Devisen
China-Sorgen kommen beim Euro an

Von den wachsenden Sorgen um China ist der Euro – anders als die Aktienmärkte – bislang verschont geblieben. Doch am Donnerstag geriet die Gemeinschaftswährung dennoch unter Druck und gab Gewinne der vergangenen Tage ab.
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FrankfurtNach dem Höhenflug der vergangenen Tage ist der Eurokurs am Donnerstag unter Druck geraten. Analysten halten dies für eine angemessene Kurskorrektur, nachdem der Euro von den wachsenden Sorgen um China bislang verschont geblieben war. Bis zum Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung auf 1,1118 US-Dollar. In der Nacht war der Euro noch kurzzeitig bis auf fast 1,12 Dollar geklettert. Zuvor war die Gemeinschaftswährung sechs Handelstage in Folge gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1109 (Mittwoch: 1,1155) Dollar festgesetzt.

Seit dem Wochenbeginn hatte die unerwartete Abwertung des chinesischen Yuan für Unruhe an den Devisenmärkten geführt. Am Donnerstag hat sich die Lage dann allerdings wieder etwas entspannt. Zwar haben die chinesischen Notenbanker den Yuan den dritten Tag in Folge abgewertet. Gleichzeitig signalisierten sie aber, dass es mit den Maßnahmen nun vorbei sein könnte. Die Anpassung des Referenzkurses an den eigentlichen Handelskurs sei „im Wesentlichen beendet“, teilte ein Sprecher der Notenbank nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit.

Für Analysten der Commerzbank ist die Abwertung des Yuan dennoch eine angemessene Kurskorrektur, nachdem der Euro während der Turbulenzen um China zunächst stark zugelegt hatte. Denn ein Wachstumseinbruch in China würde die Eurozone vermutlich ebenso, wenn nicht sogar stärker treffen als die USA, so das Argument. „Und das in einer Situation, in der die Europäische Zentralbank ohnehin schon im Expansionsmodus ist, um Konjunktur und Inflation anzuschieben.“ Demnach könne man die Frage stellen, ob die europäischen Währungshüter weitere expansive Maßnahmen ergreifen.

Tatsächlich hatte sich die EZB bei ihrer jüngsten Sitzung Mitte Juli mit Blick auf die Entwicklung der Finanzmärkte in China besorgt gezeigt, wie aus dem entsprechenden Protokoll hervorgeht, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die negativen Folgen könnten angesichts der wichtigen Rolle Chinas im internationalen Handel größer als erwartet ausfallen, so das Fazit. Die im Protokoll erwähnten Zweifel der Notenbanker sind zwar unabhängig von der Yuan-Abwertung. Zum Zeitpunkt der letzten EZB-Sitzung hatte die chinesische Notenbank noch nicht begonnen, ihre Währung abzuwerten. Die Yuan-Abwertung dürfte aber die ohnehin vorhandenen Sorgen verstärkt haben.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,7149 (0,7088) britische Pfund, 138,45 (137,99) japanische Yen und 1,0864 (1,0859) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1116,75 (1119,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 31 780,00 (31 690,00) Euro.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Chinas Wirtschaft ist schon länger in der Rezession (jaja, wächst aber mit 7 % bla...) als die Exportzahlen dieses Frühjahr nicht so toll waren, wurden von China veröffentlich, man habe ein Exportplus von 20% in die EU. Gleichzeitig kämpfte Draghi wegen der Stagnation darum die Druckerpresse hier anzuwerfen. Kurz gesagt, die EZB muss sehr genau wissen, wo die Wahrheit bei den chin. Zahlen liegt. Wenn Draghi die aktuelle öffentliche Schwäche in China als Begründung nutzt, dann einfach weil er auf diesen Abwertungskrieg mitspielen will. (Natürlich kann er nicht offen Zahlen aus China einfach widersprechen, das wäre zuviel verlangt).

    Aber was erzählt der Commerzbankangestellte denn nur? Der Euro ist seit der chin. Abwertung deutlich gegenüber dem Dollar gestiegen, Wen trifft das also? Bzw. ist doch die Frage, wie China die Abwertung technisch handhabt, kaufen die mehr Dollar oder mehr Euro? Wenn es Euro sind, dann glauben die Chinesen eben mehr an den Euro als an den Dollar. Vielleicht weil sie genau wissen, wie man volkswirtschaftliche Zahlen frisiert und die Fed das genauso macht wie die Chinesen?

  • Spätestens mit dem Amtsantritt von Draghi - andere sagen, dass das davor auch nicht anders war -, wissen wir, dass der Euro kein knappes Gut ist. Güter, die nicht knapp sind, eigenen sich nicht als Wertaufbewahrungsmittel. So lernen es Volks- und Betriebswirte in der Einführungsveranstaltung zum Studium.

    Dass dies für den USD ebenso gilt, lesen wir aus dem Verlauf seines Wechselkurses.

    Dass solche Politik zu gewaltigen volkswirtschaftlichen Verwerfungen führt, lesen wir ebenso täglich aus der Wirtschaftspresse. Andere behaupten, dass dies Anzeichen des weltweiten Finanzkrieg seien. Dem ist nichts entgegenzuhalten.

    Wenn wir also Werte aufheben, sparen wollen, dann kann dies nicht in Form von Devisen stattfinden.

    Große Spekulaten verweisen da auf Wasser, Trinkwasser!

    In der Tat ist es so, dass China ca. 20 % der Weltbevölkerung stellt, aber nur über ca. 7 % der Trinwasserreserven. Stellen wir uns also auf eine härter werdende Realpolitik ein, die mit den "Scheingefechten" der heutigen Politik nichts zu tun hat.

    Wer diesen Gedankengang nicht hinnehmen will, der möge nachschlagen weshalb heute Kriege geführt werden. Häufig ist es der Kampf um Ressourcen, in der Regel um Ölreserven. Man bedenke welch unnützes Gut Öl im Vergleich zu Trinkwasser ist und wir wissen, dass es nicht "fünf vor zwölf" sondern bereits "zwölf" ist.

    Schauen wir auf unsere eigenen Politiker und wir stellen fest, dass die eine Politik für einen anderen Stern machen. Die machen nichts anders als eine Einigung auf ein neues Papierformat in der Bürokratie einzuführen oder Bananen und Gurken gerade zu biegen. Das sollen Leute sein, die uns in die Zukunft führen können?

    Wenn Sie nicht so wildes Geschrei machen würden, würde keiner sie wahrnehmen. Die Erwartung, dass diese "Elite" uns vorwärts bringen könnte, ist eindeutig fehl am Platz. Schauen Sie sich die Politik von Frau Merkel an. Sie ist die beliebteste Politikerin in der Bundesrepublik. Sie macht nichts. Deshalb stört sie am wenigsten.

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