Devisen
Brexit als Lackmustest für Wächter über den Franken

Der Schweizer Franken gilt als Fluchtburg für Geldanleger in unsicheren Zeiten. Bei einem Brexit droht die Aufwertung. Das könnte die Schweizer Nationalbank überfordern.

ZürichDevisenhändlern stehen unruhige Tage bevor: Sollten sich die Briten am Donnerstag für einen EU-Austritt entscheiden, werden Anleger Experten zufolge Milliarden von der Insel abziehen und in den „sicheren Hafen“ Schweiz fliehen. Dies würde zu einem neuerlichen Höhenflug des Franken führen, Schweizer Waren im Ausland noch teurer machen und damit der exportorientierten Wirtschaft des Landes schaden.

Die Schweizerische Notenbank (SNB) will daher alle Hebel in Bewegung setzen, um eine weitere Aufwertung zu verhindern. Sie steht mit Stützungskäufen am Devisenmarkt und notfalls auch mit einer Zinssenkung bereit. „Wir erwarten, dass es im Fall eines Brexits zu Turbulenzen kommen könnte“, hatte SNB-Präsident Thomas Jordan vergangene Woche gesagt. Die Notenbank bereite sich daher auf ein solches Szenario vor und habe ein ganzes Team im Einsatz. „Wir verfolgen die Situation am Markt ganz genau“, sagte Jordan.

Seine Sorge ist nicht unbegründet. Sollten sich die Briten für einen EU-Austritt aussprechen, würden das britische Pfund und auch der Euro unter Druck geraten, sagt HSBC-Chefdevisenstratege David Bloom. „Das würde den Franken ins Spiel bringen.“ Denn die vergleichsweise stabile und neutrale Schweiz gilt bei Investoren, die ihr Geld gerne in Europa halten, als beliebtes Anlageland. Mit der näher rückenden Abstimmungen hatte der Franken bereits in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt. Am Montag kostete ein Euro 1,0870 Franken.

Die Experten des Analysehauses Roubini erwarten, dass der Euro bei einem Brexit sogar unter die Parität zum Franken sinkt - sofern die SNB nicht unmittelbar gegensteuert. Das gab es zuletzt, als die Notenbank vor gut einem Jahr völlig überraschend ihren Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben und damit Marktturbulenzen ausgelöst hatte.

Für die Schweizer Wirtschaft wäre das ein Horrorszenario. Bereits im vergangenen Jahr bauten zahlreiche Firmen Arbeitsplätze ab oder verlagerten ihre Produktion ins Ausland, um mit den günstigeren Herstellungskosten der Konkurrenz mithalten zu können.

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