Devisen
Die illegalen Tipps der Banker

Der Skandal um mutmaßliche Manipulationen am Devisenmarkt hat offenbar eine neue Dimension erreicht: Kreisen zufolge wurden nicht nur Informationen zwischen Banken ausgetauscht, auch Firmen erhielten geldwerte Tipps.
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FrankfurtDer Manipulationsverdacht auf dem Devisenmarkt weitet sich aus. Es scheinen nicht nur Banken schwer belastet zu sein. Nun soll Martin Chantree, ein hochrangiger Händler der Lloyds Banking Group, Informationen über eine ausstehende Order mit einem Unternehmen ausgetauscht haben - und das wohl zum finanziellen Nachteil seines Arbeitgebers.

Martin Chantree machte andere Händler am 31. Januar 2013 darauf aufmerksam, dass sein Bereich eine bankinterne Anweisung erhalten hatte, mehr als 300 Millionen Pfund (rund 360 Mio. Euro) in Dollar zu wechseln und diese Verkäufe unabhängig des Kurses vorzunehmen. Das erklärten zwei Personen unter Zusicherung von Anonymität. Den Tipp erhielt nach Angaben zweier Insider ein Mitarbeiter des Ölkonzerns BP.
In den sieben Minuten zwischen der Mitteilung um 10.53 Uhr morgens und dem Zeitpunkt, als Lloyds den Auftrag ausführte, fiel das Pfund um 16 Basispunkte oder 0,16 Prozentpunkte gegenüber dem Dollar. Das geht aus Daten von Bloomberg hervor.

Während die britische Landeswährung nachgab - was Lloyds schätzungsweise 750.000 Dollar (rund 541.000 Euro) kostete - soll Chantree zu seinen Kollegen gesagt haben, er hätte die Information nicht ausplaudern sollen. Am 3. Februar 2014 wurde Chantree, der zuvor neun Jahre bei der Bank tätig war, suspendiert. Er reagierte weder auf telefonische Nachrichten bei einer unter seinem Namen eingetragenen Nummer, noch auf Mitteilungen auf LinkedIn oder über einen Kurier an seinem Wohnsitz.
„Kursrelevante Informationen durchsickern zu lassen - das dürfte gut und gerne auf die Vergehen Marktmissbrauch und Insiderhandel hinauslaufen”, sagt Charles Kuhn, ein Rechtsanwalt bei der Kanzlei Hickman & Rose. „Die Aufseher sind immer mehr dazu bereit, energisch gegen Personen und Institutionen vorzugehen, bei denen sie solche Verstöße vermuten. Die Folgen für jemanden, der seine gesamten Positionen an einen nicht ermächtigen Dritten weitergibt, sind wahrscheinlich schwerwiegend.”

Rund um den Globus nehmen Ermittler mögliche Manipulationen am Devisenmarkt unter die Lupe, an dem täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt werden. Mindestens ein Dutzend Aufseher auf drei Kontinenten prüfen Vorwürfe. Demnach sollen Händler mit ihren Kollegen bei anderen Banken kollaboriert haben, um Benchmark-Sätze zu manipulieren, und eigene Aufträge vor denen der Kunden auszuführen. Mehr als 20 Händler wurden im Zuge der Ermittlungen bereits beurlaubt oder gefeuert.

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  • Das hat eine viel höhere Qualität, mit dem Wort Mafia würde man das absolut unzureichend, ganz sicher sogar falsch bezeichnen. Die wahren Herren der Welt, eine kleine feudale Geld- und Machtelite halten sich nicht nur westliche Regierungen mitsamt dazugehörenden Staatsapparaten, sie unterhalten sich auch eine Betrugsabteilung in der ihr quasi gehörenden Finanzwirtschaft. Normalerweise werden Lecks und Whistleblower von ihren Spezialabteilungen ihnen gehörender Geheimdienste behandelt bzw. einer Problemlösung zugeführt, die als Beamte von den jeweiligen Steuerzahlern bezahlt werden. Diese weltumspannende Verbrechenskrake, nur annähernd richtig mit den Namen Wallstreet und City of London benannt, kann mit normalen Mitteln, Justiz und Polizei, nicht mehr kontrolliert oder bekämpft werden, sie sind absolut außerhalb jeglicher Kontrolle. Im Gegenteil, sie sind es die immer mehr uns alle kontrollieren. Auf taktische Art und Weise werden immer nur ein paar untergeordnete involvierte Bedienstete von dieser Krake dem Publikum zum Fraße vorgeworfen. Medial lässt sich dann um so besser orchestrieren, seht her das System funktioniert.
    Nein liebe Leute, das System funktioniert nicht und es macht uns Menschen kaputt und zu Sklaven! Wir könnten diese Verbrecher nur noch durch einen radikalen Systemwechsel zu einer echten weltweiten Demokratie (Volksplebiszite), einigermaßen zurück drängen, aber wahrscheinlich niemals ganz unter Kontrolle bekommen.

  • ja Mafia in Nadelstreifen...^^

    aber der kleine mann soll zum Investieren angeregt werden...

    Wieso geht man gegen die eigentlich nicht so hart vor wie gegen die OK ??

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