Devisen
Dollar verschafft sich etwas Luft

Der nachlassende Appetit der Anleger auf Spekulationen gegen den Dollar haben der US-Währung am Montag Auftrieb gegeben. Der Euro fiel auf 1,3927 Dollar, nachdem er am Freitag zeitweise auf ein Neun-Monats-Hoch von 1,4157 Dollar geklettert war.
  • 0

HB FRANKFURT. „Die Dollar-Abschwung war extrem aggressiv und einige Anleger fragen sich, ob nicht zu viel Quantitative Easing eingepreist wurde“, sagte Devisenstrategin Jane Foley von der Rabobank. Die Erwartung einer weiteren Lockerung der US-Geldpolitik - im Börsenjargon „Quantitative Easing (QE) 2.0“ genannt - hatte die US-Währung in den vergangenen fünf Wochen massiv belastet. Der Dollar-Index, der die Wechselkurse zu sechs wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel um rund acht Prozent. Dies ist der stärkste Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008. Am Montagnachmittag notierte der Index 0,2 Prozent im Plus. Die etwas schlechter als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten wirkten sich kaum auf die Wechselkurse aus.

Über die Auswirkungen der Meinungsverschiedenheiten zwischen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber und EZB-Chef Jean-Claude Trichet waren sich Börsianer uneins. Während Helaba-Experte Ralf Umlauf darin einen Belastungsfaktor für die Gemeinschaftswährung sah, kam Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank, zum gegenteiligen Urteil. „Ich halte den aktuellen Diskurs für zwingend erforderlich. Er stellt die Stabilitätspolitik der Europäischen Zentralbank nicht infrage.“ EZB-Ratsmitglied Weber hatte vergangene Woche vor einem zu späten Ausstieg der Europäischen Zentralbank aus ihrer derzeitigen, ultra-lockeren Geldpolitik gewarnt. Außerdem kritisierte er den Ankauf von Staatsanleihen. Trichet betonte in einem Zeitungsinterview vom Wochenende: „Das ist nicht die Position der überwältigenden Mehrheit im Rat.“

Bei deutschen Staatstiteln hielten sich Anleger mit Engagements zurück. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, verlor 14 Ticks auf 130,58 Punkte. Sie griffen stattdessen verstärkt zu portugiesischen Anleihen. Deren Risikoaufschläge verringerten sich um 28 auf 318 Basispunkte. „Die Anleger sind in Peripherie-Bonds unterinvestiert und dürsten nach höheren Renditen“, sagte Rentenstratege Marc Ostwald von Monument Securities. Daher stützten die Anzeichen für einen Kompromiss im Streit um den portugiesischen Sparhaushalt die Kurse. Einem Zeitungsbericht zufolge will die größte Oppositionspartei PSD für den Haushaltsentwurf der Minderheitsregierung stimmen, wenn die Steuererhöhungen geringer ausfallen als bislang geplant.

Im Fahrwasser der sinkenden portugiesischen Spreads gingen auch die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen zurück. Für zehnjährige Bonds lagen sie mit 336 Basispunkten 18 Ticks unter dem Niveau vom Freitag. Vor allem langfristig orientierte Anleger wie Pensionsfonds griffen bei den irischen Titeln wieder zu, sagte ein Dubliner Händler.

Kommentare zu " Devisen: Dollar verschafft sich etwas Luft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%