Devisen
Der Dollar gibt nach, der Euro profitiert

Die Nullzinspolitik der US-Notenbank gibt Euro weiterhin Rückenwind. Zwischenzeit hatte die Gemeinschaftswährung ihr Fünfwochenhoch erreicht. Der Dollar gab gegenüber den meisten Währungen nach.
  • 0

FrankfurtDie Nullzinspolitik der US-Notenbank hat den Euro am Donnerstag auf den höchsten Stand seit fünf Wochen gehievt. Der Dollar gab gegenüber den meisten Währungen nach, weil Anleger in Devisen aus Ländern mit höheren Leitzinsen mehr Renditechancen sehen. Am Abend hatte die Federal Reserve (Fed) angekündigt, die Zinsen bis Ende 2014 in der Spanne zwischen null und 0,25 Prozent belassen zu wollen.

Fed-Chef Ben Bernanke sagte, sollte sich der Arbeitsmarkt nicht wie erhofft erholen und die Inflationsrate niedriger als von den Notenbankern gewünscht ausfallen, sei die Zentralbank bereit, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Über weitere Staatsanleihenkäufe sei gesprochen worden. Eine solche dritte Runde geldpolitischer Maßnahmen (QE3) würde den Dollar weiter schwächen.

Ingesamt sei die Niedrigzinspolitik der Fed als Versuch zu sehen, die konjunkturelle Erholung stärker zu fördern, kommentierte BayernLB-Analyst Christoph Schroeter. „Bei einem ohnehin schon sehr niedrigen Zinsniveau ist aber nicht zu erwarten, dass diese Maßnahme die Konjunktur in nennenswertem Umfang stützen wird. Vielmehr riskiert die Notenbank eine Schädigung ihrer Glaubwürdigkeit, sollte die wirtschaftliche Entwicklung den ersten Zinsschritt schon vor Ende 2014 notwendig machen.“

Der Euro kletterte mit 1,3174 Dollar auf den höchsten Stand seit dem 22. Dezember. Der Dollar-Index, der gegenüber einem Korb anderer Währungen ermittelt wird, fiel um 0,5 Prozent. Höher verzinste Währungen legten noch mehr zu - etwa der australische Dollar, der auf ein Drei-Monatshoch von 1,065 Dollar stieg. Der neuseeländische Dollar wurde bei 0,8213 Dollar gehandelt - dem höchsten Stand seit Ende Oktober.

In diesen Währungen könnte die Rally einige Zeit andauern, sagte Währungsstratege Michael Sneyd von BNP Paribas. „Beim Euro spielt eine größere Rolle, dass wir noch immer keine Lösung bei den Verhandlungen um einen Schuldenschnitt Griechenlands haben.“ Bei den Gesprächen zwischen privaten Gläubigern und den Euro-Ländern über einen Forderungsverzicht war auch am Donnerstag kein Ende abzusehen.

Aus dem Umfeld der Bundesregierung verlautete, dass man bei den Gesprächen zwischen der Troika von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) und der griechischen Regierung über ein zweites Hilfspaket nicht mit einer Einigung bis zum EU-Gipfel am Montag rechne. Der Bericht dazu werde erst Ende Januar oder Anfang Februar vorliegen.

Positiv fiel am Rentenmarkt eine Anleihe-Auktion Italiens aus. Das unter Spardruck stehende Land sammelte 4,5 Milliarden Euro bei der Emission von Bonds mit zweijähriger Laufzeit ein. Die Anleihe war 1,714-fach überzeichnet, die Rendite fiel mit 3,763 Prozent so niedrig aus wie seit August 2011 nicht mehr. Die Zinsen der zehnjährigen Anleihen des Landes sank auf 6,111 Prozent. Der Bund-Future notierte 21 Ticks fester bei 138,03 Zählern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Devisen: Der Dollar gibt nach, der Euro profitiert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%