Devisen: Ausverkauf der Schwellenländer-Währungen

Devisen
Ausverkauf der Schwellenländer-Währungen

Wegen der anhaltenden Inflation flüchten immer mehr Menschen aus den Schwellenländer-Währungen. Der Profiteur dieser Flucht: Der Dollar. Aber auch andere als sicher geltende Währungen sind gefragter.
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DüsseldorfDer Euro hat am Freitag zum Dollar 0,2 Prozent auf 1,3673 Dollar nachgegeben. Die US-Währung legte gegenüber den meisten wichtigen Währungen zu. Spekulationen, dass die US-Notenbank ihre Anleihekäufe weiter zurückfahren wird, stützten die Devise.

Der Ausverkauf bei Schwellenländer-Währungen verstärkte sich und vermehrte die Nachfrage nach als sicherer geltenden Anlagen. Nach der Abwertung der argentinischen Landeswährung verlor der Peso gegenüber dem Euro 14,2 Prozent, die türkische Lira gab weitere 0,6 Prozent ab, nachdem die Lira bereits 2,6 Prozent Minus am Donnerstag vorwies. „Die Probleme in den Schwellenländern werden dem Dollar nützen“, stellte Bhanu Baweja von UBS AG in London fest.

Ein Dollar kostete am Freitag mit 2,32 Lira so viel wie nie zuvor. Die Intervention der türkischen Nationalbank hatte der Währung des Landes am Donnerstag nicht geholfen. Börsianern zufolge hatte die Zentralbank Devisen im Wert von drei Milliarden Dollar verkauft, um die Talfahrt der heimischen Währung zu stoppen. Investoren hatten allerdings auf eine Zinserhöhung im Kampf gegen die Lira-Abwertung gehofft.

Am Kreditmarkt verteuerten sich die Ausfallversicherungen für Anleihen des Landes (CDS) und stiegen auf den höchsten Stand seit achtzehn Monaten. So kosteten CDS zur Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets türkischer Bonds am Freitag laut Datenanbieter Markit 268.000 Dollar, ein Plus im Vergleich zum Vortag von 6000 Dollar. Am Anleihemarkt kletterte die Rendite der richtungsweisenden zweijährigen Bonds auf 10,7 von 10,23 Prozent.

Ein Grund für die seit Monaten anhaltende Verunsicherung der Anleger ist der Korruptionsskandal in der Türkei, in dessen Rahmen mehrere Minister ihren Hut nehmen mussten. Außerdem ziehen Anleger ihr Geld verstärkt aus Schwellenländern ab, weil sie wegen der Straffung der US-Geldpolitik auf höhere Zinsen in den USA setzen. Die Türkei ist zur Finanzierung ihres Wirtschaftswachstums aber stark von ausländischem Kapital abhängig. Zudem verstärkten schwache Konjunkturdaten aus China zum Wochenschluss die Flucht der Anleger aus Schwellenland-Währungen.

Der Yen gewann gegenüber dem Euro 0,5 Prozent auf 140,69 Yen, zum Dollar war er mit 102,94 Yen 0,3 Prozent stabiler. Ein Bericht über zunehmende Sorgen wegen Kreditausfallrisiken in China stärkten die Nachfrage nach der japanischen Währung, die als relativ sichere Anlage gilt.

Der Franken notierte zum Euro mit 1,2277 Franken 0,1 Prozent fester, zum Dollar gab die Schweizer Währung geringfügig auf 89,78 Rappen nach.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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