Der Schwächste gewinnt
Währung als Waffe

Weltweit setzen Regierungen und Notenbanken alles daran, die eigene Währung zu schwächen. Der Abwertungswettlauf ist längst im Gange, er könnte dieses Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen. Am Ende gibt es nur Verlierer.
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DüsseldorfEine Währung muss stabil sein, und sie muss stark sein. Das denken immer noch viele Deutsche. Sie haben offenbar nicht mitbekommen, dass diejenigen, die die Geldpolitik bestimmen, ganz anderes im Sinn haben.

Weltweit setzen Regierungen und Notenbanken alles daran, die eigene Währung zu schwächen; auch wenn kaum einer das offen zugibt. Der Abwertungswettlauf ist längst im Gange, er könnte in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen. Die Ursachen liegen in der Schuldenkrise. Es ist der Versuch, sich durch eine billigere Währung einen Vorteil auf dem Weltmarkt zu erkaufen. Dies geht auf Kosten der Länder, die solide gewirtschaftet haben – und auf Kosten der eigenen Bürger, die an Kaufkraft einbüßen. Im Englischen ist diese Politik auch unter dem Stichwort „Beggar thy neighbour“ (zu Deutsch: „Mach deinen Nachbarn arm“) bekannt.

„Wir leben schon in einer Zeit, in der die meisten Zentralbanken versuchen, ihre Währungen zu schwächen, um sich Vorteile im Welthandel zu verschaffen und strukturelle Defizite in ihren Ländern zu übertünchen“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Früher seien die Wechselkurse maßgeblich durch Zinserwartungen beeinflusst worden, die wiederum von den Konjunkturaussichten getrieben wurden. „Heute sind die Zinsen in vielen Industrieländern praktisch bei null“, sagte Krämer. „Jetzt treiben die Notenbanken das Spiel weiter, indem sie durch ihre sehr expansive Geldpolitik Liquidität auf den Markt werfen.“

Natürlich können nicht alle Währungen auf einmal abwerten. Wenn eine Devise an Wert verliert, muss ihr Gegenpart entsprechend gewinnen. Deshalb kommt es darauf an, im Abwertungswettlauf schneller als andere zu sein. Wer nicht mitmacht, riskiert die Aufwertung seiner Währung – ein entscheidender Nachteil in einer Zeit, in der die Weltwirtschaft nach wie vor angeknackst ist.

Ganz besonders akribisch arbeiten die Industriestaaten an der Abwertung: die USA, Japan, Großbritannien, aber auch die Euro-Zone. Einerseits haben die Zentralbanken ihre Leitzinsen auf Rekordtief gedrückt. Niedrige Zinsen machen Investitionen in Dollar, Pfund und Euro unattraktiver, was den Wechselkurs drückt.

Kommentare zu " Der Schwächste gewinnt: Währung als Waffe"

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  • Endlich mal eine gescheite Frage!!!!!!!!!

  • Dieser Komment sollte unter allen anderen stehen!!
    @Komment: Ihrer Aussage:"Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt genau das Gegenteil, Abwertung schafft keinen einzigen Arbeitsplatz und keinen einzigen Fortschritt, im Gegenteil." Füge ich noch Prof.Ludwig Erhards Erkenntnis hinzu, die ich hier schon zigmal gepostet habe: Noch nie ist ein Volk durch Abwertung reicher geworden. Vermögen (Kapital) wird ausschließlich durch Arbeit erzeugt!
    Gibt es irgendjemand hier, der diese Binsenwahrheit nicht akzeptieren kann, dann RIP!!!!

  • ich denke das könnnte noch 10 Jahre so weitergehen, wenn es nicht einen externen Schock gibt...

    Auf den Zusammenbruch zu wetten, halte ich für tödlich.

    Was bleibt: Abwarten und Tee trinken. Die Zeiten sind spannend.

    Ich persönlich habe meine eigene Eigentumswohunung, Aktien und etwas Edelmetalle (Gold, Silber, Platin und Palladium).

    Aber jeder wie er mag.

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