Chartechnische Konsolidierung
Noch kein Ende des Dollar-Sinkflugs absehbar

HB FRANKFURT. Der Dollar hat in den vergangenen Wochen weltweit einen bemerkenswerten Kursverfall hinter sich. Die Geschwindigkeit des Dollar-Kursrutsches erinnert an den Rückgang zwischen Oktober 2004 und Januar 2005, als der Euro seinen historischen Höchstkurs bei 1,3 667 Dollar markierte. Ein Ende der Dollar-Schwäche ist nach Einschätzung von Experten nicht in Sicht. So kletterte der Kurs der Gemeinschaftswährung in der Nacht zum Montag bis auf 1,2 970 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit einem Jahr. Zu Jahresbeginn hatte der Euro noch unter 1,20 Dollar notiert.

Belastet wird die Weltleitwährung durch das erwartete Ende des Zinserhöhungszykluses in den USA. Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen dürfte nach Einschätzung von Experten ihre Zinserhöhungen fortsetzen. Am Markt kursieren laut Commerzbank seriös klingende Meldungen, wonach die EZB eine Zinsanhebung um gleich 0,50 Prozentpunkte befürworten dürfte. Im Dezember und März hatte die EZB den Leitzins jeweils um moderate 0,25 Punkte auf jetzt 2,50 Prozent erhöht.

Im vergangenen Jahr hatte der Dollar noch von den stetigen Zinserhöhungen der US-Notenbank profitiert. "Aber auch die sich abzeichnende Abkühlung der US-Konjunktur lastet auf dem Dollar", sagte Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. So signalisierten die jüngsten Konjunkturdaten eine Abschwächung des privaten Verbrauchs und des überhitzten Immobilienmarktes. Der private Konsum ist die wichtigste Stütze der US-Konjunktur.

"Der Dollar wird derzeit weltweit auf breiter Basis verkauft", sagte Devisenexperte Christian Pohl von der Fxdirektbank. So habe der Dollar zum Schweizer Franken und zum britischen Pfund noch mehr verloren als zum Euro. Die generelle Dollar-Schwäche spiegelt sich auch im kräftigen Anstieg des Goldpreises wider. Das Gold werde zunehmend eine Art "Ersatzwährung" für den Dollar, sagte Pohl. Der Preis für eine Feinunze Gold pendelte in den vergangenen Tage um 700 Dollar.

Gerüchte, nach denen ein schwacher Dollar in den USA politisch gewollt ist, drücken laut Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke zusätzlich den Greenback. Ein schwächerer Dollar könnte zur Verringerung des riesigen Handels- und Leistungsbilanzdefizit beitragen. Nach außen betonen die USA zwar immer noch die Bedeutung eines "starken Dollar". "Dies ist jedoch nicht auf den Außenwert bezogen, sondern vielmehr auf die binnenwirtschaftliche Entwicklung - also auf die Inflation", sagte Hellmeyer. Die USA hatten sich auf dem letzten G7-Treffen zu einem Abbau ihrer Defizite in der Handels- und Dienstleistungsbilanz verpflichtet. Ein schwächerer Dollar unterstütze den Abbau der weltweiten Ungleichgewichte.

Selbst als am Freitag das amerikanische Handelsbilanzdefizit niedriger als erwartet ausgefallen war, konnte der Kursverfall nicht nachhaltig gebremst werden. Der Fehlbetrag im US-Außenhandel war im März um 5,6 Prozent auf 62 Mrd. Dollar geschrumpft und erreichte das niedrigste Defizit seit August. Derzeit würden für den Dollar positive Daten aber kaum am Devisenmarkt berücksichtigt, sagte Pohl. Auch die von vielen Beobachtern erwartete technische Konsolidierung sei bisher ausgeblieben. Ein niedrigerer Eurokurs werde immer wieder zu neuen Käufen genutzt.

Hellmeyer erwartet eine länger anhaltende Dollar-Schwäche. Bis zum Jahresende rechnet der Experte mit einem Eurokurs von 1,35 Dollar. Dies sei jedoch eine "konservative Schätzung". Ein Erreichen der alten Höchstkurse von 1,3 667 Dollar sei durchaus möglich. Schon in den nächsten sechs Wochen dürfte der Euro laut Hellmeyer wieder über die Marke von 1,30 Dollar steigen.

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