Commodities Summit in Lausanne Die Gewinner der Ölpreiskrise

Dank schwankender Ölpreise haben Ölhändler in den vergangenen Jahren Milliardengewinne eingestrichen. Jetzt wird das Geschäft schwieriger. Je geringer die künftig erwarteten Preise sind, desto kleiner werden die Margen.
Kommentieren
Mit dem Rohstoff lässt sich, trotz der Preiskrise der vergangenen Jahre, noch immer gutes Geld verdienen. Vor allem Händler nutzten die Preisinstabilität für sich. Quelle: dpa
Erdöl

Mit dem Rohstoff lässt sich, trotz der Preiskrise der vergangenen Jahre, noch immer gutes Geld verdienen. Vor allem Händler nutzten die Preisinstabilität für sich.

(Foto: dpa)

LausanneWährend Ölproduzenten in Zeiten niedriger Preise für den Rohstoff sparen müssen, herrscht bei den Händlern ausgelassene Stimmung. Auf dem Commodities Summit der „Financial Times“ in Lausanne trifft sich derzeit die Elite der Rohstoffszene und allen voran die Rohstoffhändler sind bester Laune. Denn sie haben die schwankenden Ölpreise der vergangenen Jahre genutzt, um ihre Geschäfte kräftig auszubauen. Das zeigt sich am Volumen gehandelten Öls und verarbeiteten Treibstoffen.

Allein Vitol, der Primus der Branche, konnte die gehandelte Menge seit 2014 von fünf auf jetzt sieben Millionen Barrel pro Tag steigern. Laut einer Analyse der „Financial Times“ konnten die fünf größten Händler ihr Volumen seit 2014 um 65 Prozent auf 22 Millionen Barrel pro Tag steigern. Zum Vergleich: Russland, der größte Ölproduzent der Welt, fördert ungefähr die Hälfte dessen.

Die zehn ölhungrigsten Länder der Welt
Platz 10: Kanada
1 von 10

Auf dem letzten Platz der weltweit zehn größten Ölnachfrager liegt Kanada mit 2,4 Millionen Barrel Öl pro Tag in 2016. In den folgenden Jahren wird mit einer sinkenden Nachfrage gerechnet. Für 2022 liegt diese nur noch bei 2,3 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Quelle: „Oil 2017“-Bericht der Internationalen Energie-Agentur.

Platz 9: Südkorea
2 von 10

Südkorea fragte im Jahr 2016 2,6 Millionen Barrel Öl pro Tag nach. Damit landet das Land auf Platz 9 der weltweit größten Ölnachfrager. In den Folgejahren steigt die Nachfrage laut der Voraussage der Internationalen Energie-Agentur auf 2,7 Millionen Barrel Öl.

Platz 8: Saudi-Arabien
3 von 10

Saudi-Arabien, das selbst große Mengen des Schwarzen Goldes fördert, liegt mit 3,2 Millionen Barrel Öl pro Tag auf dem achten Platz der weltweiten Ölnachfrager. Das könnte sich in Zukunft ändern, denn bis 2022 wird die Nachfrage auf 3,4 Millionen Barrel geschätzt.

Platz 7: Brasilien
4 von 10

Brasilien liegt mit einer Erdölnachfrage von 3,1 Millionen Barrel pro Tag auf dem siebten Platz. Doch auch hier ist mit einer höheren Nachfrage in den Folgejahren zu rechnen: 2022 liegt die geschätzte Nachfrage schon bei 3,3 Millionen Barrel Öl.

Platz 6: Russland
5 von 10

Russland liegt im Jahr 2016 noch auf Platz 6 der größten Erdölnachfrager mit durchschnittlich 3,6 Millionen Barrel Öl pro Tag. 2017 erhöht sich die Nachfrage, sodass Russland mit durchschnittlich 3,7 Millionen Barrel Erdöl pro Tag den sechsten Platz verteidigt.

Platz 5: Indien
6 von 10

Indien fragt in den nächsten Jahren immer mehr Öl nach. 2016 liegt die Nachfrage noch bei 4,3 Millionen Barrel Öl pro Tag, 2017 werden schon 4,5 Millionen Barrel nachgefragt und 2022 noch mal mehr – 5,9 Millionen Barrel.

Platz 4: Japan
7 von 10

Bei einer Nachfrage von 4,0 Millionen Barrel Öl pro Tag liegt Japan auf dem vierten Platz. Die Nachfrage sinkt im Jahr 2017 voraussichtlich auf 3,9 Millionen Barrel und bis 2022 auf 3,6 Millionen Barrrel Öl pro Tag.

Doch die zuletzt stabilen Ölpreise drohen die gute Stimmung zu vermiesen. Denn bislang konnten die Händler Öl günstig einkaufen und zu einem Liefertermin in der Zukunft teurer weiter verkaufen. Diese im Fachjargon Contango genannte steigende Preiskurve war für sie die ideale Profit-Formel. Je geringer aber die künftig erwarteten Preise sind, desto kleiner werden die Margen. Das ist nun der Fall. Torbjörn Törnqvist, Chef des Händlers Gunvor, erwartet in den kommenden Jahren einen stabilen Preis um 60 Dollar. Russel Hardy, Leiter des Vitol-Geschäfts in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika erklärt: „Wenn der Preis weniger schwankt, fällt es uns schwerer, Profite zu machen.“

Beim Händler Trafigura lässt sich das schon in der Bilanz ablesen. Der Gewinn des Unternehmens fiel 2016 bei einem Umsatz von 100 Milliarden Dollar von 1,1 Milliarden auf 975 Millionen Dollar. So niedrig fiel der Gewinn seit sechs Jahren nicht aus. Vitol veröffentlicht keine Gewinnzahlen, der Umsatz ist aber um zehn Prozent auf 152 Milliarden Dollar gefallen. Die Zahlen weiterer Händler liegen noch nicht vor. Die Entwicklung dürfte aber ähnlich aussehen.

Dennoch geben sich die Branchenchefs in Lausanne demonstrativ gelassen. Er mache sich weniger Sorgen um die flache Preiskurve, für ihn seien die physischen Handelsströme wesentlich wichtiger, erklärt ein Manager von einem der Marktführer.

Wird Saudi Aramco die nächste große Chance?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Commodities Summit in Lausanne: Die Gewinner der Ölpreiskrise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%