Chinas Nachfrage nach dem schwarzen Gold dürfte 2005 weiter steigen
Experten rechnen mit hohen Ölpreisen

Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten steht in der Energiefrage das knappe Angebot an Rohöl und nicht die Nachfrage im Mittelpunkt. Weil die Ölnachfrage wegen des starken Wachstums der Weltwirtschaft enorm gestiegen ist, liegen die freien Produktions-Kapazitäten der Opec-Länder und anderer ölproduzierender Staaten nahezu bei null.

HB DÜSSELDORF. Das Paradigma, die Opec – die Organisation Erdöl produzierender Länder – „mache“ die Preise und könne übermäßige Ausschläge verhindern, stimmt nicht mehr. Saudi- Arabien ist längst kein „Swing“- Produzent mehr. Hinzu kommt, dass überschüssiges Rohöl aus saudischen Quellen wegen bestehender Qualitätsmängel nicht oder nur schwer verarbeitet werden kann. Denn die Raffineriekapazitäten sind bereits stark ausgelastet.

Der Rohölpreis hat sich innerhalb von etwa dreieinhalb Jahren fast verdreifacht. 2001 kostete ein Barrel Rohöl noch rund 20 US-Dollar – zuletzt war der Preis an der New Yorker Terminbörse zeitweise bis auf 56 Dollar gestiegen. Ein Blick auf die geopolitischen Einflussfaktoren zeigt, dass die für die globale Energieversorgung latent vorhandenen Risiken zum marktbestimmenden Faktor geworden sind. Der Krieg im Irak hat die dortige Produktion fast zum Erliegen gebracht. Unruhen in politisch wenig stabilen Ölförderländern wie Nigeria und Venezuela führten beim Ölpreis zu einem zusätzlichen Risikoaufschlag von rund zehn Dollar je Barrel.

Viele Marktbeobachter rechnen zwar damit, dass der dramatische Anstieg der Preise wie in den Krisenjahren 1974, 1979 und 1990/91 rasch abgebaut wird und langfristig kein Anlass zur Sorge besteht. Dem ist jedoch nicht so. Für ein Fortbestehen der Angebotskrise bei fossiler Energie gibt es zum einen geologische Ursachen und zum anderen ökonomische Gründe, die in der Struktur der Energienachfrage zu sehen sind.

Wenig beachtet wird an den Märkten die geologische Frage der verbleibenden Reserven in den bekannten Ölfeldern. Unser Energie-Team hat errechnet, dass der Reserve-Life-Index – dieser Index reflektiert die Lebensdauer der vorhandenen Ölreserven – von 271 Jahren im Jahr 1960 über 119 Jahre im Jahr 1979 auf nur noch 45 Jahre im Jahr 2003 gefallen ist. Dies stützt die These eines sich beschleunigenden Rückgangs von Energiereserven fossilen Ursprungs. Dieser Trend ist aus heutiger Sicht nicht umkehrbar.

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