Devisen
Als der Dollar Feuer fing

Der Schuldenberg der Amerikaner wächst, der Dollar wackelt, die Chinesen sind verstimmt. Die Welt der Währungen ist im Umbruch. Warum auch das nächste Jahr ein schlechtes werden wird für den Dollar und selbst Fed-Chef Ben Bernanke Angst um die wichtigste Währung der Welt hat.
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FRANKFURT. Vielleicht wird der 9. Juli dieses Jahres in die Geschichtsbücher eingehen. Vor den Mikrofonen steht ein unscheinbarer Mann. Asiate, große Brille, milde Gesichtzüge. Dai Bingguo ist sein Name, chinesischer Staatssekretär. Auf dem Gipfel der mächtigsten Länder der Welt (G-8) in L'Aquila vertritt er Staatspräsident Hu Jintao, weil der tags zuvor wegen Unruhen in der chinesischen Provinz Xinjiang bereits abgereist ist.

Bingguo wählt seine Worte mit Bedacht, macht Pausen. "Wir sollten ein besseres System für die Ausgabe und Regulierung von Reservewährungen haben", sagt er. Stille. Das sitzt. Auch bei US-Präsident Barack Obama, der ein paar Meter weiter wie ein Schuljunge auf seinem Stuhl hockt. Es ist der bislang direkteste Angriff der Chinesen auf die Amerikaner und ihre Währung.

Das Vertrauen in den Dollar bröckelt, der Status als Weltwährung ist bedroht. Als Lehman Brothers im September letzten Jahres zusammenbricht, hatte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Notenpresse angeworfen. Die Banken und Versicherer sollten gestützt werden. Mit aller Macht - koste es, was es wolle. Die Angst vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems ist zu groß, als das man zaghaft vorgehen könnte.

Die Märkte werden mit Milliarden frischen Dollars geflutet; der Leitzinssatz sinkt auf faktisch 0 Prozent. Geld für umsonst. Die Banken nehmen die Geschenke dankbar an und sanieren ihre maroden Bilanzen. Das Schlimmste wird abgewendet; so sieht es zumindest aus heutiger Sicht aus. Doch der Preis ist hoch: Der riesige Schuldenberg der USA wächst und wächst und wächst und...

Die Parteibosse in Peking reagieren zunehmend nervös. Die laxe Finanzpolitik der Amerikaner missfällt den Chinesen, auch wenn viele Experten davon überzeugt sind, dass die US-Strategie letztlich ohne echte Alternative ist. Aber mit jedem Dollar, den die US-Notenbank druckt, verlieren die Dollars, die schon im Umlauf sind, an Wert.

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