Deutlicher Rückgang des US-Handelsbilanzdefizits
Euro gerät unter Druck

Deutlich hat der Euro gegenüber dem Dollar an Boden verloren, nach einem deutlichen Rückgang des US-Handelsbilanzdefizits. Zu seinem am Vortag erreichten Vier-Monats-Hoch büßte die Gemeinschaftswährung über einen US-Cent ein.

HB FRANKFURT. Der Euro kostete am Nachmittag 1,2320 Dollar. Die EZB legte den Referenzwert vor Bekanntgabe von US-Konjunkturdaten mit 1,2372 (Montag 1,2397) Dollar fest. Am Montag hatte der Euro bei 1,2436 Dollar ein Vier-Monats-Hoch markiert. Händler führten den Kursrückgang des Euro zunächst auf Gewinnmitnahmen nach dem kräftigen Kursanstieg vom Vortag zurück. Ein deutlich geringer als erwartet ausgefallenes Defizit in der US-Handelsbilanz im Mai beschleunigten dann am Nachmittag die Talfahrt des Euro. „Der überraschend starke Rückgang des US-Defizits hat auf breiter Front zu Dollar-Käufen geführt“, sagte Eugen Keller, Devisen- und Rentenstratege beim Bankhaus Metzler. „Es besteht nun durchaus die Hoffnung, dass es keiner großen Dollar-Abwertungen mehr bedarf, um die US-Leistungsbilanz in vernünftigere Relationen zurückzuführen“, ergänzte er.

Das Defizit in der US-Handelsbilanz belief sich im Mai nach Angaben des Handelsministeriums bei rund 46 Milliarden Dollar nach revidiert 48,1 Milliarden Dollar im Vormonat. Die Erwartungen von Analysten betrugen im Mittel 48,3 Milliarden Dollar. Das Handelsbilanzdefizit ist damit erstmals seit sechs Monaten wieder geschrumpft, obwohl zugleich die Erdöl-Preise auf den höchsten Stand seit fast 22 Jahren gestiegen waren und damit die Importe ebenfalls auf Rekordhöhen getrieben hatten. Der verbesserte Außenhandelsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt könnte Analysten dazu veranlassen, ihre US-Wachstumsprognosen für das zweite Quartal anzuheben.

Neben der US-Handelsbilanz stehen in dieser Woche noch weitere wichtige US-Konjunkturdaten wie die Erzeugerpreise am Donnerstag und die Verbraucherpreise am Freitag auf der Agenda. Von den Zahlen versprechen sich die Anleger weiteren Aufschluss über die Entwicklung der weltweit größten Volkswirtschaft und über die Zinspolitik der US-Notenbank Fed.

Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über die Aussetzung des Defizitverfahrens gegen Deutschland und Frankreich lösten beim Euro kaum Kursausschläge aus. „Offensichtlich sieht man das am Devisenmarkt relativ entspannt. Das EU-Defizit ist bei leichter Verfehlung immer noch deutlich geringer, als die mittlerweile ausufernde Neuverschuldung in den USA“, sagte Dieter Schwarz von der Helaba. Der EuGH hob am Vormittag in Luxemburg die Erklärung des Finanzministerrats (Ecofin) vom November auf, mit der sie die Defizitverfahren gegen Deutschland und Frankreich ausgesetzt und zugleich frühere Sparauflagen ohne Vorschlag der Kommission geändert hatten.

Im Referenzverfahren der Banken EuroFX fiel der Euro am Dienstag auf 1,2364 (1,2414) Dollar.

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