Das Ölkartell wurde vor 45 Jahren gegründet
Opec zwischen Macht und Ohnmacht

Sicherheitsleute mit dem Maschinengewehr im Anschlag, Eingangskontrollen, die schärfer sind als am Flughafen, eine große Gruppe von Journalisten vor dem Haus. Die Vorzeichen sind deutlich: In dem unscheinbaren weißen Gebäude in der Wiener Innenstadt findet das nächste Opec-Treffen statt. Denn hier, mitten im beschaulichen Wien, hat die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) seit 1965 ihren Hauptsitz.

HB WIEN. Die Häufigkeit der Treffen gibt dabei Hinweise auf die Entwicklung am Rohölmarkt. Früher trafen sich die Kartellmitglieder in der Regel zwei Mal im Jahr, seit 2001 nimmt die Zahl der Konsultationen stetig zu. Dies zeigt, wie sich die Lage an den Ölmärkten zuspitzt. Nur selten stand die Opec so stark im Mittelpunkt des Weltinteresses wie heute. 45 Jahre nach der Gründung scheint das Ölkartell – trotz wechselhafter Zeiten – an Bedeutung gewonnen zu haben. Alle Marktteilnehmer beobachten das Vorgehen des Gremiums, wenn ein neuerlicher Anstieg der Rohölpreise droht. Das war nicht immer so.

Die Gründung der Opec vollzog sich 1960 fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. Ausgangspunkt war die Ohnmacht der arabischen Ölförderstaaten, die völlig abhängig von den Weltölkonzernen waren. Provokante Preissenkungsrunden bildeten den Boden für die Gründung der Opec. Denn die Ölmultis hatten Anfang 1959 und erneut im August 1960 die so genannten Verrechnungspreise ohne Rücksprache mit den Ölanbieterstaaten gesenkt.

Auf einer Konferenz in Bagdad, vom 10. bis 14. September 1960, war es dann soweit. Iran, Kuwait, der Irak, Saudi Arabien und Venezuela schlossen sich zusammen. Ziel war es, eine gemeinschaftliche Einrichtung zur Abstimmung von Ölinteressen zu schaffen und sich so aus der Ohnmacht zu lösen. In den folgenden Jahren stießen Katar, Indonesien, Libyen, Algerien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria, Ecuador und Gabun dazu. Die beiden zuletzt genannten Länder gehören dem Kartell heute nicht mehr an. Der Sitz der Opec war seinerzeit noch in Genf. Erst 1965 verlagerte die Organisation ihren Hauptsitz nach Wien.

Macht hatte die Opec wenig. Erst Anfang der 70er-Jahre wendete sich das Blatt. Aus dem Käufer- wurde ein Verkäufermarkt. Die Zahl neu erschlossener Ölreserven hielt mit dem Verbrauchsanstieg nicht Schritt. Und die USA als mit Abstand wichtigster Ölkonsument der Welt deckten seit 1970 ihren Bedarf verstärkt am Weltmarkt. Öl wurde zum knappen Gut. 1972 prophezeite der Club of Rome in der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ sogar, dass der Welt das Öl in 20 bis 30 Jahren ausgehen werde. Die Opec selbst stellt fest, dass sie in dieser Dekade zu „internationaler Prominenz“ aufgestiegen ist.

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