Chinas Währungskorb gibt weiterhin Rätsel auf
Experten sehen den Dollar unter Druck

Die Änderung des Wechselkursregimes in China hat an den Devisenmärkten kurze, zum Teil heftige Reaktionen hervorgerufen. Die Märkte scheinen zwar zur Tagesordnung zurückgekehrt zu sein, doch mit Argusaugen beobachten sie das Verhalten Chinas.

DÜSSELDORF. Noch wirft das Vorgehen des Landes viele Fragen auf, einige Experten rechnen aber mit Verlusten für den Dollar und im Gegenzug mit höheren Kursen bei Euro und Yen. China hatte Ende Juli überraschend bekannt gegeben, dass die langjährige Koppelung der Landeswährung Yuan an den Dollar durch die Bindung an einen Währungskorb abgelöst wird. Zudem wurde der Yuan zum Dollar um 2,1 Prozent aufgewertet. Doch mit der Bildung eines Währungskorbs hat China für reichlich Spekulation gesorgt. Denn erst gestern wurden einige technische Details zur Reform des Wechselkurssystems, die Zentralbankchef Zhou Xiaochuan angekündigt hatte, bekannt. China hat zudem weitere Schritte zur Liberalisierung seines Devisenmarktes angekündigt. Banken dürfen künftig untereinander Swapgeschäfte und Yuan-Termingeschäfte tätigen. Zudem werden mehr Teilnehmer am Devisen-Spotmarkt zugelassen.

In dem Währungskorb dominieren nach der gestrigen Bekanntgabe der US-Dollar, der Euro, der japanische Yen und der südkoreanische Won. Daneben seien der Singapur-Dollar, das britische Pfund, der malaysische Ringgit, der russische Rubel, der australische Dollar, der thailändische Baht und der kanadische Dollar in dem Korb. „Diese Zusammensetzung ist keine Überraschung“, meint Desmond Supple von Barclays Capital. Denn es seien die Währungen von vier der fünf Top-Handelspartern. Über die genaue Gewichtung ließ China die Märkte aber weiter im Unklaren.

Als sicher unter Experten gilt einzig die Übergewichtung des Dollars. „Denn der Dollar ist nach wie vor stark vorherrschend in China“, sagt Sabrina Jacobs, Analystin von Dresdner Kleinwort Wasserstein in Singapur. Gerhard Grebe, Chefstratege der Bank Julius Bär Deutschland, setzt das Gewicht des Dollars mit 33 Prozent an, Euro und Yen mit je 20 und den Won mit 15 Prozent. Mit fünf Prozent veranschlagt er zudem den australischen Dollar. Dieser müsste mit einem größeren Gewicht als einzelne asiatische Währungen im Korb enthalten sein, da China sehr viel Rohstoffe von Australien bezieht, meint Grebe.

Entscheidend sei die Zusammensetzung des Korbes für die Währungsreserven des Landes. Denn diese würden die Chinesen so aufstellen, dass das Währungsrisiko gering gehalten werde. Daher sei zu vermuten, dass „China seine Währungsreserven in Zukunft stärker diversifizieren wird“, sagt Grebe, woraus eine Höherbewertung von Euro und Yen resultieren werde.

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