Deutsche Unternehmen führend
Recycling sichert den Nachschub

Deutsche Unternehmen sind führend bei der Wiederverwendung von Rohstoffen. Der Anstieg der Preise zwingt zu höherer Effizienz.

HB HAMBURG. Not macht erfinderisch. Und weil der Vorstandsvorsitzende der Norddeutschen Affinerie (NA), Werner Marnette, sich über die hohen und stetig steigenden Energiepreise in Deutschland ärgert, hat er sich etwas einfallen lassen: Zusammen mit der Stadtreinigung Hamburg baut sein Unternehmen nun ein eigenes Kraftwerk, um sich selbst zu versorgen. Die Basis dabei: Müllverbrennung. "Eine geniale Kombination", wie Marnette findet. "Die Stadtreinigung wird ihren Abfall los und die NA sichert ihre Energieversorgung und koppelt sich gleichzeitig vom Strommarkt ab." Mit einem Verbrauch von fast einer Mrd. Kilowattstunden Strom pro Jahr ist die Norddeutsche Affinerie ein energieintensives Unternehmen und als Europas größter Kupferproduzent extrem rohstoffabhängig.

Zwei Merkmale, mit denen die NA sich gut als Beispiel eignet, um zu zeigen, wie Deutschlands Industrie ihre Rohstoff- und Energieversorgung sichert und auf steigende Preise reagiert. Materialeffizienz, Recycling und eine Erweiterung der Wettbewerbsbasis heißen die Strategiepunkte.

In denen gilt die deutsche Wirtschaft als im internationalen Vergleich hervorragend aufgestellt. "Materialeffizienz spielte von jeher eine wichtige Rolle, da Deutschland bekanntlich ein vergleichsweise rohstoffarmes Land ist", sagt Karl-Heinz Dörner, Vorsitzender der Präsidialgruppe "Internationale Rohstofffragen" des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Recycling ist praktisch so etwas wie Deutschlands Rohstoffsicherung Nummer eins. Nach Einschätzung des BDI sind deutsche Unternehmen sowohl mit Blick auf die Technik als auch hinsichtlich der Umweltstandards beim Recycling Weltspitze.

Beispiel: Norddeutsche Affinerie. "Wir sind der weltgrößte Recycler unserer Branche. 40 Prozent unseres Kupfers gewinnen wir aus der Wiederverwertung alter Produkte", sagt Marnette. Und da sich Kupfer beliebig oft verwenden lässt und eine hohe Verwertung weniger abhängig vom Primärrohstoffmarkt macht, hat sich die NA darum bemüht, eine effiziente Recyclingtechnik zu entwickeln, die das Unternehmen auch exportieren könnte, zum Beispiel in die USA. Zumindest kann sich Marnette das für die Zukunft gut vorstellen.

Was die Erweiterung der Wettbewerbsgrundlage angeht, sind deutsche Unternehmen in jeglicher Hinsicht kreativ. Sie erschließen sich nicht nur über Recycling Sekundärmärkte oder etablieren sich mit eigenen Kraftwerken als Selbstversorger - was bei der Stahlerzeugung übrigens schon lange als Standard gilt -, sie haben auch völlig neue Märkte eröffnet.

Das gilt beispielsweise für erneuerbare Energien. Windkraft und zunehmend auch Solarenergie erweitern die Angebotspalette und damit die Wettbewerbsgrundlage und reduzieren die Abhängigkeit vom Primärmarkt endlicher Ressourcen wie Öl, Gas und Kohle. Derzeit spielt das bei der Industrieversorgung zwar noch keine Rolle, sondern ist eher als eigener Wirtschaftszweig interessant. Aber die Ziele der Branche sind ehrgeizig. "Sobald die Wettbewerbsfähigkeit erreicht ist - wir erwarten das innerhalb der nächsten 15 Jahre - wird Solarstrom im Mix mit anderen erneuerbaren Energien selbstverständlich zur unmittelbaren Stromversorgung der Industrie beitragen", sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft.

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