Das Nein der Franzosen zur EU-Verfassung drückt auf die Währung – Langfristiger Aufwärtstrend gebrochen
Kräftiger Gegenwind für den Euro

Im freien Fall präsentiert sich der Euro, nachdem sich die Franzosen mehrheitlich gegen die EU-Verfassung ausgesprochen haben. Gestern Abend rutschte die Gemeinschaftswährung sogar zeitweise unter die Marke von 1,23 Dollar. Das Votum der Franzosen macht einen noch einheitlicheren Wirtschaftsblock gegenüber den USA unwahrscheinlicher.

DÜSSELDORF. Neben der fundamentalen Seite spricht aber auch die Charttechnik gegen den Euro, seitdem der langfristige Aufwärtstrend gebrochen ist. Analysten sehen den Fall des Euros noch nicht beendet, erkennen aber Stabilisierungstendenzen.

Durch das Nein der Franzosen seien „die Unsicherheiten und die Probleme im Euro-Gebiet wieder stärker in das Bewusstsein der Investoren gerückt“, sagt Axel-Adrian Roestel, Volkswirt der Berenberg Bank. Zurzeit schauten die Märkte zudem stark auf die Wachstums- und Zinsdifferenz zwischen den USA und der Euro-Zone, davon profitiere der Dollar. Eine starke Dollar-Aufwertung werde es aber nicht geben, erwartet Roestel. Kurzfristig sieht er den Euro in einer Handelsspanne von 1,22 bis 1,25 Dollar.

„Der Bruch des Aufwärtstrends beim Euro heißt aber noch nicht, dass wir alle Unsicherheitsfaktoren beim Dollar beseitigt haben“, sagt Roestel. Dazu zählt neben den hohen Defiziten in der Leistungs- und Haushaltsbilanz der USA vor allem eine mögliche Aufwertung der chinesischen Währung. Sollte diese erfolgen, könne man eine breit angelegte Dollarabwertung erwarten. Aber auch eine Neuwahl in Deutschland könnte den Dollar belasten. Denn die Folge davon könnte eine „nachhaltige Stimmungsverbesserung für den Euro“ sein.

Bereits vor der negativen Entscheidung der Franzosen zur EU-Verfassung hatte der Euro seinen Aufwärtstrend verlassen. Dieser hatte sich seit 2002 herausgebildet und als sehr stabil erwiesen. Weil auch die für Marktteilnehmer wichtige 200-Tage-Linie, also der Kursdurchschnitt der vergangenen 200 Handelstage, durchstoßen wurde, hat sich der Druck auf den Euro immer weiter verstärkt. Angesichts dieser negativen Ausgangslage rechnet Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt mit einem Kursrutsch, der den Euro in den nächsten ein bis zwei Wochen bis auf 1,20 Dollar drücken dürfte. „Länger sollte der Ausgang des Referendums den Euro aber nicht belasten, so dass wir mit einer Stabilisierung rechnen.“

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