen Handel kletterte der Preis am Dienstag gar über die psychologisch wichtige Marke und notierte zeitweilig bei 50,17 Dollar.

Der für ein Barrel (knapp 159 Liter) US-Öl zur Lieferung im November in New York erzielte Preis von 50 Dollar markierte den höchsten Stand, der seit 21 Jahren an der New York Mercantile Exchange erreicht wurde. Auslöser für den neuerlichen Anstieg des Ölpreises war die an die Regierung von Nigeria gerichtete Drohung von Rebellen, einen Krieg im ölreichen Niger-Delta zu entfachen. Nigeria ist der fünftgrößte Opec-Produzent.

„Das ist ein wahrer Sturm. Das sind die perfekten Zutaten für explodierende Rohölpreise, es gibt kein Nachlassen im System. Ich sehe da durchaus noch Spielraum bis 52 Dollar“, kommentierte Tony Nunan von Mitsubishi in Tokio die Entwicklung am Ölmarkt. Tim Evans von IFR Pegasus äußerte sich zurückhaltender: „Das heißt jetzt nicht, dass die Ölpreise automatisch auf 60 Dollar hochschnellen werden. Wir können jetzt zwar noch höher gehen, aber die Preise können auch fallen wie ein Stein.“

Die Rebellen in Nigeria haben alle Ölunternehmen im Niger-Delta aufgerufen, ihre Produktion zum 1. Oktober einzustellen. Auch sollten alle Ausländer das Gebiet verlassen, in dem täglich 2,3 Mill. Barrel Öl und damit die gesamte Produktion des Landes gefördert werden. Royal Dutch/Shell hat bereits 200 Mitarbeiter von seinen Ölfeldern abgezogen. Die Rebellen haben auch dem italienischen Unternehmen Agip, einer Tochter des Energiekonzerns ENI, mit Anschlägen gedroht.

Die Aufständischen kämpfen für mehr Selbstständigkeit der Region und werfen der Regierung vor, die Einnahmen aus dem lukrativen Ölgeschäft nicht dem ganzen Volk zu Gute kommen zu lassen.

Die Öl-Exporte in Nigeria sind in den Blickpunkt des Marktes geraten, nachdem sich die Händler bereits seit einiger Zeit wegen der Steueraffäre des russischen Ölkonzerns Yukos und der Anschlagsserie von Aufständischen im Irak um die Ölexporte aus den beiden Ländern sorgen. Am Wochenende waren weitere Ölexportländer in den Fokus der Händler geraten. In der saudiarabischen Hauptstadt Riad lieferten sich Sicherheitskräfte Gefechte mit mutmaßlichen Al-Kaida-Extremisten. Saudi-Arabien ist der größte Erdölexporteur der Welt.

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