CO2-Verschmutzungsrechte
Umwelt – ein teures Gut

Die Preise für CO2-Verschmutzungsrechte sind nach oben geschossen. Die Rechte können im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems auf Basis des Kyoto-Protokolls der Vereinten Nationen als Spot- und Futureskontrakte an den europäischen Klimabörsen gehandelt werden.

FRANKFURT. Experten befürchten, dass die Notierungen wegen per saldo geringerer Zuteilungen von Emissionsrechten in den nächsten Jahren weiter steigen werden und dies dann letztlich auch die Strompreise weiter belasten wird.

Aus den jetzt vorgelegten - vorläufigen - Emissionsdaten der Europäischen Union schließen Experten auf eine künftig weiter steigende Nachfrage nach solchen CO2-Verschmutzungsrechten, die auch als EU Allowances (EUA) bezeichnet werden. Die Analysten von UBS rechnen damit, dass aus den jetzt von der EU für das Jahr 2007 vorgelegten Emissionsdaten für die folgende zweite Phase des EU-Emissionshandelssystems (ETS), die von 2008 bis 2012 läuft, eine um zehn Prozent höhere Nachfrage nach CO2Emissionsrechten abgeleitet werden kann. Grund: Dann gelten geringe Quoten und es werden weniger kostenlose Emissionsrechte vergeben.

Für die dann folgende Phase drei, die von 2013 bis 2020 laufen soll, sei aus den vorgelegten Daten sogar auf eine um 20 Prozent höhere Nachfrage zu schließen, heißt es bei UBS. "Ich erhöhe meine Preisprognose", sagt Kris Voorspools von der Fortis Bank. Auch Mark Lewis, Energieanalyst von der Deutschen Bank, rechnet mit weiter steigenden Preisen. Ähnlich wie Fortis-Analyst Voorspools hat auch Lewis seine durchschnittliche Preisprognose der CO2-Emissionszertifikate für die zweite Handelsperiode auf 35 Euro je Tonne angehoben.

Marktteilnehmer führten den zuletzt starken Anstieg der Preise für diese CO2-Rechte zum einen auf die konsequente Haltung der an der Klimakonferenz in Bangkok teilnehmenden Staaten zurück. Diese hatten in der thailändischen Hauptstadt erneut ihren Willen zur Reduzierung der schädlichen Treibhausgase bekundet und ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll in Aussicht gestellt.

Als zumindest ebenso einflussvoller Preistreiber erwiesen sich auf der anderen Seite auch die von der EU zuletzt vorgelegten vorläufigen Daten über den Kohlendioxid-Ausstoß im vergangenen Jahr. Nach Berechnungen von Mark Lewis sind die CO2-Emissionen in den EU-Ländern im vergangenen Jahr um rund ein Prozent auf rund 2,16 Mrd. Tonnen gestiegen.

Einige Analysten hatten bis zuletzt noch prognostiziert, dass die Emissionsmenge im Jahr 2007 leicht unter der des Vorjahres geblieben sein dürfte. Lewis glaubt, dass der Ausstoß von Kohlendioxid im Jahr 2008 in der EU auf 2,244 Mrd. Tonnen steigen wird. Da jedoch lediglich Emissionsrechte in Höhe von 2,083 Mrd. Tonnen zugeteilt wurden, sieht er "große Engpässe".

Vor diesem Hintergrund schossen die Preise an den internationalen Klimabörsen kräftig in die Höhe. Die European Climate Exchange (ECX) - mit weitem Abstand Marktführer unter diesen Börsen - und die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig berichten davon, dass der Preis für die 2008-er-EUA-Futureskontrakte innerhalb weniger Tage seit Ende März von rund 21,70 Euro je Tonne in der Spitze bis auf 23,95 Euro je Tonne geklettert sind.

Und auch bei den eh höheren Preisen für die bis zum Jahr 2012 laufenden Kontrakte der zweiten Handelsperiode kam es zu einem markanten Preisanstieg. Die ECX berichtete am Mittwoch davon, dass sie erstmals einen EUA-Futureskontrakt der dritten Handelsperiode (fällig im Dezember 2013) gehandelt hat, obwohl sich die Staaten bisher noch nicht verbindlich auf ein Nachfolgeverfahren zum Kyoto-Protokoll geeinigt haben. "Die Märkte zeigen indes, dass der Emissionshandel auch nach dem Jahr 2012 weiter leben wird", sagt Sara Stahl von der ECX.

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