Chinas Nachfrage und zu geringe Kapazitäten halten Preisauftrieb in Gang
Rohstoffmärkte erleben eine Renaissance

An den Finanzmärkten ist es zu einem Favoritenwechsel gekommen. Rohstoffe haben Aktien als beliebteste Anlageklasse abgelöst. Bis noch vor zwei Jahren hatte niemand einen Cent auf diese Anlageklasse gewettet, da das Interesse der Wirtschaft und der Finanzmärkte der obersten Stufe der Wertschöpfungskette – dem als modern, innovativ und „sauber“ geltenden Technologiesektor – galt.

HB DÜSSELDORF. Die unterste Stufe der Kette – die als langweilig, verstaubt und „schmutzig“ beschriebenen Rohstoffen – wurde schlichtweg ignoriert. Sie hatten über Jahrzehnte hinweg der Wirtschaft in ausreichendem Maße und zu akzeptablen Preisen zur Verfügung gestanden.

Was zu spät Beachtung fand, war die sich zunächst still vollziehende und in ihrer Dynamik unterschätzte politische und ökonomische Revolution in China. Die steigende Nachfrage dieses Landes und des anderen Bevölkerungsriesen in Asien – nämlich Indien – erwies sich als entscheidender Katalysator für die Renaissance der Rohstoffe. Die exorbitant gestiegene Nachfrage war plötzlich kaum mehr zu befriedigen – jedenfalls nicht mehr zu den niedrigen Preisen vergangener Jahre.

Plötzlich erkannte auch die Wirtschaft, dass es zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten zu einer „Kollision zwischen Angebot und Nachfrage“ kam und das Angebot der davongaloppierenden Nachfrage nicht rechtzeitig angepasst werden konnte. Banken als Kreditgeber und Anleger als Risikokapitalinvestoren waren nicht bereit, in diesen lange als uninteressant geltenden Wirtschaftszweig zu investieren. Bei der Schweizer Investmentbank UBS wird in diesem Kontext von einem „systematischen Unterinvestment“ gesprochen. Grund: Investments in Rohstoffe zahlen sich bekanntlich erst nach einigen Jahren aus. Von der Suche, über die Entdeckung und Exploration bis hin zur Förderung von Energie- und Methanvorkommen vergehen in der Regel acht bis zehn Jahre.

Die von einigen wenigen Fachleuten geäußerten Warnungen vor der Erschöpflichkeit der Rohstoffreserven hatte die Wirtschaft immer wieder in den Wind geschlagen. Doch jetzt droht der Aufschwung Chinas die von den Experten des „Club of Romeo" vor vier Jahrzehnten aufgezeigte Gefahr von Engpässen Realität werden zu lassen und den weltweiten Wirtschaftsaufschwung im Keim zu ersticken.

Seit dem Tief im Oktober 2001 ist der CRB-Rohstoffindex um 55 Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang der 80er Jahre gestiegen. Ein Ende der Rohstoff-Hausse ist nicht absehbar – bestenfalls eine Abkühlung. Der Aufschwung sei nachhaltig und dauerhaft – zumindest für die nächsten zehn Jahre, heißt es allgemein. „Es könnte sich um einen Superzyklus bei Rohstoffen handeln“, argumentieren die Analysten von Merrill Lynch. Die gigantische Nachfrage Chinas sei der wichtigste Grund. Das Land verfüge über einen ungestillten Rohstoffhunger und habe sich bei vielen Rohstoffen vom Netto-Exporteur zum größten Importeur entwickelt. Auf China entfalle ein Viertel der Weltnachfrage nach Buntmetallen, sagen die Fachleute von J.P. Morgan. Für die Analysten von SEB Invest ist dies ein wesentlicher Grund für die Annahme, dass in den nächsten Jahren kaum mit einer Beruhigung an den Rohstoffmärkten zu rechnen ist.

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