Devisen 2015
Voller Dollar voraus

Derzeit blickt die Welt auf die Rubelkrise. Doch aufs Jahr betrachtet wichtiger war der rasche Aufstieg des Dollar. Die „Parität“, ein Dollar gleich ein Euro, scheint in greifbarer Nähe. Was Experten für 2015 erwarten.
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DüsseldorfWer im Dezember an Währungen denkt, denkt erst einmal nur an eine: den Rubel. Je mehr die Sanktionen der Europäischen Union und de USA greifen und Russlands Wirtschaft schwächelt, je mehr der Ölpreis sinkt, umso mehr geht es auch bergab mit der russischen Währung. Allein in diesem Jahr rund 50 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren. Doch auf Jahressicht dürfte vor allem für Euro-Investoren ein anderer Wechselkurs im Fokus der Aufmerksamkeit gestanden haben: der Euro-Dollar-Kurs.

Keine Frage, es war ein heißes Jahr für den Euro. 1,37 Dollar kostete eine Einheit der Gemeinschaftswährung noch zu Jahresbeginn – doch ganz ging es langsam, aber kontinuierlich abwärts. Anfang November fiel die Grenze von 1,25 Dollar – im Dezember spurtet der Kurs auf 1,20 Dollar zu. Auf Jahressicht hat der Euro zum Dollar mehr als elf Prozent verloren. Die Gründe sind bekannt: Während die US-Wirtschaft immer mehr anzieht, schwächelt die Konjunktur in der Euro-Zone.

Und es könnte noch schlimmer werden – dann, wenn Europas Wirtschaft das Ausmaß der Sanktionen gegen Russland zu spüren bekommt. Darüber hinaus hat die Notenbank Fed jetzt angekündigt, die Normalisierung der Geldpolitik „geduldig“ einleiten zu wollen – höhere Zinsen scheinen also in greifbarer Nähe. Schon ist die stärkere Nachfrage nach Dollar zu spüren: Wie schon 2013 ziehen Investoren momentan Geld aus Schwellenländern ab – und schichten um in Dollar-Investments.

Wird der Dollar also der große Gewinner auch in 2015 sein? Geht es nach der Investmentbank Goldman Sachs, könnte der Euro schon bald bis zur Parität abwerten. Dann würde also gelten: ein Euro gleich ein Dollar. Ganz so weit wollen die Anlageexperten, die Handelsblatt Online exklusiv nach dem Ausblick der Devisenkurse in 2015 gefragt hat, allerdings doch nicht gehen. So rechnet zum Beispiel Jens Wilhelm, Vorstand bei Union Investment, damit, dass Euro im Jahresverlauf bis auf 1,15 Dollar abwertet.

„Aus unserer Sicht überwiegen auch 2015 die belastenden Faktoren für den Euro. […] Eine weitere Verschiebung des Wechselkurs-Korridors nach unten ist dennoch sehr wahrscheinlich“, so Wilhelm. Auch Michael Mewes, Devisenexperte bei JP Morgan, geht davon aus, dass der Dollar im Laufe des kommenden Jahres „weiter Richtung 1,15 aufwerten und der Wachstumsdynamik und Zinsdifferenz entsprechend Kapitalzufuhr sehen sollte.“

Kommentare zu " Devisen 2015: Voller Dollar voraus"

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  • Wer wird sich denn wundern, wenn in USA der Dollar steigt - und zwar gegenüber fast allen anderen Währungen.

    Immerhin redet man über kaum anderes als die anstehende Zinserhöhung in erstens USA und dann oder eher noch zuvor in England, wo schon zweimal verschoben wurde - nur weil sich Yellen nicht entscheiden kann, der Empfehlung der BIZ zu folgen - und schnell zu hiken.

    Den makroprudentiellen Bestrebungen der Regierungen entgegen zu wirken, ist die falsche Geldpolitik - sowohl der Fed, als auch der BoE und der EZB sowieso.

    Also könnte bei wachsender Einsicht eine schnelle Zinserhöhung kommen - eher, als man bislang glauben wollte.

