Deutsche Energiekonzerne könnten über Förderlizenzen mehr Öl und Gas beziehen
Engagement in Norwegen erwünscht

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wünscht sich ein stärkeres Engagement deutscher Energiekonzerne in Norwegen, um die potenziellen Lieferungen nach Deutschland zu erhöhen.

OSLO. Clement forderte während eines dreitägigen Besuches in dem skandinavischen Land die Energiekonzerne auf, sich stärker als bisher um Förderlizenzen in Norwegen zu bewerben. Die Regierung in Oslo schreibt alle zwei Jahre Rechte an der Öl- und Gasförderung in neuen Feldern aus. Derzeit ist die deutsche RWE Dea beispielsweise mit 2,8 Prozent an dem Snøvit-Gasfeld in der Barentssee beteiligt, während Ruhrgas mit 15 Prozent einer der größten Partner im Njord-Feld ist.

Der Wunsch des Ministers kommt nicht von ungefähr: Norwegen ist einer der wichtigsten Öl- und Erdgaslieferanten Deutschlands. Rund 20 Prozent seines Öl bezieht Deutschland aus Norwegen, nur zehn Prozent kommen aus allen arabischen Ländern zusammen. Der große Rest stammt u.a. aus Russland, Kasachstan und Venezuela. Beim Erdgas steht das Land für 14 Prozent der Lieferungen nach Westeuropa, auf dem deutschen Markt ist die Dominanz der Skandinavier deutlich größer: Knapp 30 Prozent werden über gigantische Unterwasserpipelines aus nach Emden und Dornum in Niedersachsen geliefert.

Doch auch Norwegen kann nicht einfach den Gas- und Ölhahn weiter aufdrehen. Denn mit einer Tagesproduktion von 3,3 Mill. Barrel (159 Liter) Rohöl ist die Produktionsobergrenze erreicht. Der drittgrößte Erdölexporteur der Welt hat zudem in der Vergangenheit mit seinen Abnehmerländern langfristige Lieferverträge abgeschlossen, die nicht ohne Weiteres verändert werden können. „Wir haben die Produktionsobergrenze erreicht“, bestätigt auch Richard Scarborough vom norwegischen Öl- und Energieministerium in Oslo. Während Experten wie Scarorough beim Öl bereits einen leichten Produktionsrückgang sehen, da die Reserven immer weiter ausgeschöpft sind, wird es beim Erdgas noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Fördermengen sinken. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, noch mindestens 50 Jahre lang Rohöl zu fördern. Bei Erdgas hofft sie, dass die Reserven noch 100 Jahre reichen werden.

Nur über neue Förderlizenzen lässt sich also der Anteil Norwegens an Öl- und Gaslieferungen nach Deutschland deutlich erhöhen. Daher ist die Aufforderung Clements nach einem größeren Engagement deutscher Unternehmen verständlich. Bereits Ende Juni will die Regierung in Oslo über die Vergabe neuer Förderrechte auch an ausländische Interessenten entscheiden. Doch ganz gibt man in Oslo das Zepter nicht aus der Hand: Der Energiesektor ist fest in der Hand der staatlich dominierten Konzerne Norsk Hydro, Statoil, und Petoro. Und die Erlöse aus dem Öl- und Gasgeschäft fließen in den norwegischen Ölfonds, der nach dem Versiegen der Quellen den Wohlstand für kommende Generationen sichern soll.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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