Der Kurs notiert weiterhin in der Nähe des Jahrestiefs
Schwedische Krone gerät vor der Euro-Abstimmung unter Druck

Normalerweise gibt es für Politiker und Wirtschaftsbosse kaum etwas zu lachen, wenn die eigene Währung unter Druck gerät. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, und eine solche Ausnahme ist derzeit in Schweden zu bestaunen. Dort wird in gut drei Wochen, am 14. September, in einer Volksabstimmung über die Einführung des Euros entschieden.

hst STOCKHOLM. Seit Monaten liegen die Gegner des Euros klar vorn in allen Meinungsumfragen, und seit Monaten kämpft der sozialdemokratische Regierungschef und Euro-Befürworter Göran Persson in starkem Gegenwind.Nun hat er Unterstützung für seine Pro-Euro-Kampagne erhalten: Die mächtig unter Druck geratene Krone gab ihm bei mehreren Auftritten die Gelegenheit, auf die Verletzbarkeit einer relativ wenig verbreiteten Währung hinzuweisen. „Nichts ist in den vergangenen Wochen mit der schwedischen Ökonomie geschehen, und dennoch verliert die Krone an Wert“, sagte Persson bei einem seiner vielen Wahlkampfauftritte in Halmstad an der Westküste.

Für den Premier war klar, dass der Fall der Krone um fast 1,5 % an einem einzigen Tag ein deutliches Zeichen für Devisen-Spekulation ist, gegen die sich ein kleines Land wie Schweden nicht schützen könne. Nur eine Teilnahme an der Währungsunion brächte Sicherheit. Im Vorfeld der Volksabstimmung kommt ihm also die Volatilität der Krone kurzfristig entgegen, zeigt sie doch die Verwundbarkeit. Tatsächlich war die Krone am Dienstag auf den niedrigsten Stand gegenüber dem Euro seit einem Jahr gefallen.

Seitdem hat sie sich wieder erholt, gestern mussten 9,25 Kronen für einen Euro gezahlt werden; am Dienstag waren es zeitweise 9,33 Kronen für einen Euro. Doch trotz der Erholung notiert die Krone heute noch deutlich schwächer als noch zu Jahresbeginn, als ein Euro für rund 9,13 Kronen zu haben war. Devisenhändler schieben das Auf- und Ab auf die politische Situation: Meinungsumfragen geben den Euro-Gegnern einen Vorsprung von bis zu 15 Prozentpunkten, und selbst Berufsoptimisten beginnen, an einer erfolgreichen Aufholjagd der Euro-Befürworter zu zweifeln. Unterstützung habe die Krone gestern durch eine neue Meinungsumfrage erhalten, die den Euro-Befürwortern 39 %, also einen Gewinn von fünf Prozentpunkten gab. Dennoch glauben die meisten Devisenhändler an ein „Nein zum Euro“.

„Eine gestiegene politische Risikoprämie kann bei der Krone in den vergangenen Tagen mitgespielt haben, immerhin ist über eine eventuelle Regierungsumbildung spekuliert worden“, sagte Måns Grünberger, Analyst bei SEB Merchant Banking. Tatsächlich wurde in Schweden über den Fortbestand des jetzigen Minderheitskabinetts nach dem 14. September gerätselt. Muss Persson bei einem „Nein zum Euro“ zurück treten? Oder wird er bei einer Zustimmung die fünf Euro-Gegner in seiner Regierung entlassen? Fragen, die zumindest im Ausland für Verunsicherung sorgten.

Einige große schwedische Unternehmen sollen aus Angst vor einer weiteren Kronen-Schwächung mit dem Umtausch ihrer Exporteinnahmen in die schwedische Währung abwarten. Dies habe zu einer Schwächung beigetragen, lautet ein weiterer Erklärungsversuch für die Volatilität von Robert Bergqvist, Chefanalyst bei SEB. Einig sind sich die Experten, dass die seit fast genau zehn Jahren frei floatende Krone bis zur Abstimmung keine Währung ist, in die man investieren sollte. Es sei denn, man liebt den Nervenkitzel.

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