  • @ Dr. Michael Klein
    Achtung, dass sie keine Denkfehler machen!
    RICHTIG: Wir haben weltweit ungedeckte Papierwährungen, seitdem Nixon 1971 den Golddevisenstandard von Bretton-Woods de facto abschaffte und das "Goldfenster" schloss, weil damals immer mehr Staaten erkannt hatten, dass die USA weitaus mehr Dollar gedruckt hatten (insbesondere um den teuren Vietnam-Krieg zu finanzieren), als sie Gold zur Deckung ihrer Währung besaßen. Der Dollar war also nicht mehr "so gut wie Gold", wie Charles de Gaulle in einer eindrucksvollen Rede feststellte:
    http://www.youtube.com/watch?v=i-g2iGskFPE
    Die USA hatten die restliche Welt also de facto beschissen, und die Folge war ein "Bank Run" mit der USA als "Bank": das Gold ist aus den USA abgeflossen, und die verwässerten Dollars sind zurückgeflossen. Der USD stand damals also vor dem Crash.
    Letztendlich ist es EGAL, ob wir heute STAATLICHES oder PRIVATES ungedecktes Papiergeld haben (das allerdings mit dem Zwangs- und Repressionsapparat des Staates) durchgesetzt wird.
    RICHTIG ist, dass ausschließlich der freie Markt durch FREIWILLIGE ÜBEREINKUNFT DER MARKTTEILNEHMER UND OHNE ZWANG bestimmen kann, welche Tauschmittel (oder genauer Zwischentauschmittel) "Geld" sein sollen, und der freie Markt hat (in einem jahrtausendelangen Entscheidungsfindungsprozess) festgelegt, dass GELD IMMMER zugleich auch eine WARE sein muss.
    NIEMALS hätte der freie Markt eine "Forderung" oder einen "Schuldschein" wie heute als Geld akzeptiert! Das Schuldgeldsystem kann also nur durch staatlichen Zwang funktionieren!
    Nur der freie Markt kann festlegen, was "Geld" ist - KEIN Staat und KEIN privates Bankkartell (wie in den USA).
    Nichtsdestotrotz bleibt die Frage natürlich außerordentlich spannend, wer tatsächlich die Aktionäre der Fed sind. Googlen hilft hier nicht...
    Wie wäre es einmal, wenn eine riesige Anzahl Wissbegieriger bei der NSA - die ja alles weiß - anfragen würde?? Das wäre mal ein HEIDENSPASS!! :D

  • Verehrter Herr Lehmann,

    Sicherlich haben Sie handfeste Beweise für Ihre Behauptungen.

    Hier sind die Fakten: die chinesische Regierung kauft US Staatsanleihen mit dem Geld (US Dollar) aus ihrem Handelsüberschuss. Warum? Weil sie auf US Staatsanleihen Zinsen bekommen, die sie beim halten von Devisen nicht bekommen würden. Umgangssprachlich: sie kaufen fest verzinsliche Papiere anstatt das Geld auf ihrem Girokonto in China zu 0 Zinsen liegen zu lassen. Aus meiner Sicht eine ganz normale und verständliche Handlungsweise. Aktuell hält China ungefähr 1/16 aller US Schuldverschreibungen (Bonds). Eine Menge, aber keine dramatische Konzentration!

    Nun erläutern Sie doch bitte, warum Staaten genau umgekehrt handeln sollten? Wer sollte ein Interesse daran haben, "das Geld von heute auf morgen auf den Markt zu schütten", wie Sie es ausdrücken? Um zu versuchen, den Dollar abzuwerten und damit eigene Werte zu vernichten? Schwer vorstellbar, dass die Führungen der von Ihnen genannten BR/CS (oder meinten Sie BRICS) Staaten so irrational handeln würden. Aber wer weiß - vielleicht verfügen Sie ja tatsächlich über solide Hintergrundinformationen, Herr Lehmann!

    Guten Rutsch ins Neue Jahr!

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